Meine Mutter sagt oft, dass der Mensch ein Gewohnheitstier sei. Man muss Müttern nicht immer glauben, aber sehr oft haben sie einfach recht. In diesem Fall untermauert es auch die Wissenschaft: Psychologen wissen, dass es längere Zeit dauert, um neue Gewohnheiten zu etablieren, und noch länger, um alte abzulegen. Wir tun das, was wir immer tun, weil das wenig Energieaufwand erfordert und wir uns dabei sicher fühlen.

Die Corona-Pandemie hat uns dazu gezwungen, sehr schnell neue Gewohnheiten zu entwickeln: Mund-Nasen-Maske auf im öffentlichen Raum, Abstand halten, Hände waschen (gut, das haben manche auch schon vorher praktiziert). Wer oft und gerne in die Kneipe ging, zu Konzerten oder ins Kino oder zum Essen ins Restaurant, musste sich neue Hobbys suchen – und zwar im häuslichen Bereich. Und Fans von Großveranstaltungen wie Volksfesten, Rockfestivals oder Shopping-Events haben Pech gehabt, das fand alles einfach nicht statt.

Wie kommt man vom Sofa hoch?

Jetzt ist es wieder anders – und was macht das mit uns? Wir müssen unsere Gewohnheiten ändern und bei manchem stellt man fest: So einfach ist das gar nicht. Wer sich in Menschenmengen oder an der Kasse beim Einkaufen immer noch mit Maske wohler fühlt, ist zwar in der Minderheit. Aber wenn es abends gilt, vom Sofa hochzukommen oder ihm fernzubleiben, stelle ich zumindest bei mir fest, dass mir das manchmal schwerfällt. Es mag auch eine Alterserscheinung sein, aber bisweilen sind Veranstaltungen, Menschen und Kommunikation auch sehr anstrengend.

Auf der anderen Seite kann es auch sehr schön sein, alte Gewohnheiten wiederaufzunehmen. Kollektive Lachanfälle im Büro, weil eine einen Scherz macht und dem anderen etwas noch Lustigeres dazu einfällt, habe ich persönlich sehr vermisst und es ist schön, dass das jetzt wieder möglich ist.

Angesichts des Veranstaltungskalenders der kommenden Wochen gilt es also, sich wieder ein wenig Gesellschaftsfähigkeit anzutrainieren, damit man weder die lange Einkaufsnacht in Heidenheim noch den verkaufsoffenen Sonntag in Gerstetten verpasst, bei der Kunstausstellung „Open“ in Königsbronn und bei den Literaturtagen in Heidenheim dabei sein kann. Es wird auch Naturtheater, Opernfestspiele, Rock am Härtsfeldsee, das Giengener Kinderfest und das dortige Entenrennen wieder geben. Und zwischendurch kann man sich den einen oder anderen Sofatag als Erholung zu gönnen – damit wenigstens etwas Gutes aus der Pandemie bleibt. Ein schönes, erlebnisreiches Wochenende!