Heidenheim / Andreas Uitz Mit Prävention kann man nicht früh genug beginnen. Diesen Leitsatz macht sich das Projekt „Papilio“ zunutze, das bereits im Kindergarten ansetzt und den Jüngsten dabei helfen will, vor Schieflagen im Leben bewahrt zu werden.

„Es geht um Gesundheitsförderung und um Prävention“, erklärt Heidrun Mayer die wesentlichen Inhalte des Programms, dem sich im Landkreis bereits sechs Kindergärten angeschlossen haben. In diesen Einrichtungen sind die Erzieherinnen speziell geschult, um den Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren die Grundlagen für soziale und emotionale Kompetenten zu vermitteln. „Eigentlich ist das ein Prozess, der das ganze Leben anhält, und deshalb sollte man so früh wie möglich ansetzen“, so Mayer bei einem Pressegespräch im Rahmen einen Tourtags, mit dem das Projekt „Papilio“ im Landkreis Station machte. Heidrun Mayer ist geschäftsführende Vorsitzende des in Augsburg beheimateten Vereins Papilio.

Rund 700 Kindergartenkinder hatten am Mittwoch und Donnerstag Gelegenheit, Aufführungen der Augsburger Puppenkiste zu sehen, die mit der Geschichte „Paula und die Kistenkobolde“ vor Ort war und mit dem Marionettenstück aufzeigte, wie Kinder mit Gefühlen umgehen können.

Eben um diese Sensibilisierung geht es bei „Papilio“. „Manche Kinder haben Schwierigkeiten damit, Gefühle zu zeigen“, sagt Monika Althoff, Leiterin des Eichhalde-Kindergartens in Königsbronn. Diese Einrichtung hat sich an dem Programm beteiligt und dieser Tage ein entsprechendes Zertifikat erhalten. Die Kinder reagierten toll auf die neuen Möglichkeiten, Sozialkompetenzen spielend zu erlernen, ergänzt die stellvertretende Leiterin Ute Schauz. „Wenn man nicht früh lernt, mit Gefühlen umzugehen, kann einen das fürs ganze Leben prägen“, so Mayer. Deshalb versteht sich „Papilio“ auch als Projekt der Gewalt- und Suchtprävention.

„Sehr wichtig ist, dass diese Prävention frühzeitig greift“, sagt auch Kultusminister Andreas Stoch. Denn eingeprägte Verhaltensmuster ließen sich später viel schwieriger korrigieren. Aus diesem Grund befürwortet er das „Papilio“-Projekt, denn das sei nicht nicht nur für die Kinder selbst wichtig, sondern auch für die Erzieher. „Hier mit kindgerechten Methoden die richtigen Wege und Verhaltensweisen aufzuzeigen, ist von großer Bedeutung“, so Stoch. Grundsätzlich hält er ein ausgefeiltes pädagogisches Fortbildungskonzept für wichtig, das auch bei der Persönlichkeitsentwicklung der Erzieher eine bedeutende Rolle spielen könne.

In Kinderbetreuungs-Einrichtungen, die sich an dem Projekt beteiligen, werden Erzieherinnen speziell darin ausgebildet, zu erkennen, ob sich Kinder in schwierigen Situationen befinden, und wie sie mit ihren Gefühlen umgehen. Darüber hinaus werden sie geschult, bei problematischen Entwicklungen gegenzusteuern. „Denn die soziale und emotionale Kompetenz sind Grundlage für das Erlernen aller Fähigkeiten, von der Sprachentwicklung hin bis zum Aufbau von Freundschaften“, so Mayer.

Im Landkreis Heidenheim ist „Papilio“ seit 2011 aktiv, erklärt der Kommunale Suchtbeauftragte des Landkreises, Peter Barth. Finanziell unterstützt wird die Fortbildung der Erzieherinnen von Anfang an vom Service-Club Round Table. Das Projekt dauert in der Regel rund zwei Jahre, während derer neun Fortbildungstermine stattfinden. „Es ist sehr wichtig für die Erzieher, dass das Erlernte auch direkt angewendet und auf diese Weise Teil des Alltags wird“, so Mayer. „Soziale Kompetenzen spielen eigentlich das ganze Leben lang eine Rolle und spiegeln sich auch im Beruf wider, deshalb liegt uns die Förderung des Projekts so am Herzen“, so der Präsident des örtlichen Round Table 125, Holger Nagel. Der gestrige Aktionstag diente jedoch nicht nur dem Zweck, die Kinder mit einem Marionettenstück zu unterhalten. Vielmehr will „Papilio“ auch Werbung dafür machen, dass sich noch mehr Betreuungseinrichtungen an dem Weiterbildungsprojekt beteiligen. „Wir wollen den Erziehern zeigen, wie wichtig die frühzeitige Prävention ist“, sagt Mayer. Und bei den Vorführungen mit der Puppenkiste werde sehr deutlich, dass Prävention auch Spaß machen könne.