Nach vier Stunden des Klickens und bereits dem dritten Versuch in drei Tagen wächst die Verzweiflung. Immer wieder die gleiche Fehlermeldung. Ist sie aufgrund einer anderen Eingabe verschwunden, erscheint eine neue – und auch die ist unverständlich. Langsam wird die Wut auf „Elster“, das Programm, mit dem jeder Gundstückseigentümer seine Grundsteuer-Daten erfassen muss, immer größer. Einfach sollte es sein, nur wenige Angaben würden benötigt, alles gehe ganz schnell, besonders in Baden-Württemberg, hatte es im Frühjahr geheißen. Und jetzt das. Stunde um Stunde der Kampf mit den gleichen Fehlermeldungen.

Flurnummer? Es gibt keine Flur, nur ein Flurstück und das ist schon ordnungsgemäß eingetragen, ebenso wie das Grundbuchblatt. Und was ist mit dem Zähler und Nenner gemeint, der in keinen Unterlagen enthalten ist? Und was ist gemeint im Feld „enthalten in“, bei dem „keine Angabe“, „1. Fläche (Schlüsselwert 1), oder „2. Fläche (Schlüsselwert 2) ausgewählt werden kann? Und welche Zahlen sind anzugeben bei „zur wirtschaftlichen Einheit gehörender Anteil: Zähler, Nenner“?

Ratlosigkeit bei der Eingabe

Und schon wieder eine Fehlermeldung: „Die Summe der im Hauptvordruck angegebenen, zur wirtschaftlichen Einheit gehörenden Flächen (Fläche des Grundstücks in m² multipliziert mit dem Anteil) entspricht nicht der Summe der in der Anlage Grundstück angegebenen Flächen des Grund und Bodens.“ Die Ratlosigkeit nimmt weiter zu, Programm beenden, Rechner aus. Vielleicht klappt`s beim nächsten Anlauf.

Auch beim Finanzamt Heidenheim bekommt man täglich mit, dass viele Menschen Schwierigkeiten beim Ausfüllen der Grundsteuer-Formulare haben.

„Am 1. August hatten wir 126 Anrufe und haben insgesamt mehr als tausend Minuten telefoniert“, sagt Annette Graser, Sachgebietsleiterin der Grundstückswertstelle. Abgenommen hat seitdem die Zahl der Anrufe kaum. Vor allen Dingen an den Montagen riefen viele Grundeigentümer an, die am Wochenende versuchten, die Formulare auszufüllen und nicht weiterkamen.

Nicht unbedingt schlüssig

„Ich kann verstehen, dass das für viele verwirrend ist. Die Eingabe ist zwar schlüssig nach den Paragrafen, aber nicht unbedingt für den Nutzer, der damit sonst eigentlich wenig zu tun hat“, so Graser. Im Heidenheimer Finanzamt nehmen deshalb seit dem 1. Juli drei bis vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich Anrufe entgegen und versuchen, den Menschen zu helfen und Fragen zu beantworten. „Die Anrufe dauern meist länger, so dass diese zurzeit den Schwerpunkt unserer Tätigkeit ausmachen.“ Die Probleme, die die Anruferinnen und Anrufer beim Ausfüllen der Formulare haben, seien dabei meist ähnlich. „Wahrscheinlich sind einige Formulierungen schwer verständlich, sodass die Leute nicht wissen, was sie angeben sollen“, sagt Graser.

Mitarbeiter versuchen zu helfen

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versuchen, die geschilderten Probleme anhand von Elster-Testzugängen nachzuvollziehen. So könne den Anrufenden regelmäßig weitergeholfen werden. „Unter www.grundsteuer-bw.de gibt es Anleitungen und viele hilfreiche Tipps zum richtigen Ausfüllen“, so Graser.

Die Finanzverwaltung hat außerdem das Informationsangebot für das Portal „Mein Elster" zu Beginn dieser Woche nochmals erweitert, um die Bürgerinnen und Bürger bei der elektronischen Abgabe der Grundsteuererklärung zu unterstützen: So gibt es neben der Schritt-für-Schritt-Gesamtanleitung nun auch Erläuterungen zu Fallkonstellationen, die im Zusammenhang mit dem Grundvermögen häufig auftreten. In den Erläuterungen wird dargestellt, welche Eingaben genau für den jeweiligen Fall in der Feststellungserklärung einzutragen sind. Alle Anleitungen sind auf der zentralen Internetseite www.grundsteuer-bw.de unter dem Reiter „Elster Ausfüllhilfen" abrufbar. Darüber hinaus steht die Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Erklärung des Grundvermögens auch verfilmt zur Verfügung.

Steuerberater kennt die Probleme

Dass das Ausfüllen der Formulare für Ungeübte kein Leichtes ist, weiß auch der Heidenheimer Steuerberater Hans-Jürgen Stäudle. „Es kommen schon sehr viele Leute, die Hilfe benötigen, vor allen Dingen auch ältere Menschen, die keinen PC haben.“ Doch er weist auch noch auf ein ganz anderes Problem hin, das es nur in Baden-Württemberg gibt. „Hier spielt für die Höhe der künftigen Grundsteuer nur die Grundstücksfläche und der Bodenrichtwert eine Rolle. Und die Bodenrichtwerte wurden von den Gutachterausschüssen in relativ kurzer Zeit großflächig festgelegt und das kann ein Problem sein“, so Stäudle.

Bodenrichtwert ist ein Problem

Nicht beachtet worden seien dabei nämlich die individuellen Besonderheiten vor Grundstücken. „Wenn eine Starkstromleitung über ein Grundstück führt oder ein Teil des Areals als Überflutungsfläche nicht bebaubar ist, dann hat das natürlich auch Auswirkungen auf den Wert. „So etwas wurde bei der Festlegung nicht beachtet. Deshalb sollte jeder mit Sinn und Verstand überprüfen ob der offizielle Bodenrichtwert für den Bereich, auf dem sein Grundstück liegt, angemessen ist, oder nicht.“ Sollte es Zweifel geben, empfiehlt Stäudle, Widerspruch beim Finanzamt einzulegen. Das jedoch sei erst möglich, wenn man den Steuerbescheid erhalten hat. Wann das der Fall sein wird, ist noch völlig offen, denn die neue Grundsteuer muss erst ab 2025 bezahlt werden.

Große Unterschiede bei der Höhe der Steuer

Stäudle übt auch Kritik daran, dass in Baden-Württemberg die Größe der Bebauung oder die Wohnfläche keine Rolle spielt: „Ob jemand auf einem 1000 Quadratmeter-Grundstück ein fünfstöckiges Gebäude, eine Villa mit Pool oder ein Tiny-Haus stehen hat, er zahlt immer das Gleiche.“ Bei der Neuberechnung der Grundsteuer, die ab 2025 zu bezahlen ist, könnte es deshalb große Unterschiede geben. „Sicherlich werden viele Eigentümer deutlich mehr, andere aber auch deutlich weniger zahlen müssen als bisher. Das hängt natürlich auch vom Hebesatz der jeweiligen Kommune ab“, so der Steuerberater.

Auch bei der Stadt Heidenheim schlagen Anrufer auf, die Informationen zum Ausfüllen der Formulare benötigen, obwohl die Stadt eigentlich nicht zuständig ist. Meist geht es dabei um Flurstücknummern oder den Bodenrichtwert. „Im Schnitt haben wir am Tag etwa 20 Anrufe und Besuche und das ist für uns machbar. Diese Anfragen können wir in den meisten Fällen direkt aus der Internetseite des Gutachterausschusses BorisBW ablesen“, so der städtische Pressesprecher Stefan Bentele.

66.000 Grundstücke


Jeder Eigentümer ist verpflichtet, bis Ende Oktober Angaben über sein Eigentum zu machen. Grund dafür ist, dass die Grundsteuer nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts neu berechnet werden muss. Das wiederum führt dazu, dass alle Grundstücke neu bewertet werden muss, was die Mithilfe de Eigentümer verlangt.

Allein im Finanzamt Heidenheim werden knapp 66.000 Akten mit Grundstücken geführt, das bedeutet, dass ebenso viele Grundstücke neu bewertet werden müssen.