Kreis Heidenheim / Silja Kummer Wie funktioniert das Zeitungsmachen? Wie arbeitet die HZ-Redaktion? Was erleben die Redakteure in ihrem Alltag? Einmal in der Woche bietet „Zwischen den Zeilen“ einen Blick hinter die Kulissen.

Die Redaktion der Heidenheimer Zeitung hat in letzter Zeit zweimal mit dem gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv zusammengearbeitet: beim Projekt „Wem gehört Heidenheim?“ und für den Artikel über die Korruptionsvorwürfe gegen Voith und Andritz. In beiden Fällen ist es neu, dass sich zwei so ungleiche Partner wie ein Recherchebüro und eine Lokalzeitung zusammentun. Im besten Fall bringt das Vorteile für beide Seiten: Der überregionale Partner profitiert von den lokalen Kenntnissen und Kontakten vor Ort, die Lokalredaktion von der Erfahrung und den Strukturen des international agierenden Recherchebüros.

Mehrere Köpfe wissen mehr als einer. Bisher kennt man Rechercheverbünde aber eher von der Zusammenarbeit großer Medien: NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung recherchierten beispielsweise zusammen im VW-Abgasskandal. Für die Geschichte um die Panama Papers tat sich die Süddeutsche Zeitung sogar mit dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) zusammen, sodass am Ende 109 Zeitungen, Fernsehstationen und Online-Medien in 76 Ländern gleichzeitig berichten konnten.

Für die sogenannten Cum-Ex-Files hat „Correctiv“ mit 38 Reportern in zwölf Ländern zusammengearbeitet, darunter Kollegen von der „Zeit“, „Le Monde“ aus Frankreich oder „La Repubblica“ aus Italien.

Ganz so groß war die Recherche in Sachen Korruptionsvorwürfe gegen Voith und Andritz nicht. „Correctiv“ hat die Arbeit der österreichischen Plattform Addendum, der spanischen Zeitung „El Confidencial“, des Fernsehsenders Univision aus den USA und eben der Heidenheimer Zeitung koordiniert. Dass aber eine Lokalzeitung im Team mit internationalen Medien arbeitet, ist zumindest für „Correctiv“ ein Novum.

Bei vielen lokalen Themen, über die überregional berichtet wird, erkennt man als Lokaljournalist oft Fehler, die man mit etwas Ortskenntnis hätte vermeiden können.

Um so schöner ist es, wenn man einmal nicht nur schreiben kann, „wie die Zeitung XY berichtet“, sondern selbst dabei ist bei der Recherche – ein Modell, das sich hoffentlich weiter bewährt.