Heidenheim / Julia Reiher Dreieinhalb Wochen lang wurde in der Heidenheimer Pauluskirche mittags aufgetischt. Insgesamt kamen rund 7000 Menschen, um gemeinsam mit anderen zu essen und Gespräche zu führen.

Sie sorgt bereits zum elften Mal für Gemeinschaft. Tausende Menschen trafen sich zum gemeinsamen Essen und zu Gesprächen. Auch dieses Jahr fand die ökumenische Vesperkirche dreieinhalb Wochen lang in der Pauluskirche statt und bot für 1,50 Euro Essen an.

Auch dieses Jahr ist das Leitungsteam um Gertrud Schädler, Inge Hackel und Dr. Ulrike Hurler mit der Resonanz sehr zufrieden. Insgesamt seien um die 7000 Essen ausgegeben worden, im Durchschnitt waren täglich 280 Besucher vor Ort. Das sind ungefähr 90 Spülgänge pro Tag. „Mit dem Wetter hatten wir dieses Jahr ziemlich Glück, denn bei Glätte und Schnee trauen sich viele nicht aus dem Haus, das zeigt sich dann auch an der Essensausgabe“, sagt Hackel.

Schnitzel waren sehr begehrt

Die Verantwortlichen der Vesperkirche konnten dabei feststellen, dass der Donnerstag ein besonders gut besuchter Tag war. In den Jahren zuvor stellten sich die Linsen mit Spätzle als großer Besuchermagnet heraus, allerdings mussten sich diese heuer gegen das Schweineschnitzel geschlagen geben – und die gab es donnerstags. Für Vegetarier war ebenfalls täglich gesorgt durch ein fleischloses Gericht, das laut Schädler ebenfalls super angenommen wurde. Weggeschmissen wird bei der Vesperkirche nichts, übrig gebliebenes Essen wurde an die Caritas in der Härtsfeldstraße geliefert.

300 Pfund Kaffee verbraucht

Hackel berichtet: „Dieses Jahr haben wir ungefähr 300 Pfund Kaffee in den knapp dreieinhalb Wochen benötigt. Das sind dann zwischen 600 bis 800 Tassen Kaffee pro Tag. Der Kaffee stammt aus dem Weltladen in Heidenheim, da wir Wert auf einen fair gehandelten Kaffee legen.“

Ohne tatkräftige Unterstützung der 180 ehrenamtlichen Helfer wäre die Vesperkirche nicht möglich. Die meisten sind bereits seit elf Jahren dabei, und dieses Jahr konnten 25 neue Helfer willkommen geheißen werden. Dabei handelt es sich um Menschen, die, seitdem sie im Ruhestand sind, Zeit und Lust haben mitanzupacken, die italienische katholische Gemeinde oder auch junge Auszubildende von Heidenheimer Unternehmen, die Jobschmiede, Caritas oder Schulen.

Gemeinsamkeit steht im Fokus

Die drei Damen betonen, dass das Ziel nicht die Verköstigung der Besucher ist, sondern als Weg zum Ziel dient. Das Ziel sei der Weg aus der Einsamkeit, dazu diene die Gemeinschaft. Dazu gehörte auch der tägliche geistliche Impuls sowie die musikalische Unterhaltung durch die Musikschule, Chöre oder Schüler. Für großen Andrang sorgten dabei auch die sonntäglichen Benefizkonzerte.

Viel Unterstützung für die Vesperkirche

Ehrenamtliche Seelsorger und tageweise Fußpfleger und Frisöre gehören ebenfalls zur Vesperkirche. „Es kommen Menschen, die nicht das Geld besitzen, um sich einen Haarschnitt zu leisten“, sagt Hurler. Das Leitungsteam freut sich auch über die zahlreichen Spenden von Einzelpersonen oder Heidenheimer Unternehmen. Egal, ob Geld, Obst oder Kuchenspenden, alles wird dankend angenommen. „Ein Dank geht an die Stadt Heidenheim, welche uns finanziell unterstützt, indem sie zum Beispiel die Kosten für einen Bus übernimmt, damit die Schüler der Hirscheckschule in Schnaitheim zu uns kommen konnten und für musikalische Unterhaltung gesorgt haben“, so Schädler. Einige Gäste kämen bereits seit Jahren vorbei und freuten sich, bekannte Gesichter zu sehen und sich zu unterhalten, da das Alter einsam machen könne.

Doch nicht nur Senioren fanden den Weg in die Pauluskirche. Von Jung über Alt bis hin zu Familien mit Kindern war ein Querschnitt der Bevölkerung vor Ort.

Im nächsten Jahr geht’s weiter

„Wir sind mittlerweile sehr gut in Heidenheim angekommen und wünschen uns, dass die Akzeptanz und Unterstützung weiterhin vorhanden sind“, bilanziert das Leitungsteam. In wenigen Wochen beginnt bereits die Planung der Vesperkirche für das nächste Jahr: „Wir treffen uns wieder ab März monatlich, um Kleinkram zu besprechen und für einen reibungslosen Ablauf im nächsten Jahr zu sorgen“, sagt Schädler.

Giengener Vesperkirche ist zu Ende In drei Wochen über 5000 Essen serviert

150 ehrenamtliche Helfer sorgten in der Stadtkirche bei der 13. Auflage der Vesperkirche für einen reibungslosen Ablauf. Täglich kamen über 200 Besucher.

Bis zum 12. Februar gibt es in der Pauluskirche täglich ab 11.30 Uhr ein warmes Essen und Lebenshilfe vielerlei Art.

Veranstaltung mit Tradition

Das Projekt der Vesperkirche wurde 1995 in der Leonhardskirche in Stuttgart von Diakoniepfarrer Martin Friz ins Leben gerufen, der sich kurz vor seinem Tod 2010 den Begriff rechtlich schützen ließ, und der nur dann verwendet werden darf, wenn die Veranstaltung in einer Kirche stattfindet.

In Heidenheim fand 2010 die erste Vesperkirche statt, initiiert von Dr. Ulrike Hurler und Maria Högerl. Mittlerweile gibt es alleine in Baden-Württemberg 34 Vesperkirchen, die in den Wintermonaten zugunsten von Bedürftigen und Armen stattfinden. Im Landkreis gibt es mit Giengen und Heidenheim zwei Vesperkirchen. jur