Heidenheim / Patrick Vetter Ein 28-jähriger Heidenheimer musste sich vor dem Richter verantworten: Mit einer Schreckschusswaffe hatte er seine Ex-Freundin bedroht und entführte sie in seinem Auto, um sie zurückzugewinnen.

Aus Verzweiflung handelte der junge Mann aus Heidenheim. Und nicht um seine Ex-Freundin zu bestrafen oder sie wieder „an sich zu ketten“. Da waren sich Richter Rainer Feil und die Schöffen im Amtsgericht sicher. Er hatte seine ehemalige Lebensgefährtin entführt, bedroht und zu einem Gespräch gezwungen. Wäre die Einschätzung des Richters anders ausgefallen, säße der Angeklagte nun wegen Geiselnahme und unerlaubtem Führen einer Schreckschusswaffe mindestens fünf Jahre im Gefängnis.

So kam er mit zwei Jahren auf Bewährung davon. Zu seinen Auflagen zählt eine Geldstrafe von 5000 Euro, wovon ein Teil an das Opfer und ein Teil an den Hilfs- und Wohltätigkeitsverein geht, sowie eine Psychotherapie und ein Kontaktverbot zu der Ex-Freundin.

Volles Geständnis abgelegt

Über die Höhe der Strafe waren sich Staatsanwalt, Verteidiger und Gericht weitestgehend einig. Dass sie so milde ausfiel, hing von vielen Faktoren ab: Vorher hatte es noch nie Konflikte mit dem Gesetz oder Probleme mit Alkohol und Drogen gegeben, der Angeklagte hatte seine Tat gestanden und alles ganz genau geschildert. Außerdem hatte er keine echte Schusswaffe verwendet und bereits drei Monate in Untersuchungshaft gesessen. Wenn eines dieser Dinge nicht erfüllt gewesen wäre, säße er nun hinter Gitter. Er habe das Opfer vorsätzlich in Todesangst versetzt. Zu dem Schluss kam Feil ganz klar.

„Solche Taten beeinträchtigen das Sicherheitsempfinden ganz besonders“, sagte auch Oberstaatsanwalt Jörg Böhmer. Und auch das Opfer machte deutlich, dass es die Geschehnisse vom 13. Mai dieses Jahres noch nicht ganz überwunden hat. Den Tränen nahe schilderte die 25-Jährige, wie sie auch jetzt noch Angst vor ihrem Lebenspartner der vergangenen sechs Jahre hat: „Er hat mich einfach psychisch kaputt gemacht. Egal wo ich war, er war auch dort.“

Dieses Gefühl der Verfolgung entstand in der Zeit nach ihrer Trennung im März. Der 28-jährige Heidenheimer wollte nicht hinnehmen, dass ihn seine damalige Verlobte endgültig verließ: „Wir haben uns schon vorher mal getrennt. Ich dachte, diesmal kommt sie auch wieder zurück.“ Dieser Glaube veranlasste ihn schließlich zu seinem Handeln. Sein Ziel: Eine erneute Beziehung. Sein Plan mit der Waffe war aber zum Scheitern verurteilt.

Mit Waffe bedroht

Bis zur Wohnung des neuen Freundes seiner Ex-Freundin in Gerstetten verfolgte er sie, legte sich mit der Schreckschusswaffe auf die Lauer und überraschte die 25-Jährige dann auf offener Straße. Mit vorgehaltener Waffe befahl er ihr, in sein Auto zu steigen.

Die Waffe habe er sich besorgt, weil er sich vom              neuen Freund seiner ehemaligen Verlobten bedroht gefühlt habe. Eingeschüchtert wurde tatsächlich  die Frau. Während er über Umwege mit ihr nach Heidenheim fuhr, schoss er zweimal in die Luft. Mehr als zwei Stunden lang unterhielten sich die beiden dann in Heidenheim in der Einfahrt zu einem Waldweg im Katzental. „Ich hatte Angst. Er hat gesagt, er bringt mich um, und sich selbst auch“, schilderte die 25-Jährige die Situation.    Während des Gesprächs habe er ihr die Pistole an den Kopf gehalten. Dass es sich um eine Schreckschusswaffe handelte, habe sie nicht gewusst.

Schließlich entschloss sich der Angeklagte, die Entführte zu einer Freundin zu fahren, bei der sie zwischenzeitlich wohnte. Zuerst wollte er aber bei sich zu Hause vorbei, um zu sehen, ob die Polizei dort ist. Er hatte nämlich Angst, der neue Lebensgefährte seiner Ex-Freundin könnte die Beamten alarmiert haben. Auf dem Weg dorthin wurde er in der Weststadt von einer Streife angehalten. Die Polizisten nahmen den 28-Jährigen fest und stellten seine Pistole mit Munition sicher.

Seitdem saß er im Gefängnis in Ulm und wartete auf seine Verhandlung. Sein Job als Staplerfahrer wurde ihm in dieser Zeit nicht gekündigt, sodass er während seiner Bewährungsstrafe weiterarbeiten kann. Der Geschädigten versicherte Richter Feil, dass sie keine Angst mehr zu haben brauche. Nach dem Urteil wandte er sich    eindringlich an den Ex-Freund: „Ich nehme Sie jetzt persönlich in die Pflicht. Enttäuschen Sie mich nicht.“

Ein 28-Jähriger steht im Verdacht, am Montag in Gerstetten seine ehemalige Freundin abgepasst zu haben.