Kreis Heidenheim / Christine Weinschenk Gräber sind Orte für Trauer und Erinnerung. Aber für die Ewigkeit sind sie nicht bestimmt. Was passiert, wenn die Ruhezeit abgelaufen ist und ein Grab aufgelöst wird?

Für Gräber sind verschiedene Ruhezeiten vorgesehen – festgeschrieben in der Friedhofsatzung der jeweiligen Gemeinde. In Königsbronn beispielsweise gilt für Särge eine Ruhezeit von 20 Jahren, für Urnen eine Ruhezeit von 15 Jahren. Handelt es sich um ein Familiengrab, kann man sie verlängern. „Die Leute werden vor Ablauf der Ruhezeit angeschrieben und gefragt, ob sie das Grab auflösen oder verlängern möchten“, sagt Gemeindemitarbeiterin Jutta Imerese.

Handelt es sich um Einzelgräber (früher auch Reihengräber genannt), in denen nur eine Person, vielleicht ein entfernter Verwandter beigesetzt wurde, ist keine Verlängerung der Ruhezeit möglich.

Bei einem Familiengrab, in dem mehrere Personen bestattet werden sollen, kann die Ruhezeit im Grunde unbegrenzt verlängert werden. „Es kommt häufig vor, dass sich die Kinder oder Enkel nach einer Feuerbestattung in das Grab der Eltern oder Großeltern legen lassen“, sagt Imerese. Die Verlängerung der Ruhezeit für ein Tiefgrab kostet für 20 Jahre 1616 Euro, für ein Doppelgrab 1945 Euro und für ein Urnengrab 517 Euro.

Was passiert aber nach einer Grabauflösung? „Dann müssen die Leute selbst für die Abräumung sorgen“, sagt Imerese. Der Grabstein, das Fundament des Grabsteins, die Einfassung, die Bepflanzung müssen entfernt werden. „Es muss eine ebene Fläche entstehen, in die wieder eingesät werden kann.“ Auch die Kosten für die Auflösung müssen selbst getragen werden. Es ist möglich, ein Grab auch vorzeitig aufzulösen. „Wenn niemand da ist, der das Grab pflegt, kann man es maximal zwei Jahre vor Ablauf der vorgesehenen Ruhezeit auflösen“, sagt Imerese.

Das Grab wird also oberflächlich geräumt. Ausgehoben werden die Gräber nicht. Das heißt, die sterblichen Überreste bleiben in der Erde. Geborgen und nachbeigesetzt werden Gebeine nur, wenn man sie bei Erdarbeiten auffindet, so Bestatter Helmut Pusch aus Königsbronn.

Oberschenkelknochen und Schädel kämen manchmal zutage, wenn das Grab nach einer Karenzzeit erneut ausgehoben und für eine neue Grabstelle genutzt wird. „Die Gebeine bleiben aber im Grab und werden quasi wieder beigesetzt“, sagt Pusch. Theoretisch sollte man ein Grab zwar nicht erneut belegen, „aber das ist nicht möglich. Wir haben den Platz nicht. In Städten ist das ja noch viel schlimmer.“ Auch wenn die Erdbestattung heute mit 20 Prozent im Vergleich zur Feuerbestattung in der Bestattungskultur eine immer kleinere Rolle spiele.

Dass man beim Grabausheben auf menschliche Überreste treffe, ist das tägliche Brot des Bestatters. „Das gehört dazu, das ist der Kreislauf des Lebens und eine logische, natürliche Angelegenheit. Ich weiß nicht, warum viele Menschen davor so einen Horror haben. Man plant jedes Kaffeekränzchen, aber mit dem Tod will man sich nicht auseinandersetzen.“

Das Entfernen des Grabsteins mit Fundament übernehmen die Angehörigen selbst, oder sie beauftragen dafür einen Steinmetz. Vom Steinmetz werden die Steine dann entsorgt. Nur äußerst selten wird die Schrift abgefräst, der Stein poliert und wiederverwendet. „Es gibt nur wenige Leute, die das wollen. Die meisten wollen einfach einen neuen Grabstein“, sagt Sigrid Hof vom Heidenheimer Steinmetzbetrieb Günther Hof. „Die Grabsteine werden auf die Deponie gebracht, geschreddert und werden später etwa im Straßenbau wiederverwertet.“

Für gebrauchte Grabsteine gibt es kaum einen Markt. „Man liest ja ab und zu in den Kleinanzeigen, dass ein Grabstein verschenkt oder verkauft wird“, sagt Jutta Imerese. Mitunter werden sie auch im Internet im Auktionshaus Ebay von Privatleuten zum Verkauf angeboten.