Heidenheim / Silja Kummer und Hendrik Rupp Die Stadtverwaltung Heidenheim schlägt dem Gemeinderat vor, die Pachtverträge der Voith-Arena aufzukündigen und die Immobilie zum symbolischen Preis von einem Euro an den 1. FC Heidenheim zu überschreiben.

Die von Oberbürgermeister Bernhard Ilg kürzlich angekündigte Entflechtung der Stadt und des Zweitliga-Fußballvereins FCH steht für kommenden Donnerstag auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Die Stadtverwaltung schlägt vor, dem 1. FC Heidenheim das Stadion für den symbolischen Betrag von einem Euro zu überschreiben. Damit will man sich nach Argumentation der Verwaltung vor allem der Folgekosten des Stadionunterhalts entledigen. Bislang ist das Stadion im Besitz der Stadt. Der Verein bezahlt eine Pacht, die jedoch nur in einem symbolischen Bereich liegen soll.

Verantwortung geht an den FCH

„Mit Zustimmung des Gemeinderates und im Einvernehmen mit dem FCH wird die Stadt die Pachtverträge mit dem Verein lösen. Der FCH wird dann Fläche und Gebäude der Voith-Arena zum symbolischen Preis von einem Euro übernehmen und künftig allein die Verantwortung dafür tragen“, sagt Ilg zum geplanten Deal.

Rund 36 Millionen Euro wurden in die Voith-Arena investiert – 20 Millionen stemmte der FCH, 16 Millionen kamen von der Stadt. Dass der Verein die Arena nun geschenkt bekommen soll, dazu steht der OB: „Ich halte den Schritt für vertretbar, denn der FCH hat sich selbst auch finanziell in enormer Weise eingebracht“. Auch an der Voith-Arena würden eines Tages Sanierungen „an Dach und Fach“ fällig werden, so Ilg: „Und da reden wir langfristig von Millionensummen“. Mit denen habe die Stadt nach dem Eigentumsübergang nichts mehr zu tun.

Bruch zwischen Stadt und FCH? vergangene Woche sprach Holger Sanwald noch von einem Märchen

Mit der Eigentumsübertragung wurden die Stadträte in der Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses in der Vorwoche überrascht. Auf der Tagesordnung des nichtöffentlichen Teils war von der Aufkündigung der Pachtverträge die Rede gewesen. Mancher Stadtrat hatte eine deutlich erhöhte Pacht erwartet. Stattdessen kam der Vorschlag der Eigentumsübertragung, mit der man dem FCH zwar ein dickes Abschiedsgeschenk, aber auch einen sauberen Schnitt in den komplexen finanziellen Verflechtungen zwischen Stadt und Verein machen könnte.

Eine Überlegung, die für die Verwaltung darüber hinaus noch eine Rolle spielen mag, ist die anstehende Umstellung des städtischen Haushalts auf die Doppik. Wenn künftig wie in der Privatwirtschaft mit doppelter Buchführung gearbeitet wird, gibt es für jede städtische Immobilie eine jährliche Abschreibungssumme. Würde man nun – rein hypothetisch – für die Voith-Arena einen Wert von 25 Millionen Euro veranschlagen und diesen auf 25 Jahre abschreiben, würde der Wertverlust pro Jahr eine Million Euro betragen. Diese Summe müsste im städtischen Haushalt aber auch wieder erwirtschaftet werden – was durch die minimale Pachtzahlung des FCH nicht gewährleistet wäre.

Beschluss geht ans RP

Normalerweise darf eine Kommune kein Vermögensgut einfach verschenken oder unter Wert verkaufen, dies ist in Paragraph 92 der Gemeindeordnung festgeschrieben. „Für Ausnahmen braucht eine Gemeinde gute Gründe, beispielsweise, dass sie sich von Folgelasten befreit“, erklärt Katja Lumpp, Pressesprecherin des Regierungspräsidiums in Stuttgart.

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„Zur vorbeugenden Kontrolle hat die Gemeinde in solchen Fällen nach der Diskussion im Gemeinderat den Beschluss der Rechtsaufsichtsbehörde vorzulegen, bevor sie ihn ausführen darf“, so Lumpp. Zur Verhandlung des Tagesordnungspunktes in öffentlicher Sitzung hat die Aufsichtsbehörde der Stadtverwaltung offenbar auch geraten, denn ursprünglich war die Beratung und Beschlussfassung für den nicht-öffentlichen Teil geplant.

Man darf gespannt sein, wie die Stadträte sich in dieser Sache positionieren, denn die Haltung zur Förderung des 1. FC Heidenheim ist quer durch die Fraktionen sehr unterschiedlich. Deutlich ist aber auch, wie wichtig für die Stadtverwaltung das Thema ist. So will der OB vor dem Ratsbeschluss Fraktionssitzungen besuchen und auch im persönlichen Gespräch wird viel dafür getan, die Sicht der Verwaltung auf diesen Vorschlag zu erklären.

In die öffentliche Diskussion ist die Förderung des Bundesliga-Vereins durch die Stadt schon vor rund sechs Wochen gekommen, nachdem der Vorstandsvorsitzende des FCH Holger Sanwald bei einer Sponsorenveranstaltung den Bau eines Parkhauses bei der Voith-Arena ins Gespräch gebracht hatte. Für die Finanzierung des sechs Millionen Euro teuren Bauwerks hoffte man auf Unterstützung von Stadt und Landkreis.

Dabei handelte sich der Verein aber deutliche Absagen der öffentlichen Hand ein: Während Landkreis und Klinikum selbst weder finanzielle Spielräume Interesse an einem 500 Meter vom Klinikum entfernten Parkhaus haben, sah auch die Stadt kein Notwendigkeit für einen Parkhausbau.

Zeit der Starthilfe ist vorbei

Außerdem sprach sich OB Ilg bei dieser Absage für eine Entflechtung der Eigentumsverhältnisse aus. Der OB zur HZ: „Die bisherige Konstellation halten wir nicht mehr für zukunftsfähig“. Wie verschiedene Fraktionssprecher im Gemeinderat spricht auch Ilg von einer „Starthilfe“ für den Heidenheimer Fußball, die so nicht mehr nötig sei. „Das Modell trägt nicht mehr, der Verein ist in der Zweiten Liga und muss sich auch hier selbstständig machen“.

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Vom Albstadion bis zur Voith-Arena: Die Umbauten und die Kosten

1970 beschloss die Stadt den Bau eines Sportstadions auf dem Schlossberg. 1971 wurde das Albstadion eingeweiht. 1973 wurde die erste Tribüne mit 700 Plätzen fertig.

Mit dem Aufstieg des FCH in die Regionalliga folgten erste Umbauten. An der Nordseite wurden Stehränge installiert, welche später für West- und Osttribüne verwendet wurden.

2009 beschloss der Gemeinderat den Bau eines neuen Fußballstadions. Ursprüngliche Pläne eines Stadions für 8000 Zuschauer wurden nach dem Aufstieg des FCH in die 3. Liga auf die dort vorgeschriebenen 10 000 Plätze geändert.

Die Kosten von 14,1 Millionen Euro trugen zum größten Teil die Stadt sowie der FCH als Hauptnutzer.

Das Namensrecht des neuen Stadions hatte zunächst die Immobiliengesellschaft Gagfah erworben. Somit trug das Stadion für eineinhalb Jahre den Namen Gagfah-Arena. 2011 wurde der Name in Voith-Arena geändert, nachdem Voith für zehn Jahre die Namensrechte erworben hatte.

2013 wurde die Südtribüne des Stadions ausgebaut und die beiden angrenzenden Kurven geschlossen, die Kapazität stieg auf 13 000 Plätze, zusätzlich wurde auch das Jugendleistungszentrum eingeweiht. Von den 6,5 Millionen Euro Umbaukosten übernahm die Stadt 3,6 Millionen, der Rest kam vom FCH und Sponsoren.

In der 2. Bundesliga musste die Arena auf die vorgeschriebenen 15 000 Plätze erweitert werden. Hierfür wurden bis zum April 2015 die beiden Ecken zwischen der Haupttribüne im Norden und der Ost- bzw. Westtribüne bebaut. Der Ausbau kostete noch einmal rund 4,5 Millionen Euro, 2,5 Millionen Euro kamen von der Stadt. hr