Corona hat den ÖPNV auf Talfahrt geschickt. Nur langsam gehen Fahrgastzahlen und Umsatz wieder nach oben. Ralf Kuschel, der Leiter der der Geschäftsstelle des Heidenheimer Tarifverbunds (HTV) in der Landkreisverwaltung, erwartet auch noch in den Frühjahrsmonaten 2021 in beiden Bereichen ein Minus von 20 bis 30 Prozent.

Der vom Bund und den Ländern aufgespannte Rettungsschirm hilft dem Landkreis zwar, die finanziellen Verluste zu kompensieren. Doch Corona hat dem ÖPNV auch einen Imageschaden zugefügt. Landrat Peter Polta sprach vor den Mitgliedern des Ausschusses für Infrastruktur und Umwelt von einer „schwierigen Situation“.

Umsatz eingebrochen

Auch wenn Fahrgast- und Umsatzeinbrüche von 100 auf 14 Prozent wie im April dieses Jahres der Vergangenheit angehören, „Corona ist uns geblieben“, betonte Kusrchel. Zwar sind nach Ende der Sommerferien die Schüler fast in voller Stärke (“nur minus zwei Prozent bei den Monatskarten“) zurückgekehrt, aber über das Jahr und darüber hinaus, werde ein stattliches Minus bleiben. Über den Rettungsschirm des Bundes und der Länder erwartet Kuschel kurz- und langfristige Hilfen in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro.

Weitere Schulbusse sind denkbar

Bei den vom Land angebotenen Verstärkerfahrten sei man derzeit am prüfen, ob und auf welchen Kursen es klemme. Das Land hat finanzielle Unterstützung für den Einsatz zusätzlicher Busse zugesagt, wenn bei Fahrten eine 100-prozentige Auslastung der Sitzplätze und eine 40-prozentige Auslastung der Stehplätze gegeben ist. Übernehmen will das Land 80 Prozent der Kosten.

Heidenheim

Lieber wäre Kuschel freilich, wenn die Schulen auf den Wink des Kultusministeriums reagieren würden, und Schulanfang- und Schlusszeiten entzerren. „Da hätten wir es etwas leichter.“ Schwerer werde es, zusätzliche Busfahren zu kreieren.

Größte Rabattaktion in der Geschichte

Angeschlossen hat sich der HTV den landesweiten Imagekampagnen, welche auch über die Sommerferien die größte Rabattaktion für Pendler in der Geschichte des Landes eingeschlossen hat. Mit einer HTV-Monatskarte konnte man in dieser Zeit landesweit mit Bus und Bahn kostenfrei unterwegs sein.

Sehr fix war man in Heidenheim und im Land mit der Ausstattung der Fahrerarbeitsplätze in den Bussen mit Spuckschirmen. „Andere Bundesländer waren später dran.“ Aufgrund der Spuckschirme können seither die Busfahrer auch wieder Tickets verkaufen.

Zur Verbesserung der Hygiene-Situation arbeitet man weiter an der Einführung bargeldloser Zahlungsverkehre. Seit 1. Oktober können über die App DB Navigator auch HTV-Tickets bezogen werden. Bis EC-Cash oder Mobile Payment funktioniert wird man aber das Jahr 2021 schreiben.

10 Prozent Ersparnis für treue Monatskarten-Kunden

Eine Dankeschön-Aktion für treue Kunden ist im September angelaufen. Denjenigen, welche ihr Abo für Monatskarten in der Lockdown-Phase nicht gekündigt haben, wird bei den Abos im September, Oktober und November zehn Prozent des Preises erlassen.

Ralf Kuschel vertraut weiterhin auf eine langfristige Erholung des ÖPNV: „Aber die Pandemie entscheidet.“

Samstags im Advent umsonst fahren


Um Fahrgäste für den ÖPNV zurückzugewinnen, hat man im Heidenheimer Tarifverbund entschieden, dass an den Samstagen im Advent das Bus- und Bahnfahren kostenlos sein soll. An den Tagen 28. November, 5., 12. und 19. Dezember können die Fahrgäste das gesamte Fahrplanangebot auf der Brenzbahn zwischen Niederstotzingen und Königsbronn, die Stadtverkehre Heidenheim und Giengen sowie den Regionalbusverkehr für ihre Einkäufe umsonst nutzen. Den Verlust von zirka 15 000 Euro übernimmt der Landkreis.

Landrat Peter Polta sieht in diesem Angebot gleich einen dreifachen Effekt: Werbung für den ÖPNV, eine Entlastung des Straßenverkehrs an diesen Einkaufstagen und einen verringerten CO2-Ausstoß. gt