Großkuchen / Holger Scheerer Nicht alle blicken dem bereits genehmigten Bau eines Windparks mit Begeisterung entgegen.

Modernstes technisches Gerät ließ Ortsvorsteher Josef Weber bei der jüngsten Ortschaftsratssitzung im Großkuchener Rathaus aufmarschieren. Doch der Flachbildschirm der neuesten Generation blieb schwarz. Die vom Hersteller der Windkraftanlagen Enercon versprochene Visualisierung fiel somit aus.

Auf Unverständnis stieß der dafür angegebene Grund, vom Ortschaftsrat seien keine Standortadressen genannt worden, von wo aus die Fotos hätten aufgenommen werden können. Um sich eine visuelle Vorstellung vom ganzen Projekt zu machen, müssen sich die Großkuchener also auch weiterhin einen Blick von der Nachbargemeinde Nattheim aus machen, für die es eine solche Visualisierung gibt.

Keine Verschönerung

Weber fasste die dabei gewonnenen Eindrücke zusammen: „Es wird unsere Landschaft nicht wesentlich verschönern.“ Ortschaftsrat Tobias Hafner warf ein: „Als man uns das Ganze zum ersten Mal zur Genehmigung vorgelegt hat, waren die Windräder noch 37 Meter niedriger.“ Thomas Hasenfus ergänzte: „Unsere prinzipielle Bereitschaft zur Windenergie ist unser Problem gewesen.“ Auch Weber hatte den Eindruck: „Wenn du einem den kleinen Finger hinstreckst, nimmt er eben die Hand.“

An diesem Punkt der fruchtlosen Diskussion zog Bruno Kinzler die Reißleine, indem er sich weigerte, weiter über gelegte Eier zu debattieren: „Die Diskussion ist hinfällig.“ Soll heißen: Die Windräder sind genehmigt, das Thema ist gelaufen. Neun Stück mit einer Nabenhöhe von 159 Metern und einer stattlichen Gesamthöhe von 230 Metern werden gebaut. Vier davon entstehen auf Gemarkung Großkuchen, genauer gesagt am Rand von Nietheim. In Großkuchen hofft man nach wie vor darauf, von den gesetzlichen Ausgleichszahlungen, die der Betreiber an das Land entrichten muss, etwas abzubekommen, etwa für den versprochenen Radweg.

Vorschläge unerwünscht?

Des Weiteren beschäftigten sich die Ortschaftsräte mit ihren Vorstellungen für das Haushaltsjahr 2020. Unzufriedenheit wurde laut darüber, dass die Großkuchener Wünsche in Heidenheim bisweilen auf kurz angebundene Art und Weise abgeschmettert würden. „Ich denke, am liebsten wäre denen, wenn wir gar keine Vorschläge mehr einreichen würden“, äußerte sich Ortsvorsteher Weber, „jedenfalls keine, die etwas kosten.“

Deshalb verständigten sich die Mitglieder des Gremiums auf eine Kürzung der Wunschliste auf die aus Großkuchener Sicht dringlichsten Punkte. Dazu gehört die Erweiterung des Friedhofes durch eine neue Urnenwand. In diesem Punkt sei seitens der Stadtverwaltung schon grünes Licht signalisiert worden, sodass man auf eine zeitnahe Umsetzung hoffe.

Ortstermin geplant

Was die Sanierung der Gehwege entlang der Ebnater Straße betrifft, will sich der Ortschaftsrat nicht mit dem Hinweis vertrösten lassen, diese seien sicher. „Die Gehwege sind nämlich nicht nur nicht sicher, sondern gar nicht vorhanden“, war die Aussage, auf die sich die Ratsmitglieder verständigten. Sie drängten auf eine gemeinsame Ortsbesichtigung, um der Stadtverwaltung das Problem nochmals eingehend erläutern zu können.

Auch in puncto schnelles Internet für Rotensohl und Nietheim setzt man auf Unterstützung von oben. Die beiden Abgeordneten Andreas Stoch (SPD) und Roderich Kiesewetter (CDU) sollen zu einem Ortstermin eingeladen werden, um dadurch vielleicht etwas mehr Schwung in die Angelegenheit zu bringen. Die beiden Teilorte befänden sich in der „Steinzeit“, was die Anbindung an das moderne Kommunikationsnetz betreffe.

Sanierung im Blick

Auch die Sanierung des Schleifwegs, auf die man bereits seit mehr als zehn Jahren hinarbeite, soll nicht aus den Augen verloren werden. Die Maßnahme sei von der Stadtverwaltung zwar bereits abgelehnt worden, doch wolle man nochmals deutlich machen, dass es sich nicht nur um die Straße selbst handele, sondern auch um die Sicherheit der Gehwege.

Hinsichtlich der Ausweisung eines Bau- und Gewerbegebiets erhoffen sich die Ortschaftsräte mehr Unterstützung seitens der Stadt. Deshalb sollen nach der Kommunalwahl alle Fraktionsvorsitzenden des Heidenheimer Gemeinderats zu einer Diskussion über mögliche Standorte eingeladen werden.

Vielversprechendes Motto

Groß ist in Großkuchen bereits die Vorfreude auf das Kinderfest. Es soll diesmal unter dem Motto „Glück“ über die Bühne gehen. Nach dem traditionellen Umzug beginnt das Fest am Samstag, 29. Juni, gegen 13 Uhr in gewohnter Weise auf dem Gelände der Grundschule. Für die musikalische Begleitung sorgen der Musikverein Großkuchen sowie der Gesangverein Sangeslust Kleinkuchen. hs