Zum Glück hat sich das Leben wieder ein wenig normalisiert und man kann zum Beispiel wieder reisen und dabei auch etwas lernen. Ich habe beim Urlaub in unserem Nachbarland Frankreich festgestellt, dass die Franzosen offenbar ein wenig gelassener sind als wir. Wenn es zum Beispiel im Straßenverkehr klemmt, reagiert man dort weniger gereizt und aggressiv als auf unseren Straßen, zumindest war dies mein Eindruck in Südfrankreich. Kaum zurück im Landkreis Heidenheim, gab es hier aber schon wieder einige Aufreger.

Zum Beispiel im Festgottesdienst beim Giengener Kinderfest: Nach zwei Jahren kann das im Leben Giengener Schülerinnen und Schüler wichtige Fest wieder stattfinden, und wovon ist die Rede im Gottesdienst? Vom schrecklichen Krieg in der Ukraine und dass der Frieden im Herzen jedes Einzelnen beginnt. Natürlich darf man bei aller Freude nie das Leid der anderen vergessen.

Aber die Damen und Herren Geistlichen seien an dieser Stelle auch gefragt, ob den Kindern nicht ein unbeschwerter Tag gegönnt werden sollte. In den Herzen der Giengener Kinder hat der Krieg in der Ukraine sicher nicht begonnen und dafür verantwortlich fühlen, dass Herr Putin seine Macht mit einem Krieg festigen will, müssen sie sich gewiss auch nicht.

Auch eine Aufreger-Nachricht: Der Neubau für die Dualen Hochschule in Heidenheim wird teurer und zwar um fast ein Viertel der ursprünglichen Kosten. 39 Millionen Euro statt 30 Millionen – für ein privates Bauvorhaben wäre das das Ende. In diesem speziellen Fall ist es allerdings so, dass sich dadurch nur die Kosten fürs Land Baden-Württemberg verdoppelt haben. 20 Millionen haben lokale Firmen, Stadt und Landkreis aufgebracht. Das Land muss nun statt zehn Millionen mindestens 19 Millionen Euro drauflegen. Und man möchte schadenfroh sagen: Selbst schuld, schließlich wurde der Baubeginn jahrelang hinausgezögert, es wäre also wesentlich günstiger gegangen. Blöderweise ist der Staat ja nichts anderes als wir selbst, also trägt am Ende der Steuerzahler die Mehrkosten.

Mit französischer Gelassenheit ertragen muss man wohl auch den Schienenersatzverkehr der Bahn, die just zum Start des 9-Euro-Tickets auf der Brenzbahn saniert. Hier muss man wohl sagen: Lieber ein paar Umstände, bevor Züge auf kaputten Schienen entgleisen.

Nun besinne auch ich mich wieder auf das französische Savoir vivre, entkorke den Rotwein und versuche, das Wochenende zu genießen.

Neubebauung Wohngelände Klinikum Heidenheim Der Abriss der Wohngebäude hat schon begonnen

Heidenheim