Heidenheim / Lena Rehm Tradition wird bei der Schwäbischen Trachtengruppe Heidenheim großgeschrieben. Dieses Jahr wurde ihnen die Ehre zuteil, am Festzug zum 174. Cannstatter Volksfest teilzunehmen, um die Trachtentradition der Region zur Schau zu stellen.

Für die  Schwäbische Trachtengruppe Heidenheim war es ein unvergessliches Erlebnis: Nach zehn Jahren Pause durfte sie am Festumzug zum 174. Cannstatter Wasen teilnehmen. Nachdem sie Anfang des Jahres eine ausführliche Bewerbung beim Cannstatter Volksfestverein eingereicht hatten, stand bald darauf fest: Sie dürfen teilnehmen. Also machten sie sich mit 46 Trachtenträgern, Fahne, Täfele, Leiterwagen und einem historischen Kinderwagen am Sonntag, 29. September, auf den Weg nach Stuttgart.

Die Heidenheimer Trachtenträger im Alter von sieben bis 70 Jahren reihten sich in ihrer original schwäbischen Ostalb-Tracht mit der Nummer 103 in den Festzug ein. Unterwegs zeigten die 16 Tanzpaare ihre Reihentänze zu „Auf der Schwäbischen Eisenbahn“ und „Ferse, Spitze“.

Interview fürs Fernsehen

An der Übertragungsstelle des SWR wurden die Heidenheimer für ein kurzes Fernsehinterview über die historische Tracht und Heidenheim befragt. Insgesamt nahmen mehr als 3000 Trachtenträger am Festumzug teil, die sich bei sonnigem Wetter den rund 155 000 Zuschauern präsentieren konnten und gemeinsam auf den Wasen einzogen. Im Wasenzelt angekommen, konnte sich die Heidenheimer Trachtengruppe bei Maß, Hendl, Blasmusik und ausgelassener Stimmung für den anschließenden Gang über den Wasen stärken. „Die Stimmung war riesig, es wurde auf den Tischen gesungen und getanzt“, hieß es vonseiten des Vereins. „Wir hoffen, dass es einer Wiederholung nicht wieder zehn Jahre bedarf.“

Die Verantwortlichen des Vereins freuten sich außerdem über die zahlreichen Jugendlichen, die sich für den Festumzug angemeldet hatten. Hatte es bei der diesjährigen Hauptversammlung der Schwäbischen Trachtengruppe Heidenheim Anfang des Jahres doch noch geheißen, dass die Zahl an aktiven Volkstänzern zurückgegangen sei.

Das Aushängeschild: Die Tracht

Beim Wasen-Umzug trug die Gruppe die original schwäbische Ostalbtracht aus dem 19. Jahrhundert, die damals von Bauern an Festtagen und zum Kirchengang getragen wurde. Die aufgrund der evangelischen Tradition nicht sehr farbenfrohe Tracht der Frauen besteht aus einem langen karierten Rock, einer weißen Bluse und einer dunklen Schürze. Bei Mädchen ist diese weiß und bei Witwen fast schwarz. Der Kopf wird mit einer Bänderhaube geschmückt.

Die Tracht der Männer ist etwas farbenfroher. Sie tragen eine rote Weste mit Silberknöpfen und eine dunkle Jacke darüber. Dazu gehört eine Kniebundhose mit rotem Einstecktuch und weißen Strümpfen. Auf dem Kopf ergänzt die schwarze Kappe mit langem Zottel die Tracht.

Die Originaltracht konnten außerdem die Zuschauer des Umzugs der Wiesn in München im vergangenes Jahr bewundern. Im kommenden Jahr folgen die Trachtenträger einer Einladung zum Folk Festival im Tredegar House in Newport.

Das Cannstatter Volksfest

Das Volksfest in Bad Cannstatt blickt auf eine lange Tradition zurück. 2018 feierte es sein 200. Jubiläum. König Wilhelm I. und seiner Frau Katharina gründeten das Spektakel im Jahr 1818. Jedes Jahr feiern hier rund vier Millionen Besucher für zwei Wochen. Das macht den Cannstatter Wasen nach der Wiesn in München zum zweitgrößten Volksfest Deutschlands. Bis Samstag, 13. Oktober, kann hier noch gefeiert werden. Dabei outen sich Besucher oft als Nicht-Stuttgarter, wenn sie von „den Wasen“ sprechen, denn es heißt „der Wasen“.