Beim Sport scheiden sich die Geister. Manche Menschen können sich unglaublich dafür begeistern, anderen dabei zuzuschauen, ich persönlich finde das eher langweilig. Ich nehme die Sportbegeisterung, auch in der eigenen Familie, eher amüsiert zur Kenntnis und schüttle nur leicht verwundert den Kopf, wenn jemand sich morgens um 5 Uhr den Wecker stellt, weil da ein Formel-Eins-Rennen in Malaysia stattfindet, oder ganz laut „Poppi!“ durchs Wohnzimmer brüllt, weil eine Spielerin der Damenfußball-Nationalmannschaft gerade ein Tor geschossen hat.

Wenn die Begeisterung für die Damen-EM dann auch noch überschwappt auf die lokalen Frauenfußball-Vereine und sich Mädchen durch die Vorbilder animiert fühlen, auch selbst Fußball zu spielen, ist das natürlich noch besser.

Generell ist es schön, wenn Menschen sich gemeinsam über etwas freuen, und ich finde, man kann sich ein bisschen mitfreuen, auch wenn man die Begeisterung gar nicht teilt. Junge Menschen freuen sich meist generell darüber, dass sie jung sind und sich mit anderen jungen Menschen treffen können. Dabei wird es manchmal laut, aber vielleicht erinnert man sich auch noch an eigene Jugendaktivitäten, bei denen es oftmals auch nicht besonders gesittet zuging. Erwachsene, die dem mit einer gewissen Milde begegneten, fand man damals ziemlich cool. Ich werde nie vergessen, wie wir einmal den Schlüssel für die Schranke an der Güssenburg abholten, damals bei Bürgermeister Keller persönlich im Rathaus, und er nur die Bitte äußerte: „Machats halt ed so laut wie bei Woodschtock“.

Jugend braucht Raum und das führt oft zu Konflikten. Und ja, auch Jugendliche müssen sich an Regeln halten, spätestens dann, wenn man sie dazu ermahnt. Das gilt besonders für Bereiche in der Innenstadt wie am Heidenheimer Brenzufer. Innerhalb der Heidenheimer Stadtverwaltung kam bei einem Gespräch über die Probleme in diesem Bereich kurz die Idee auf, man könne dort einen akustischen Jugendschreck installieren.

Man sagt ja oft, diskutieren könne man alles. Moralische Grenzen sollte es dabei aber immer geben. Ein Jugendschreck ist ja aus mehreren Gründen perfide: Er trifft nur die Altersgruppe unter 25, weil ältere Menschen nur in Ausnahmefällen die hohen Töne überhaupt noch wahrnehmen. Die Jugendlichen werden dann im Einsatzgebiet des Jugendschrecks ganz pauschal vertrieben, egal, wie sie sich verhalten. Und weil Ältere den Ton nicht hören, können sie weder nachvollziehen, wie unangenehm das Geräusch ist, noch überhaupt feststellen, dass das Gerät in einem bestimmten Bereich eingesetzt wird. Glücklicherweise ist man sich wohl auch im Gemeinderat einig, dass ein Jugendschreck keine Lösung ist, weder eine gute noch eine schlechte.

Angesichts der anhaltend mediterranen Temperaturen wird sicherlich auch an diesem Wochenende im Landkreis Heidenheim das eine oder andere Fest gefeiert. Ich hoffe, es bleibt bei allen friedlich, und diejenigen, die zu Hause bleiben, werden nicht gestört.