Pfarrer Andreas Kammer ist auf dem Weg nach Ungarn. In der Nähe von Budapest in einer Kirchengemeinde wird er eine siebenköpfige Pfarrerfamilie aus der Ukraine treffen, die seit Kriegsbeginn auf der Flucht ist. Nach einer Nacht im Auto in der Schlange mit 300 anderen Fahrzeugen an der ukrainisch-ungarischen Grenze ist die Familie seit Dienstagmorgen auf europäischem Gebiet. „Es ist wunderbar, dass sie sicher aus dem Kriegsland kamen. Ich wurde gebeten, ihnen entgegenzufahren“, sagt Kammer, der sich am Dienstagmorgen hinters Steuer eines zum Wohnmobil umgebauten VW-Busses gesetzt und auf den Weg gemacht hat. Nur der Sohn musste in der Ukraine bleiben.

In diesem Auto floh die siebenköpfige Familie aus der Ostukrainie bis nach Ungarn, wo sie Mergelstettens Pfarrer Andreas Kammer abholte.
In diesem Auto floh die siebenköpfige Familie aus der Ostukrainie bis nach Ungarn, wo sie Mergelstettens Pfarrer Andreas Kammer abholte.
© Foto: Andreas Kammer

Familie flieht aus dem umkämpften Donbass

Die Familie, so berichtet Kammer, lebt in der Nähe von Donezk in der Ostukraine und damit in dem Gebiet, das schon seit Jahren von Krieg gezeichnet ist und das Russlands Staatschef Putin am Mittwoch als eigenständige Volksrepublik anerkannt hatte. Noch am gleichen Tag, so berichtet Kammer, hatte sich die Familie auf den Weg gemacht. Der Pastor fühle sich zwar schuldig, seine Gemeinde und Stadt zu verlassen, doch suche er nach einem sicheren Platz vor allem für seine unter 18-jährigen Töchter.

Kurzer Zwischenstopp auf der Fahrt nach Heidenheim: Im VW-Bus von Pfarrer Kammer wird Kaffee gekocht.
Kurzer Zwischenstopp auf der Fahrt nach Heidenheim: Im VW-Bus von Pfarrer Kammer wird Kaffee gekocht.
© Foto: Andreas Kammer

Wie erfuhr Pfarrer Kammer vom Hilferuf?

Wie kam der Kontakt zur ukrainischen Familie zu Stande? Ein Mitarbeiter des Overseas Council Europe (OCE), für den Pfarrer Kammer arbeitet, hatte aus Kiew Sonntagabend angefragt, ob jemand diese Familie aufnehmen könne. Pfarrer Kammer war im Auftrag des OCE selbst schon zweimal in Kiew, wo er an Bibelschulen theologische Ausbildungen unterstützt. Stündlich, so berichtet er, erhalte er derzeit über diesen Kontakt Nachrichten aus Kiew.

Pfarrer Andreas Kammer in der evangelischen Kirche in Mergelstetten.
Pfarrer Andreas Kammer in der evangelischen Kirche in Mergelstetten.
© Foto: Oliver Vogel

Der Pfarrer reagiert prompt auf den Hilferuf. Er rückt mit seiner Familie im evangelischen Pfarrhaus auf den ersten Stock zusammen und macht Platz frei im Dachgeschoss. Der jüngste Sohn sei sofort bereit gewesen, dafür sein Zimmer zu räumen.

Kammer spricht von „überwältigender“ Reaktion in der Gemeinde

Gleich darauf bat der Pfarrer die Gemeinde um Unterstützung: „Es ist überwältigend, wie viele Leute reagiert und ihre Hilfe angeboten haben. Matratzen, Herd und Arbeitsplatte wurden gespendet, ein Elektriker bot seine Hilfe an, den Starkstrom für den Herd zu legen. „Jetzt fehlt nur noch ein Kühlschrank“, so Kammer, der davon ausgeht, dass bald noch viel mehr Menschen aus dem Kriegsgebiet in Heidenheim eintreffen werden und für die er jetzt schon um Hilfe bittet. Wenden kann man sich an das evangelische Pfarramt, Tel. 07321/51400 oder Pfarramt.Mergelstetten@elkw.de

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