Heidenheim / Marita Kasischke Die SWR Big Band und ihre südafrikanischen Gäste lieferten eine furiose Gala auf dem Heidenheimer Schloss. Sie verbreiteten einen ganz besonderen Zauber und schienen damit sogar das Wetter im Zaum zu halten.

Der zweithäufigste Satz am Freitagabend bei der Jazz-Gala der Opernfestspiele lautete: „Das hält, das hält“, teils beschwörend, teils zuversichtlich. Und das galt dem Wetter, denn mutig hatten sich die Organisatoren dazu entschlossen, die Gala im Rittersaal und damit im Freien stattfinden zu lassen. Das ist nur konsequent: Denn wenn eine Gala schon mit „Shosholoza“ betitelt ist, was auf Deutsch etwa so viel heißt wie „Wir haben Hoffnung, wir greifen an“, dann kann man nicht vor Wolken einknicken.

Zum häufigsten Satz des Abends aber wurde „Ist das großartig“ in allen Variationen. Und das galt der SWR Big Band und den Sängerinnen und Sängern aus Südafrika, die am durchaus zunehmend frischer werdenden Abend im Rittersaal die Sonne Südafrikas aufgehen ließen.

Die SWR Big Band hatte ja in den vergangenen Jahren bei ihren Auftritten im Rahmen der Opernfestspiele immer wieder begeistert, auch dadurch, dass sie sich immer wieder Neues und Ungewöhnliches einfielen ließen. In diesem Falle also die Klänge Südafrikas mit den Sängerinnen Siya Makuzeni und Hlulane Hlangwani und den Sängern Israel Happy Motha, Mluleki Chuma, Bubele Boughton Mgele und Bonginkosi Motha, unter der Leitung von Themba Mkhinze – allein schon die Namen bergen diesen typischen südafrikanischen Rhythmus in sich, der den Rittersaal an diesem Abend beherrschen sollte.

Spontaner Applaus

Dabei waren es längst nicht nur die rhythmisch ins Blut gehenden Klänge Südafrikas, die die Interpreten im Gepäck hatten. Dazu gehörten auch Traditionals wie „Niylo“ und so einschmeichelnde Jazz-Standards wie „Life is going on“ der südafrikanischen Popsängerin Brenda Fassie und das titelgebende „Shosholoza“, das hierzulande ebenfalls einige Bekanntheit hat, so zart, aber dennoch kraftvoll aber vermutlich noch nie gehört worden war. Die Mischung ging unter die Haut und verbreitete einen ganz besonderen Zauber, zumal sie reichlich Gelegenheit für gekonnten Scat der Sängerinnen und nicht minder gekonnte Soli der Musiker bot, die immer wieder den spontanen Applaus der rund 750 Zuhörer hervorriefen.

Zur Pause ging es mit „Mbube“, hierzulande besser bekannt als „The lion sleeps tonight“ – oder auch „Bemberle“, der kleine Ausflug sei erlaubt. Auch dies in einer Version, wärmer, zärtlicher als je zuvor gehört, die mit ihrem Groove den ganzen Körper in Beschlag nahm, der sich einfach fallen lassen konnte in den eingängigen Wechsel aus „Mbube“ und „Wimoweh“.

Zur Erstklassigkeit an Instrumenten und Stimmen gesellte sich Erstklassigkeit am Pult: Dort stand mit dem schwedischen Komponisten, Arrangeur, Jazz-Saxophonisten und Flötisten Magnus Lindgren eine echte Größe, der mit der größtmöglichen Gelassenheit alle Interpreten sehr präzise zu einer Einheit verschmelzen und zur Hochform aufspielen ließ und selbst auch gelegentlich Flötentöne beifügte. Mit „Homeless“, das Traditional, das bereits Paul Simon für sein legendäres Album „Graceland“ aufgegriffen hatte, in A-cappella-Gesang sorgten die Sänger für einen ganz besonderen Gänsehautmoment.

Apropos Paul Simon: Sein „Late in the Evening“ machte sich hervorragend im südafrikanischen Rhythmus, der Botschaft im Titel allerdings wollte das Publikum genauso wenig zustimmen wie der Ankündigung, dass das die letzte Nummer des Abends sei. Nicht wenige waren bereits aufgestanden, vom Rhythmus ergriffen.

Dass bei der angesichts des Beifalls zwingend notwendigen Zugabe letztlich nahezu alle standen, tanzten und klatschten, das lag an drei Dingen: Erstens an Miriam Makebas unvergänglichem „Pata Pata“, zweitens an den Künstlern, die damit dem furiosen Abend einen absolut angemessenen Schlusspunkt setzten, und schließlich am Wetter: Es hat gehalten.

Das weitere Programm der Opernfestspiele

Ob Oper oder Konzerte, die Opernfestspiele haben auch in diesem Jahr wieder einiges zu bieten. Weiter geht das Programm am 18. Juni mit dem Blauen Abend. Am 22. Juni folgt dann das Eröffnungskonzert der Opernfestspiele mit Werken von russischen Größen wie Pjotr Iljitsch Tschaikowski und Nikolai Rimski-Korsakow. „Jazz trifft Brunch“ heißt es dann nur einen Tag später mit dem Maik Krahl Quintett. Am 26. Juni feiert die Kinderoper „Gold!“ Premiere. Nähere Infos unter www.opernfestspiele.de