Heidenheim / Michael Brendel Der Küchenbereich des Vereinsheims auf dem Schnaitheimer Moldenberg wird komplett erneuert. Gleichzeitig steht der Vertrag mit einem neuen Pächter kurz vor der Unterschrift.

Das Vereinsheim der TSG Schnaitheim unterscheidet sich seit Langem von vielen anderen Clubhäusern im Landkreis: Nicht nur Sportler treffen sich dort nach Trainingseinheiten und Wettkämpfen, hinzu kommen auch Spaziergänger und Essensgäste auf der Suche nach einer gepflegten Küche.

Sie alle standen seit August vor verschlossenen Türen, ist die TSG doch schon ein halbes Jahr auf der Suche nach einem neuen Pächter. Der scheint mittlerweile gefunden: „Wir haben bereits eine mündliche Vereinbarung getroffen“, sagt der TSG-Vorsitzende Wolfgang Schön, „und es sieht so aus, dass wir in Kürze unsere Unterschriften unter den Vertrag setzen.“

Neue Küche kommt

Ehe der Neue loslegen kann, wartet allerdings noch eine weitere Baustelle: Der Küchenbereich muss von Grund auf saniert und den heutigen Anforderungen angepasst werden. 40 Jahre lang sei in diesem Bereich lediglich Kosmetik betrieben worden, sagt Schön. Das reiche aber nicht mehr aus, vielmehr sollten nun Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Der letzte grundlegende Umbau datiert aus dem Jahr 1980. Nachdem aus den zwei vorhandenen Kegelbahnen vier geworden waren, stellte sich die Frage, wie Sportler und Gäste fortan mit Speisen und Getränken versorgt werden können. Deshalb wurde der Beschluss gefasst, die Küche zu vergrößern. Die Erweiterungspläne schlossen auch sanitäre Anlagen, Umkleideräume, Duschen, neue Parkplätze und eine Terrasse ein.

Kosten 140 000 Euro

Jetzt steht wieder eine umfassende Umgestaltung an. Zum einen wird die Küche um zwei angrenzende Räume erweitert, in denen künftig Spülarbeiten erledigt und Speisen vorbereitet werden sollen. Zum anderen ist der Einbau einer modernen Edelstahlküche vorgesehen. Allein dieser schlägt mit rund 140 000 Euro zu Buche. Hinzu kommen die Kosten für eine moderne Elektroinstallation, rutschhemmende Fliesen und dergleichen mehr.

Den Verantwortlichen war von vornherein klar, dass das Vorhaben mit einem erheblichen Finanzbedarf einhergehen würde. Außer Frage stand jedoch seine Notwendigkeit: „Einen Moldenberg ohne Wirtschaft kann man sich doch überhaupt nicht vorstellen“, so Schön.

Mitglieder entschieden

Da der Vereinsausschuss lediglich Ausgaben bis zu einer Obergrenze von 50 000 Euro eigenständig beschließen kann, bei höheren Summen hingegen der Hauptverein entscheidet, wurde für Mitte Dezember eine außerordentliche Hauptversammlung auf dem Moldenberg einberufen. Die Resonanz war mit 104 interessierten Personen bemerkenswert, deren Urteil nicht minder: Sämtliche Anwesenden hießen die Pläne gut und billigten gleichzeitig einen Finanzrahmen von 250 000 Euro. Schön hofft freilich, deutlich weniger davon in Anspruch nehmen zu müssen und setzt auf Eigenleistungen in nicht unerheblichem Umfang sowie auf Spenden.

Einen Eindruck davon, was in den nächsten Wochen auf alle Beteiligten zukommt, erhielt ein Team um Schön am Mittwochabend. Um den exakten Verlauf verschiedener Leitungen zu erkunden, wurden an mehreren Stellen Wände aufgestemmt. Ergebnis: Es traten Holzständerelemente zutage, die aus den 1930er-Jahren stammen: „Wir haben praktisch die Urzelle unseres Vereinsheims freigelegt“, so Schön. Möglicherweise stellt sich auch beim nächsten Arbeitseinsatz am morgigen Samstag die eine oder andere Überraschung ein. Deshalb vermag der TSG-Vorsitzende aus heutiger Sicht nicht zu sagen, wann die Arbeiten beendet sein werden. Nur so viel: Rechtzeitig zur Biergartensaison soll der neue Wirt auf dem Moldenberg auftischen.

Vereinsheim fast 90 Jahre alt

Die TSG Schnaitheim ist heute mit rund 2500 Mitgliedern der drittgrößte Sportverein im gesamten Stadtgebiet hinter dem Heidenheimer Sportbund und dem 1. FC Heidenheim.

Die Anfänge sahen anders aus: Am 18. August 1874 wurde in Schnaitheim der Turnverein gegründet. Ihm gehörten damals 47 Männer an. Als erster Verein im Landkreis wurde der TV Schnaitheim am 17. Februar 1900 ins Vereinsregister beim Amtsgericht eingetragen.

Im Laufe der Zeit kamen nach und nach Turnerinnen, Leichtathleten, Faustballer, Fußballer Kraftsportler, Handballer, eine Knabenabteilung, eine Spielriege und sogar eine Sängerriege hinzu.

Nach der Eingliederung des Arbeiterturnvereins im Jahre 1934 erfolgte die Umbenennung in Turn- und Sportverein 1874. Dieser übernahm im Zuge dessen auch das Clubhaus, das die Mitglieder des Arbeiterturnvereins zwei Jahre zuvor auf dem Moldenberg errichtet hatten. 1946 änderte sich der Name dann abermals. Seither lautet er Turn- und Sportgemeinde 1874.