Heidenheim / Andreas Uitz Was sagen die sechs Bundestagskandidaten aus Heidenheim zu kostenlosen Kita-Plätzen, dem bedingungslosen Grundeinkommen und im allgemeinen zu Gerechtigkeit der Gesellschaft?

An den sozialen Themen und wie man die Probleme angehen kann, scheiden sich seit jeher die Geister in der Politik. Was für die einen eine Problem darstellt, kann oft aus der Sicht anderer überhaupt nicht geändert werden.

Hapert es an sozialer Gerechtigkeit? Wenn ja, was tun dagegen?

„An der sozialen Gerechtigkeit muss weiter gearbeitet werden, jedoch mit Besonnenheit“ sagt Roderich Kiesewetter. Man müsse sich mehr um Langzeitarbeitslose sowie Schul- und Ausbildungsabbrecher kümmern, das sei die beste Sozialpolitik. Arbeitsintensive Berufe wie in der Pflege müssen durch höhere Bezahlung besser unterstützt werden.

Die Kluft zwischen Arm und Reich werde immer größer, sagt Leni Breymaier. Deshalb sollen steuerlich niedrige und mittlere Einkommen entlastet werden, von besonders hohen Einkommen sei eine höhere Beteiligung an den Aufgaben nötig.

Auch Margit Stumpp sieht Ungerechtigkeiten: „Es gibt bei uns Armut und Perspektivlosigkeit, die sich oft über Generationen verfestigt.“ Gegenmaßnahmen seien unter anderem ein Bildungssystem, das Erfolge unabhängig vom Elternhaus gewährleistet, vernünftige Löhne für Beschäftigte, auskömmliche Renten und das Eindämmen extremer Vermögenskonzentration. Diese Ansicht teilt Saskia Jürgens, denn Deutschland sei unter den vier Ländern mit den meisten Millionären. Gleichzeitig seien zwei Millionen Kinder und viele Rentner von Armut betroffen. „Reichtum muss umverteilt werden.“

„Die Zeiten verlässlicher Berufswahl sind vorbei“, so Ruben Rupp. Es sei keine Ausnahme mehr, dass man in einem Leben den Arbeitgeber mehrfach wechseln muss. Das beste Mittel dagegen seien Bildungsprogramme, die Förderung von Unternehmensgründungen und besonders ein spürbar höherer Steuerfreibetrag.

Gegen eine Vereinheitlichung stellt sich Silke Leber. Der Schlüssel für soziale Gerechtigkeit liege in Bildung und Ausbildung. „Faire Löhne gehören auch dazu und weniger staatlichen Einfluss in Bezug auf Steuern.“ Wer mehr arbeitet solle auch mehr verdienen.

Frühkindliche Förderung ist ein Schlüssel für Integration und Chancengerechtigkeit. Muss die Kita gratis und verpflichtend werden?

Die Kita sollte grundsätzlich mit niedrigen Kosten verbunden sein, meint Roderich Kiesewetter. Bei Wegfallen der Gebühren werde die Qualität der Betreuung leiden und an anderer Stelle den Kommunen das Geld fehlen. Für sozial Benachteiligte müsse es einen gestaffelten Sozialtarif geben.

Anders sieht das Leni Breymaier: Bildung muss kostenfrei sein beginnend bei der Kita.“ Nur so sei Chancengleichheit in der Gesellschaft möglich. Über eine mögliche Verpflichtung sei eine breite gesellschaftliche Debatte notwendig.

Beitragsfreie Bildung fordert auch Margit Stumpp und gleichzeitig einen Ausbau der Qualität mit Mitteln des Bundes. Wichtig sei, „dass kein Kind aus finanziellen Gründen ausgeschlossen werden darf.“

Auch Saskia Jürgens wirbt für kostenfreie Bildung um Chancengleichheit zu gewähren. Sie sei für flächendeckende Ganztagesbetreuung mit einer hohen Qualität an Unterricht, Förderung, Inklusion und Personal. „Keine Kitapflicht, sondern ein Recht auf Kita ist das Ziel.“

Von einer Pflicht hält Ruben Rupp nichts, er will Wahlfreiheit und auch frühkindliche Eigenbetreuung der Kinder monetär unterstützen. Integrationsbereitschaft müsse jedes Elternhaus mitbringen.

„Beitragsfreie Kitas sind wünschenswert“ sagt Silke Leber und wünscht sich auch mehr Qualität. Richtig wäre, das dritte Kindergartenjahr kostenfrei und frühzeitig einen Sprachstandstest zu machen, damit alle Kinder dieselben Startbedingungen in der Schule haben.

Was halten Sie eigentlich von der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens?

Roderich Kiesewetter hat eine klare Meinung dazu: „Dieser Gedanke ist mit einer weltoffenen, leistungsbereiten Gesellschaft, in der wir leben, nicht vereinbar.“

Diese Ansicht teilt Leni Breymaier: „Der Charme liegt für mich alleine im Wort bedingungslos. Ich glaube, der Betrag wird zu niedrig sein.“ Mit der Gießkanne verteilt, fehle es an anderer Stelle, außerdem werde Erwerbsarbeit dadurch entwertet.

Im Zug der Digitalisierung müsse diskutiert werden, wie die Produktivität von Maschinen dem Lebensstandard der Gesamtbevölkerung zugute kommt, so Margit Stumpp, diedas bedingungslose Grundeinkommen als Modell untersucht sehen will.

„Es gibt unterschiedliche Modelle, die zu verschiedenen Ergebnissen führen“, so Saskia Jürgens. Sie sieht die Chance, dass sich die Verhältnisse zwischen Arbeit und Freizeit, sowie Arbeitnehmer und Arbeitgeber positiv ändern können.

„Ich bin für gut durchdachte Argumente offen, allerdings sollte man auf dem Boden der Realität bleiben“, sagt Ruben Rupp. Grundsätzlich sollte alles an der Marktwirtschaft ausgerichtet werden.

Eine klare Gegnerin ist Silke Leber: „Warum soll jemand arbeiten, wenn er ohne Arbeit Geld bekommt?“ Ein Grundeinkommen sollte für die Menschen sein, die aus welchem Grunde auch immer Probleme haben, Arbeit zu finden.