Kreis Heidenheim / Christine Weinschenk Mehr als 800 Menschen im Landkreis befinden sich derzeit in häuslicher Quarantäne. Wer gilt als enger Kontakt? Und wann werden Kontaktpersonen getestet? Das Gesundheitsamt gibt Antworten.

Wer mit dem Coronavirus infiziert ist oder mit einer infizierten Person Kontakt hatte, muss in häusliche Quarantäne. Seit Donnerstag gilt eine Allgemeinverfügung des Landkreises. Demnach erhalten Betroffene keine extra Anordnung durch die jeweilige Ortspolizeibehörde mehr. Stattdessen gilt die Quarantäne für Infizierte und Kontaktpersonen nun automatisch. Die Quarantäne beginnt nachdem der Infizierte das positive Testergebnis erhalten hat, dauert mindestens 14 Tage und endet frühestens 48 Stunden nach Eintritt der Symptomfreiheit. Danach gelten die Erkrankten offiziell wieder als gesund und die Quarantäne ist aufgehoben.

Bedeutet die Allgemeinverfügung, dass jeder, der ein positives Testergebnis hat, sich jetzt eigenverantwortlich in Quarantäne begeben muss?

Nein, nicht in Eigenverantwortung. Das Labor, das den Corona-Test auswertet, ist verpflichtet, das zuständige Gesundheitsamt zu informieren, das dann wiederum den positiv Getesteten über sein Testergebnis informiert und auf die Allgemeinverfügung hinweist.

 Wird überprüft, ob Infizierte sich an die Quarantäne halten?

In erster Linie wird natürlich an die Verantwortung des Einzelnen appelliert. Es muss jedem positiv Getesteten bewusst sein, dass die Allgemeinverfügung dazu dient, die Ausbreitung des Virus einzudämmen und derjenige, der sich nicht daran hält, andere Menschen gefährden kann. Das können fremde Menschen sein, aber auch die eigenen Eltern oder Großeltern.

Das Gesundheitsamt und die zuständigen Städte und Gemeinden überwachen aber die Einhaltung der Quarantäne. Dabei dürfen die Mitarbeiter der Städte und Gemeinden und des Gesundheitsamtes Grundstücke, Räume, Anlagen und Einrichtungen aller Art betreten sowie Unterlagen sichten. Hält sich der Betroffene nicht an die Quarantäne, kann eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe drohen.

Kam es schon zu Verstößen?

Gegenwärtig ist nicht bekannt, dass sich nicht an die Quarantäne gehalten wird. Sollte sich jedoch abzeichnen, dass sich die Betroffenen nicht an die Bestimmungen halten, werden strengere Kontrollen notwendig sein.

In Quarantäne muss, wer ein positives Testergebnis hat und dessen Kontaktpersonen. Wie eng muss der Kontakt gewesen sein?

In Quarantäne muss derjenige, der vom Gesundheitsamt als Kontaktperson der Kategorie I ermittelt worden ist. Das Gesundheitsamt setzt die Kontaktpersonen dann unmittelbar telefonisch in Kenntnis, dass sie Kontaktpersonen sind und sich auf Grundlage der Allgemeinverfügung in Quarantäne begeben sollen.

Was bedeutet Kontaktperson der Kategorie I und wie werden die Personen ermittelt?

Zur Ermittlung von Kontaktpersonen der Kategorie I zieht das Gesundheitsamt die Kriterien des Robert-Koch-Instituts heran. Die Kriterien sind:

- Personen mit mindestens 15-minütigem Gesichtskontakt („face-to-face“), z. B. im Rahmen eines Gesprächs. Dazu gehören z. B. Personen aus Lebensgemeinschaften im selben Haushalt.

-  Personen mit direktem Kontakt zu Sekreten oder Körperflüssigkeiten, insbesondere zu respiratorischen Sekreten eines bestätigten Covid-19-Falls, wie z. B. Küssen, Kontakt zu Erbrochenem, Mund-zu-Mund-Beatmung, Anhusten, Anniesen etc.

-  Medizinisches Personal mit Kontakt zu einem bestätigten Covid-19-Fall im Rahmen von Pflege oder medizinischer Untersuchung ohne verwendete Schutzausrüstung.

Und enge Kontaktpersonen, die sich in Quarantäne begeben sollen, werden auch nur getestet, wenn sie zu einer Risikogruppe gehören, schwer erkrankt sind oder im medizinischen Bereich arbeiten?

Kontaktpersonen, die sich nach Absprache mit dem Gesundheitsamt in Quarantäne begeben müssen, werden erst getestet, wenn sie Symptome aufweisen, die auf eine Infizierung mit dem Coronavirus hindeuten können. So zum Beispiel Fieber über 38,5 Grad, trockener Husten etc. In gewissen Fällen kann das Gesundheitsamt aber auch schon vor Eintritt der Symptome einen Test veranlassen, das empfiehlt sich aber nicht.

Warum empfiehlt sich das nicht? Enge Kontaktpersonen sind doch ziemlich sicher auch infiziert.

Das stimmt nicht. Zunächst einmal steckt man sich nicht bei jedem engen Kontakt an. Außerdem ist es so, dass ein Test direkt nach der Infizierung zunächst einmal negativ sein wird, obwohl die Person vielleicht infiziert ist. Der Grund dafür ist, dass die Viren im Körper eine gewisse Zeit brauchen, um sich zu vermehren. Und erst wenn genug Viren im Körper sind, können sie durch einen Test nachgewiesen werden. Und deshalb wartet man ab, bis Symptome auftreten, weil man dann sicher sein kann, dass genug Viren im Körper sind, um, wenn die Person tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert ist, das mittels Test nachweisen zu können.

Was ist zu tun, wenn während der Quarantäne Symptome auftreten?

Man muss umgehend telefonisch Kontakt mit dem Gesundheitsamt aufnehmen, die Mitarbeiter wirken dann auf einen Test hin.

Was ist, wenn Personen, die in Quarantäne müssen, kein Homeoffice machen können?

Die Personen müssen trotzdem in Quarantäne. Es geht hier um den Schutz der Allgemeinheit.

Welche Unterlagen benötigt der Arbeitgeber?

Der Arbeitgeber bekommt von der Stadt oder jeweiligen Gemeinde eine Bescheinigung ausgestellt, dass sich die betreffende Person in Quarantäne befindet. Die Daten hierzu übermittelt das Gesundheitsamt an die Stadt bzw. die Gemeinde.

Ist das wie eine Krankschreibung?

Nein, die Kontaktpersonen sind ja nicht zwangsläufig krank, sondern zunächst einmal nur ansteckungsverdächtig.

Das Gehalt wird aber fortgezahlt?

Ja. Der Arbeitgeber zahlt in einem bestehenden Arbeitsverhältnis das Gehalt bis zu sechs Wochen weiter aus, kann sich die Beträge auf Antrag aber erstatten lassen. Der Antrag muss beim Gesundheitsamt gestellt werden muss. Ein Merkblatt sowie der entsprechende Antrag sind auf www.info-corona-lrahdh.de zu finden.

Der Landkreis Heidenheim erlässt in Sachen Infektionsschutz eine Verordnung, die ab Donnerstag in Kraft tritt. Die Quarantäne für Infizierte und Kontaktpersonen gilt ab sofort automatisch und damit ohne eine eigene Anordnung durch die Ortspolizeibehörde.

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