Heidenheim / Michael Brendel Ein Heidenheimer Autohändler ist wegen Betrugs zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und zwei Monaten verurteilt worden.

Verglichen mit der im Raum stehenden Schadenssumme nimmt sich die Zahl geradezu mickrig aus. Ihre Bedeutung für den ehemaligen Inhaber eines Autohauses ist gleichwohl erheblich: 62 Monate Gefängnis wegen Betrugs bzw. Veruntreuung und Unterschlagung erachtete die 1. Große Strafkammer des Ellwanger Landgerichts als schuld- und tatangemessen für die dem 32-Jährigen zur Last gelegten Taten.

Das Gericht blieb damit vier Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, während der Verteidiger auf eine Freiheitsstrafe von maximal vier Jahren plädiert hatte. Das Urteil schließt neben den jetzt geahndeten, zwischen Januar 2016 und Mai 2018 begangenen 17 Fällen vier weitere ein, die bereits bei zwei Verhandlungen im vergangenen Jahr abgeurteilt worden waren.

Wertersatz angeordnet

Damals hatte das Heidenheimer Amtsgericht zwei Jahre und acht Monate verhängt. Es ordnete seinerzeit zudem an, einen Wertersatz von rund 198 000 Euro einzuziehen. So hoch wurde die Summe veranschlagt, die der 32-Jährige sich durch sein unrechtmäßiges Verhalten angeeignet hatte. Hinzu kommt jetzt ein Betrag in Höhe von gut 385 000 Euro.

Nachdem am Montag zahlreiche Geschädigte vernommen worden waren (HZ vom 3. Juli), trat am zweiten Prozesstag eine Kriminalbeamtin in den Zeugenstand, die sich mit den Konten des Autohändlers befasst hatte. Ihre Einschätzung: Ab Ende 2016 zeigte sich eine prekäre finanzielle Situation, mit der alsbald Pfändungen einhergingen. Auffällig waren hohe Barabhebungen, deren Zweckbestimmung unklar blieb. Allerdings gebe es keine Hinweise darauf, dass damit ein ausschweifender Lebensstil habe finanziert werden sollen, sagte die Beamtin auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Gerhard Ilg.

Unter der Gürtellinie

Der Erste Staatsanwalt Carsten Horn bezeichnete es als „nicht plausibel“, dass das gesamte Geld in die wirtschaftlich wenig erfolgreiche Firma geflossen sei. Er hielt dem Angeklagten sein Geständnis zugute, verwies aber gleichzeitig auf die Vielzahl der Taten, den hohen Schaden und die Schicksale der Geschädigten. „Geschmacklos und moralisch unter der Gürtellinie“ sei es beispielsweise gewesen, auf der Suche nach einer Ausrede ein fingiertes Foto von sich am Tropf zu versenden. Der Schwindel flog freilich auf, weil ein Kunde das Krankenhaus aufsuchte und feststellte, dass der Angeklagte gar nicht dort lag.

Sein Mandant sei „technisch versiert, aber als Kaufmann weniger“, sagte Verteidiger Rudi Mannl. Die Kunden hätten ihn wegen seiner ordentlichen Arbeit geschätzt und ihm wohl deshalb im Gerichtssaal teilweise sogar die Hand geschüttelt. In der Hoffnung darauf, seinen Traum von der Selbstständigkeit retten zu können, habe er keine Insolvenz angemeldet und sich dadurch erheblich strafbar gemacht. „Er wollte kein schönes Leben führen“, so Mannl, „sondern seine Firma retten.“ Und weil die Leute es ihm leicht gemacht hätten, sie über lange Zeit hinzuhalten, sei er „aus diesem Schneeballsystem, mit dem Geld immer neue Löcher zu stopfen“, nicht mehr herausgekommen.

Tränen beim Angeklagten

Unter Tränen sagte der 32-Jährige, der seit einem Jahr im Gefängnis sitzt, er bereue sein Handeln aus tiefstem Herzen. Er habe sich nicht nur seinen beruflichen Lebenstraum, sondern auch vieles in seinem persönlichen Bereich zerstört.

Auf diesen Aspekt hob auch Ilg bei der Urteilsbegründung ab, allerdings von der Warte der Geschädigten aus. Der Angeklagte habe sie auf unverfrorene Art und Weise, nämlich im Bewusstsein, die vereinbarte Leistung nicht erbringen zu können, über den Tisch gezogen.

Der 32-Jährige habe zwar niemanden abgezockt, um sich ein luxuriöses Leben leisten zu können, so Ilg. Die Betrugsserie sei gleichwohl als übles Spiel einzustufen, da die Anschaffung eines Autos „für viele vom finanziellen Wert und der emotionalen Bedeutung her eine ganz besondere Sache ist“.

Besonders hart traf es Ilgs Einschätzung zufolge einen ehemaligen Lehrer des Angeklagten. Dessen Schaden belief sich auf insgesamt rund 150 000 Euro. Dass er dem Autohändler vor Gericht gleichwohl die Hand reichte, veranlasste Ilg zu der Feststellung: „Es gibt sehr gute Menschen, und dieser Lehrer ist einer davon.“ Angesichts des bis zur ersten Straftat untadeligen Lebenslaufs des 32-Jährigen gab Ilg ihm den Wunsch mit auf den Weg, nach der Zeit im Gefängnis „Ihr Potenzial auf der Seite der Guten zu nutzen und straffrei zu bleiben“.

Urteil ist rechtskräftig

Staatsanwaltschaft und Verteidigung nahmen das Urteil noch im Gerichtssaal an, sodass es bereits rechtskräftig ist.