Heidenheim / Manuela Wolf Tom Buchner wünscht sich eine neue Partnerin. Doch wo sucht man als Rentner im Landkreis Heidenheim nach der Frau fürs Leben? Eine Lösung hat der Mann bislang nicht.

Alleine sein, das ist nicht schlimm für Tom Buchner (Name von der Redaktion geändert). Da geht ihm wenigstens niemand auf die Nerven. Er muss keine Rechenschaft ablegen, keine Rücksicht nehmen und nicht unnötig Smalltalk betreiben.

Aber die Einsamkeit, die nagt schmerzlich an dem Rentner aus Heidenheim. Wenn mal wieder niemand anruft zu Weihnachten und er die große Schüssel Kartoffelsalat über Tage hinweg alleine aufessen muss, im Schlafanzug, vor dem Fernseher, umgeben von der ungewollten Stille seiner kleinen Stadtrandwohnung – unerträglich.

Zwei Ehen gingen in die Brüche

„Ich frage mich manchmal, ob ich wirklich so schrecklich bin, dass niemand mit mir Zeit verbringen will“, sagt der 73-Jährige und spielt mit seiner Wollmütze. Dass er schon fortgeschrittenen Alters ist, ist ihm nur im Ansatz anzusehen. Seine aufgeweckte Art und seine Interessen decken sich nicht mit denen „alter Säcke“, sagt er. Wetter, Bluthochdruck, Familienstreitigkeiten, Banales und Alltägliches langweilen ihn.

Er will auch nicht herumkommandiert oder bevormundet werden. Manche Frau hat schon beim ersten Treffen an seinem Hemdkragen genestelt und die Knöpfe ordentlich verschlossen. Wie ihm das zuwider ist! Denn Partnerschaft und auch Liebe, das hat für ihn viel mit Freiheit und Respekt zu tun. Jeder darf sein, wie er eben ist, und wird trotzdem gemocht.

Das neue Glück – unerträglich

Tom Buchner war bereits zweimal verheiratet. Mit der ersten Frau hatte er sich einen privaten Pflegedienst aufgebaut. Sie Altenpflegerin, er Kaufmann, die Karriere stand im Vordergrund, Kinder waren nie geplant. Nach über 20 Jahren Seite an Seite verliebte sie sich neu. Trennung.

Übers Internet lernte der Trike-Fan eine deutlich jüngere Frau kennen und zog kurzerhand Richtung Süden. Gemeinsame Ausfahrten füllten die Freizeit. Tom und seine Herzensdame waren unzertrennlich . Doch von einem Tag auf den anderen waren alle Versprechen nichtig. Seine schmale Rente reichte nicht mehr für den bisherigen Lebensstandard. Das neue Glück seiner Ex-Frau mit einem anderen Mann war unerträglich.

Seit Jahren single

Wieder stellte das Internet die Weichen für die Zukunft. Kontakt nach Bolheim. Na, wie lebt es sich in deiner Region? Kannst du Ausschau halten nach einer Wohnung? Wieder ließ er den Freundeskreis hinter sich, brach ganz alleine auf in ein neues Leben.

Sechs Jahre ist Tom Buchner inzwischen Single, fast genauso lange ist er schon in Heidenheim, fernab von Familie und alten Freunden. Er arbeitet ein paar Stunden am Tag als Fahrer, damit er sich auch mal etwas außer der Reihe leisten kann. E-Bike. Konzertbesuche. Gutes Essen, am besten mit Fleisch, im Kochen ist er nicht talentiert. Aber auch dafür braucht er die neue Frau nicht. „Ich bin auf der Suche nach einer Freizeitbegleitung“, sagt er.

Liebe übers Inserat

Genau so hatte er deshalb mal in der Tageszeitung inseriert. Kurz und knapp. Zwei Damen meldeten sich auf die Chiffre-Anzeige. Die eine war 15 Jahre älter und suchte eher einen Hausmeister für ihr großes Anwesen als einen neuen Partner, die andere war erst kürzlich Witwe geworden und brach nach einem ersten Treffen den Kontakt ab. Für eine Beziehung sei es noch zu früh, sagte die Frau. „Es ist schwierig mit Witwen, wenn sie sich noch nicht gelöst haben, da wirst du immer verglichen“, sagt der Mann mit einem Faible für Rockmusik.

Erneut eine Chiffre-Anzeige zu schalten, kommt für ihn nicht in Frage, „es scheitert alleine schon daran, dass ich gar nicht weiß, was ich schreiben soll.“. Zu antworten auf eine solche Anzeige bringt seiner Erfahrung nach nichts, bisher hat er noch keine einzige Rückmeldung erhalten auf seine sorgsam überlegten Zeilen.

Auf der Suche nach einer Beziehung

Internet? Zu viele schräge Leute unterwegs. Organisierte Single-Treffen? Mehrfach getestet und für ähnlich schwierig befunden wie Single-Reisen, Single-Stammtische, Single-Wanderungen – Veranstaltungen dieser Art sind stark von den Teilnehmern und vom Programm abhängig, „das Programm für die Jungen schaffe ich körperlich nicht mehr, das für die älteren interessiert mich nicht“.

Außerdem hat Tom Buchner schon mehrmals erlebt, dass in solchen Stunden eher Frauen zueinander finden. Sie kommen schnell miteinander ins Gespräch, verstehen sich auf Anhieb prächtig – und die Männer bleiben den Rest der Zeit außen vor.

Im Sommer ist das Alleinsein leichter

Im Sommer fällt es dem gebürtigen Westfalen leichter, niemanden an seiner Seite zu haben. Wenn das Wetter mitspielt, steigt er aufs Rad, fährt nach Langenau oder Aalen oder eine große Runde durch den Wald, macht Halt an Lieblingsplätzen, kehrt in eine Gartenwirtschaft ein, raucht unterwegs ein paar Zigaretten.

Im Winter dagegen, da fällt ihm oft die Decke auf den Kopf. Fast täglich setzt er sich deshalb in eine Bäckerei. Tasse Kaffee, Stück Kuchen. Oder er fährt in die Therme nach Bad Waldsee. Oder in die Sauna nach Herbrechtingen. Aber auch da: nichts.

Keine Kontakte, keine Gespräche, nicht mal Smalltalk, er denkt, dass ihm seine Schüchternheit im Weg steht: „Sieht man mir ja nicht an, dass ich Single bin, und ich sag das ja auch nicht offensiv. Wie also soll jemand davon wissen?“

Nicht um jeden Preis

Allerdings: Mit aller Gewalt auf der Suche ist er nun auch wieder nicht. Es geht ihm im Großen und Ganzen ganz gut, sagt er. Aber Tom Buchner hätte einfach mal gerne wieder jemanden zum Schwätzen an seiner Seite, vielleicht auch mal zum Händchenhalten, man wird sehen, was sich ergibt.

Seine Ansprüche an eine Partnerin sind deshalb gering. Umgekehrt darf auch die Frau nicht zu große Forderungen stellen, er will sich selbst ja schließlich auch nicht mehr ändern. Ein bisschen Nähe und Wärme, ein paar gute Gespräche, eine warme Suppe im Krankheitsfall, niemand müsse mit in die Sauna oder aufs Rad, sei aber herzlich eingeladen, mitzukommen. „Und hübsch sollte sie halt sein. Sonst wird das mit dem Händchenhalten eher nichts.“

Wo lernen sich Paare kennen?

In Deutschland leben knapp 17 Millionen Menschen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren alleine. Zahlreichen Umfragen zufolge suchen die meisten Singles lieber über Monate oder gar Jahre hinweg nach dem Partner für den Rest des Lebens, als sich auf eine schnelle Beziehung voller Kompromisse einzulassen.

Fündig werden sie in den allermeisten Fällen im Freundes- und Bekanntenkreis; jedes Dritte Paar traf sich dort zum allerersten Mal. Mit 22 Prozent liegen Arbeit, Schule und Ausbildung auf Platz zwei. Begegnungen in Discos oder Kneipen machen beinahe 16 Prozent aus.

Weit abgeschlagen nach Hobby, Verein oder Sport liegt mit 5,6 Prozent das Internet.