Heidenheim / Tom Wörrle Mit der Vernissage der Ausstellung „Unverdünnt“ wurde am Samstag im Türmle der Zaubertrank von Jan-Hendrik Pelz und Johanna Mangold vorgestellt.

Mithilfe eines Zaubertranks möchten die beiden Künstler Jan-Hendrik Pelz und Johanna Mangold zu den besten ihrer Art avancieren, alchemistische Zutaten aus verschiedensten Kulturen sollen hierfür vereint werden und dem Künstlerduo den heutzutage sehr schweren Sprung ins hart umkämpfte Kunstgeschäft ermöglichen.

Natürlich ist dies mit einem kleinen Augenzwinkern zu verstehen, was auch seitens der Künstler so kommuniziert wird, soll auf diesem Wege doch viel mehr auch die Kunstszene ironisch beleuchtet werden, zu welcher man als junger Kunstschaffender kaum mehr einen erfolgsversprechenden Zugang finden kann.

Seit Samstag kann auch in Heidenheim alles rund um das Kunstprojekt näher inspiziert werden. Hierfür wurde im „Türmle“ die Vernissage des Künstlerduos eingeläutet, welches sich auf das Thema des Zaubertranks fokussiert; aber auch weitere Werke von Jan-Hendrik Pelz und Johanna Mangold können bestaunt werden. Anlässlich der Auftaktveranstaltung richtete der neue Vorsitzende des Kunstvereins, Dr. Hans Peter Schiffer, einige einleitende Grußworte an die rund fünfzig anwesenden Kunstinteressenten, ehe Gunther Kerbes das Ruder übernahm.

Im Anschluss konnte man auf allen vier Stockwerken die Kunst auf sich wirken lassen. Ins Zentrum rückte der erste Stock, welcher dem Zaubertrank gewidmet ist, aber auch Mangolds Gemäldereihe „Morgen bin ich kein Mensch mehr“ fand Beachtung.

Wie die Zutaten für den Zaubertrank akquiriert und zusammengebraut wurden, bis das Gebräu verzehrt werden konnte, das zeigen die Künstler im Türmle auf drei Bildschirmen. Neben der Videoinstallation können drei realistische, collagenhafte Gemälde der Zutaten von Jan-Hendrik Pelz betrachtet werden, während auf der anderen Seite des Raumes die echten 23 Zutaten in einer Vitrine drapiert sind. Bei diesen Zutaten kommen die Besucher bisweilen auch mal ums Schmunzeln nicht herum, finden sich dort doch Dinge wie ein Kleeblatt, ein „Granatapfel, der 3 Sekunden dem Blick einer Eule ausgesetzt war“ oder ein „im Wasser eines Wasserfalls gereinigter Walfischzahn“.

Die Inhaltsstoffe wurden so ausgewählt, dass sie gemäß alter alchemistischer Lehren zu Erfolg, Glück und Kreativität führen sollen. Für die Suche nach eben diesen Zutaten benötigten die beiden Künstler übrigens zwei Jahre, von 2016 bis 2018. Dabei kamen sie nicht problemlos an jede Zutat heran; laut Pelz dauerte die Suche nach einem vierblättrigen Kleeblatt beispielsweise vier Tage. Gebraut und verköstigt wurde der Zaubertrank am Ende des Prozedere übrigens im nahegelegenen Wental bei Bartholomä, da Pelz diesem Ort, den er schon als Kind oft besucht habe, „etwas Magisches“ zuspreche. So erhält das Projekt auch eine persönliche Komponente.

Zwischen den Besuchern der Vernissage kam es zu angeregten Diskussionen über die verwendeten Zutaten, über die Intentionen hinter dem Kunstprojekt und letztendlich auch über das Kunstgeschäft im Allgemeinen. Auch dies dürfte im Sinne der Künstler sein, soll der Zaubertrank ja auch genau dazu anregen.

Wer die Werke der beiden Künstler betrachten möchte, der hat dazu noch bis zum 21. Juli im Türmle Gelegenheit. Dort kann sich dann auch jeder selbst davon überzeugen, ob die Wirkung des Zaubertranks bereits eingetreten ist – denn letztendlich obliegt es den Rezipienten, den Titel der „besten Künstler“ zu verleihen.