Am Samstag, 13. November, öffnet um 9.30 Uhr die große Ausbildungs- und Studienmesse. Aber nicht im Congress Centrum auf dem Schlossberg, sondern per Mausklick im Internet.

Gespannt auf Resonanz

Nach dem coronabedingten Ausfall im vergangenen Jahr gibt es die Ausbildungs- und Studienmesse der IHK Ostwürttemberg dieses Jahr virtuell. Eine Premiere, der alle Beteiligten mit  Spannung entgegensehen. Technisch, versichert Lea Schmitt von der IHK, sei man für jeden Ansturm gerüstet.

Kein Mangel an Lehrstellen

Bei den Firmen ist die Idee sehr gut angekommen. Über 100 Unternehmen stehen für Samstag in den Startlöchern. An freien Lehrstellen ist derzeit kein Mangel, weiß Claudia Prusik von der Agentur für Arbeit. Ein Vorteil für die Bewerber. Im August waren in der Region Ostwürttemberg noch 982 Ausbildungsplätze unbesetzt gewesen. Auf der Suche waren 535 Bewerber.

Die Agentur für Arbeit ist am Samstag gleich mit sieben Berufsberatern und einem Teamleiter vor Ort, um die Jugendlichen bei der Berufswahl zu unterstützen. Und natürlich geben auch Vertreter der Unternehmen an diesem Tag bis zum Ende der Messe um 14.30 Uhr persönlich Auskunft: per Telefon, per Email oder im Chat über Whatsapp.

Leicht aufrufbar

Die Plattform Ausbildungsmesse Heidenheim, die unter diesem Suchbegriff leicht per Google aufgerufen werden kann, gibt es schon seit September vergangenen Jahres. Auf ihr können sich Firmen auf Zeit einmieten, um potenziellen Bewerbern Ausbildungsgänge, Berufsbilder und Karrierechancen aufzuzeigen. Diese statische Plattform wird nun kommenden Samstag zu einem lebendigen Markt der Möglichkeiten.

Die Plattform ist wie eine Messe aufgebaut. Wie bei einem Computerspiel manövriert man sich durch die fünf Hallen und dockt nach Belieben bei Unternehmen und Hochschulen an. „Jeder kann an jeden Stand“, sagt Lea Schmitt.

Vorträge und Livestreams

Per Klick gibt es einen persönlichen Kontakt, um weitergehende Fragen zu klären. Wie bei der echten Ausbildungsmesse gibt es auch Vorträge und Livestreams von Firmen, in die man sich einschalten kann. Auch eigens aufgenommene Videos kann man anschauen, in denen etwa Azubis erzählen, wie sie mit der Ausbildung klarkommen.

Dass es aufgrund der vierten Corona-Welle nicht mit der echten Messe auf dem Schlossberg hat klappen können, bedauert auch David Mittner, der Vertreter der Stadtverwaltung Heidenheim. „Aber die Absage war die richtige Entscheidung.“ „Wir haben nun versucht, das Beste daraus zu machen“, versichert Claudia Prusik. Wobei erst der Samstag zeigen kann, wie sehr Jugendliche und Firmenvertreter mit der virtuellen Ansprache zurechtkommen. Übung darin haben aber beide Seiten mit Homeoffice und Homeschooling bekommen.

Nachwuchs soll in der Region eine Chance haben

Der Zuschnitt der Ausbildungsmesse auf die Region Ostwürttemberg ist auch im Willen begründet, den Nachwuchs in der Region zu halten und den Schülern der Abgangsklassen zu zeigen, welches Niveau und welche Breite an Ausbildung hier geboten ist. „Die jungen Menschen sollen an ihrem Heimatort bleiben können“, sagt David Mittner. Allein die Stadtverwaltung Heidenheim biete knapp 20 Ausbildungsgänge und beschäftige derzeit 65 Azubis.

Die Idee zu einer Ausbildungsmesse mit regionalem Zuschnitt hatten vor gut 20 Jahren der damalige Heidenheimer Oberbürgermeister Bernhard Ilg und der damalige Leiter der Agentur für Arbeit Norbert Bach. Im Jahr 2001 war die Premiere in der Karl-Rau-Halle. Damals war der Ausbildungsmarkt gerade umgekehrt wie heute: Es fehlten Ausbildungsplätze und die Unternehmen hatten leichte Wahl. Zehn Jahre später zog die Messe ins Congress Centrum um.

Eltern sollen Kinder begleiten

So wie auf dem Schlossberg vielfach Eltern ihre Kinder begleitet haben, bittet Mittner die Erziehungsberechtigten auch bei der virtuellen Messe mit auf Tour durch die Hallen zu gehen. „Eltern haben viel Einfluss auf die Berufsbildung“, sagt Mittner. Dieser könne auch wirksam werden, wenn man gemeinsam am Samstag am PC sitzt.

Dass ein virtuelles Date eine persönliche Begegnung nicht ersetzen kann, wissen alle Beteiligten.  Aber da bleibt ja die Hoffnung auf das Jahr 2022 und die nächste Ausbildungsmesse. Einen Vorzug kann man der virtuellen Messe nicht streitig machen. Es gibt dabei keine Ansteckungsgefahr.

Die Messe im Klassenzimmer


Für die Teilnahme an der Ausbildungsmesse, gehen einige Schulen einen besonderen Weg. Claudia Prusig von der Agentur für Arbeit spricht von einer hybriden Form. Für diese hat sich auch die Bibrisschule in Herbrechtingen entschieden. Die achten, neunten und zehnten Klassen treffen sich am Samstag im Schulgebäude und schalten sich dort in das Messegeschehen im Netz ein. Hier können sie sich dann mit einem Berufsberater der Agentur für Arbeit unterhalten, der sich eigens Zeit für sie nimmt.