Heidenheim / Michael Brendel Die jährliche Ausbildungs- und Studienmesse auf dem Schlossberg ist längst ein Publikumsrenner. In der DH feierte jetzt eine vergleichbare Veranstaltung für Menschen mit Behinderungen Premiere.

Der Arbeitsmarkt brummt: Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse ist so hoch wie nie, die Nachfrage nach Fachkräften in etlichen Branchen ebenso. Laut Elmar Zillert, dem Leiter der Arbeitsagentur in Aalen, gibt es im Landkreis Heidenheim derzeit rund ein Drittel mehr Ausbildungsplätze als Bewerber.

Nicht jeder, der eine Beschäftigung sucht, kann aber mit herausragenden Fähigkeiten, bester Qualifikation, scheinbar unendlicher Belastbarkeit aufwarten. So tun sich Menschen mit Behinderung meist viel schwerer, einen Job zu ergattern. Gleiches gilt für Personen, die einen Unfall oder eine schwere Erkrankung hinter sich haben. Ihrer Belange wollte sich am Samstag der Markt der Möglichkeiten in der Dualen Hochschule annehmen.

Viele Partner beteiligt

Von der Landkreisverwaltung auf die Beine gestellt und von mehreren Partnern wie der Agentur für Arbeit, der ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung, der „Eva“ in Heidenheim, dem Integrationsfachdienst Ulm/Alb-Donau/Heidenheim, der Dualen Hochschule und verschiedenen Trägern der Behindertenhilfe unterstützt, sollte diese Ausbildungs- und Berufsmesse einen Pflock einrammen: „Die Integration des genannten Personenkreises ist Teamarbeit“, so Zillert, „und deshalb müssen wir Interessen, Möglichkeiten und Akteure zusammenbringen.“ In Heidenheim kümmere sich zwar bereits ein gut funktionierendes Netzwerk um die Teilhabe am Arbeitsleben, gleichwohl müssten auch weiterhin Stolpersteine und Hemmnisse beseitigt werden.

Eine Zielsetzung, die Sozialdezernent Matthias Schauz teilt: „Eine inklusive Gesellschaft zu schaffen und allen Menschen mit Behinderung geeignete Arbeitsplätze zu bieten, ist eine gemeinsame Herausforderung für uns alle.“ Eine große Rolle spiele dabei, Arbeitgeber zu sensibilisieren und ihre Einstellungsbereitschaft zu verbessern, „denn bei einem Handicap ist eine Lösung oftmals gar nicht so schwierig“.

Alle Plätze belegt

Besonders die Kommunale Behindertenbeauftragte Iris Mack, die die Veranstaltung federführend organisiert hatte, war gespannt, auf welches Interesse der Markt der Möglichkeiten stoßen würde. „Ich bin überwältigt“, stellte sie dann schon während der Eröffnung fest, waren doch sämtliche 100 Plätze in der Aula belegt. Hinzu kamen all jene Interessierten, die sich an den Ständen der vertretenen Institutionen, Behörden, Firmen, Trägern der Behindertenhilfe und Werkstätten mit Informationen versorgen ließen.

Dr. Daniel Budka, Leiter des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums Pistoriusschule, betonte eingangs, dass jeder Anschluss an die Schulzeit besser sei als keiner. Insofern gab der schwungvolle und mit viel Beifall bedachte musikalische Auftritt der „Schlagwerker“ den passenden Takt vor: optimistisch, engagiert, fröhlich. Und weit vom Aufgeben entfernt, wenn einmal ein Ton etwas daneben lag.

Zwei Erlebnisberichte

Einen Farbtupfer verliehen der grauen Theorie zwei junge Menschen mit Behinderung, die die ihnen gebotene Chance genutzt und ihren Platz gefunden haben. Daniela Schaller berichtete von der Möglichkeit, sich bei den in Trägerschaft der Lebenshilfe stehenden Werkstätten der HWW GmbH mit ihrer ausgeprägten Sozialkompetenz einzubringen und neben ihrer Arbeit im hauswirtschaftlichen Bereich beispielsweise Praktikanten an die Hand zu nehmen.

Nach Ferienarbeit und Praktikum ist Adrian Hermann mittlerweile fester Bestandteil der Belegschaft der Firma UGA in Bolheim. Sein Engagement und die Bereitschaft des mittelständischen Betriebes, in bestimmten Punkten Rücksicht zu nehmen, lässt beide profitieren: Demnächst erhält Hermann einen unbefristeten Arbeitsvertrag.

Arbeit für Schwerbehinderte

Private und öffentliche Arbeitgeber mit mindestens 20 Arbeitsplätzen müssen auf wenigstens fünf Prozent davon schwerbehinderte Menschen beschäftigen. So steht es im Sozialgesetzbuch. Kommt der Arbeitgeber dieser Verpflichtung nicht nach, hat er eine monatliche Ausgleichsabgabe zu bezahlen. Wie hoch diese im Einzelfall ist, steht ebenfalls im Gesetz.

Im Landkreis sind aktuell 9848 Menschen mit Schwerbehinderung registriert, darunter auch Rentner und Pensionäre. Derzeit arbeiten 344 in einer der von drei verschiedenen Trägern betriebenen Werkstätten: HWW/Lebenshilfe, Awo (Werkstatt am Bahnhof), Samariterstiftung (Samocca). bren