Die Zeiten fürs Heidenheimer Tierheim sind nicht leicht. Politische Entscheidungen, extrem gestiegene Energiekosten, die Inflation aber auch das Verhalten von Hundebesitzern sorgen dafür, dass die Situation im Moment „maximal angespannt“ ist, wie der Vorsitzende des Kreistierschutzvereins, Stefan Hitzler, erläutert.

Hohe Auslastung bei Hunden

Eines der Probleme ist die hohe Auslastung in den Hundezwingern. Natürlich habe man Hunde, die von ihren Besitzern während der Corona-Zeit angeschafft wurden, und jetzt ins Tierheim gebracht werden.

„Aber das wirkt sich aktuell noch nicht so stark aus wie befürchtet“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Julia Lambertz. Andere Entwicklungen hingegen würden immer mehr zum Problem: „Seit zwei Jahren stellen wir fest, dass große Hunde in Mode sind, sie werden von Menschen gehalten, die sich nicht mit großen Rassen auskennen und sie nur wollen, weil sie chic sind“, sagt Lambertz.

Das sei seit einiger Zeit ein sehr massives Problem, weil viele unbedarfte Hundehalter mit dem Verhalten des Tieres nicht klarkommen und sich nicht richtig mit ihm auseinandersetzen. „Wenn solche Hunde, dazu gehören auch die Herdenschutzhunde, nicht richtig erzogen werden, können sie zum Problem werden, und dann werden sie ans Tierheim abgeschoben oder beschlagnahmt.“ Dazu gehörten Rassen wie Cane Corso, Cangal und Wolfshund. „Bei diesen Tieren sind leider die Chancen der Weitervermittlung sehr schlecht, weil die meisten vernünftigen Menschen, die einen solchen Hund wollen, lieber einen Welpen haben wollen, den sie auch erziehen können“, erklärt Lambertz.

Ein Besuch im Heidenheimer Tierheim: Diese Tiere warten aktuell auf eine Adoption

Bildergalerie Ein Besuch im Heidenheimer Tierheim: Diese Tiere warten aktuell auf eine Adoption

Werden diese Hunde im Tierheim aufgenommen, verursachen sie nicht nur hohe Kosten, sondern haben auch einen sehr hohen Betreuungsaufwand. „Natürlich versuchen wir, sie möglichst gut zu halten, aber solche Hunde zu erziehen ist sehr schwierig“, so Lambertz. Weil aktuell so viele große Rassen im Tierheim leben, sind die Kapazitäten an Zwingerplätzen erschöpft.

Keine Tollwutimpfung

Ein weiteres Problem sind der stellvertretenden Vorsitzenden zufolge auch Hunde, die übers Internet aus dem Ausland gekauft werden und teils keine Impfungen, noch nicht einmal gegen Tollwut vorzuweisen haben. Auch das komme immer häufiger vor.

Bei den Katzen ist noch Platz

Während bei den Hunden die Kapazitäten am Limit sind, sieht es bei den Katzen besser aus. „Das ist saisonal bedingt, ab März werden wir sicherlich wieder mehr Katzen haben“, sagt Lambertz. Doch auch hier stelle man vermehrt fest, dass Menschen ohne Vorwissen versuchen, besondere Rassen zu züchten und dann bemerken, dass sie überfordert sind. „Auch diese Tiere landen dann bei uns im Tierheim, teils in sehr schlechtem Zustand.“

Manche Tierhalter sind finanziell überfordert

Der Vorsitzende des Kreistierschutzvereins, Stefan Hitzler, befürchtet, dass sich die Situation bei den Haustieren noch verschlimmern könnte: „Die gestiegenen Futterpreise und die Erhöhungen bei der Gebührenordnung der Tierärzte sorgen dafür, dass sich manche Menschen ein Haustier nicht mehr leisten können.“ Beim Tierheim fragten immer wieder Haustierhalter nach, ob sie finanzielle Unterstützung erhalten können, „aber das geht natürlich nicht“, so Hitzler. Deshalb sieht er die Gefahr, dass Menschen ihre Tiere aussetzen oder abgeben aufgrund der gestiegenen Kosten. Vor nicht allzu langer Zeit sei eine ältere und kranke Husky-Hündin abgegeben worden, weil sich die Besitzer den Tierarzt nicht mehr leisten können, bestätigt Lambertz.

Gestiegene Tierarztkosten

Ein Problem, das natürlich auch das Tierheim selbst betrifft. Denn auch die Einrichtung muss für Impfungen und Behandlungen bei Tierärzten jetzt deutlich mehr bezahlen. „Das trifft uns schon extrem, weil wir sehr viele Tiere, die zu uns kommen, erstmal impfen lassen müssen. Und wenn sich dafür die Kosten verdoppeln, ist das natürlich sehr problematisch“, so Hitzler.

Mindestlohn macht zu schaffen

Dem Vorsitzenden zufolge hat das Tierheim aber auch mit anderen Kostensteigerungen zu kämpfen: „Die zweimalige Erhöhung des Mindestlohns hat uns schon zu schaffen gemacht, wobei ich diese Erhöhungen absolut für gerechtfertigt halte“, betont Hitzler. Doch die monatlichen Mehrkosten beliefen sich dadurch für die Einrichtung auf rund 3000 Euro.

Spendenbereitschaft geht zurück

Zu all diesen Schwierigkeiten kommt noch hinzu, dass die Spendenbereitschaft der Menschen deutlich zurückgegangen ist. „Auch das kann ich verstehen, weil die Leute ja selbst immer weniger im Geldbeutel haben“, sagt Hitzler: „Wir haben schon einen sehr starken Einbruch zu verzeichnen, und das, obwohl wir uns zu einem Gutteil über Spenden finanzieren.“

Hoffen auf mehr Zuschüsse

Doch wie lässt sich das alles kompensieren? Könnten die Kommunen ihre Zuschüsse erhöhen? „Momentan sind wir in Verhandlungen mit den Städten und Gemeinden“, erklärt Hitzler. Aktuell erhält der Kreistierschutzverein insgesamt 70.000 Euro jährlich, davon 50.000 von den Kommunen und 20.000 Euro vom Landkreis. „Wir haben den Kommunen den Vorschlag gemacht, dass pro Einwohner 1,50 Euro an Zuschüssen an uns gehen, aber die Gespräche dazu sind noch nicht abgeschlossen.“

Räumlichkeiten wurden gekündigt

Eine weitere, aktuell noch offene Baustelle für den Kreistierschutzverein ist die Tatsache, dass ihm Räumlichkeiten auf dem „Linse“-Areal in der Wilhelmstraße gekündigt wurden. Hier hat der Verein eine Fläche von rund 160 Quadratmeter angemietet, auf denen der Tierheim-Flohmarkt stattfindet und die Flohmarkt-Artikel eingelagert sind. Der Erlös aus dem Flohmarkt trägt nicht unerheblich zur Finanzierung des Tierheims bei. „Wir haben die Kündigung Mitte Dezember erhalten und müssen bis Ende Februar ausgezogen sein“, erklärt Hitzler. Für die Suche nach Alternativen habe es bisher jedoch an Zeit gefehlt.

Alles in allem eine Situation, die nicht gerade als erfreulich zu bezeichnen ist. „Es fehlt uns an allen Ecken an Einnahmen, und ich hoffe, dass sich an der Situation bald etwas verbessert, vor allen Dingen zum Wohl der Tiere“, sagt Hitzler. „Aber derzeit stehen die Sterne nicht gut fürs Tierheim.“

Freiwillige helfen


Beim Tierheim in Heidenheim sind derzeit vier Mitarbeiter fest angestellt. Sie teilen sich die Schichten, weil sich ja an 365 Tagen im Jahr jemand um die Tiere kümmern muss. Eigentlich war das Bestreben, einen hauptamtlichen Geschäftsführer oder eine Geschäftsführerin fürs Tierheim zu suchen, doch davon ist das Team abgekommen. „Wir machen das jetzt ehrenamtlich, weil es viel wichtiger ist, eine feste Kraft für die Betreuung im Kleintierbereich zu finden“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende des Kreistierschutzvereins, Julia Lambertz.

Zusätzlich zu den fest Angestellten gibt es noch zwei junge Menschen, die im Moment den Bundesfreiwilligendienst absolvieren.

Ohne eine große Zahl von Freiwilligen Helfern könnte der Betrieb jedoch nicht aufrechterhalten werden. Diese kümmern sich um die Tiere, streicheln sie, gehen mit ihnen Gassi und helfen auch bei den alltäglichen Arbeiten aus. „Wir haben neun Freiwillige, die einspringen können und die Hauptamtlichen unterstützen, insgesamt gibt es glücklicherweise rund 30 Freiwillige, die sich um die Tiere kümmern“, so Lambertz.