Giengen / Thomas Zeller In dieser Woche werden einige Heidenheimer neidvoll nach Giengen geschaut haben. Gedanken dazu von Redaktionsleiter Thomas Zeller.

In dieser Woche werden einige Heidenheimer neidvoll nach Giengen geschaut haben. Denn während hier noch fleißig Ideen für die Innenstadtentwicklung gesammelt werden, gehen dort die Planungen schon in die finale Phase. Die Ankündigungen der Verwaltung in Giengen, den Rathausplatz umgestalten und einige zentrale Gebäude kaufen zu wollen, wirken wie eine Initialzündung.

Zwar sind diese Millionenausgaben nicht unumstritten. Im Gemeinderat wurde immer wieder an die schwierige finanzielle Situation der Vergangenheit erinnert. Doch das Ziel von Oberbürgermeister Dieter Henle ist ebenfalls klar. Er will wieder mehr Menschen in die Innenstadt bringen. Das scheint das einzige Mittel zu sein, um den Leerstand von Geschäftsräumen wirkungsvoll bekämpfen zu können.

Manchmal hilft dann auch noch das Glück dem Tüchtigen. Denn das war Henle bei der Entscheidung zweier Ulmer Investoren hold, die nun das Lamm-Areal im Herzen der Stadt übernehmen wollen. Hier gelingt das, was vor einigen Monaten beim Heidenheimer Elmar-Doch-Haus zumindest in Teilen gescheitert war: Die Umsetzung eines umfassenden Immobilien-Konzeptes bestehend aus einer Brauerei, einem Hotel und Wohnungen. Auch wenn die Auswirkungen dieser Entscheidungen erst in ein paar Jahren sichtbar werden, bringen sie Giengen doch in eine Konkurrenzsituation mit Heidenheim.

Hier sucht man noch nach guten Ideen für die Innenstadtentwicklung. Erst vor kurzem veranstaltete die SPD eine Bürgerwerkstatt zu dem Thema, deren Ergebnisse vor kurzem der Verwaltung übergeben wurden. Und auch der Handelsverband HDH hat von der Stadt den Auftrag erhalten, Konzepte für die Umgestaltung der Fußgängerzone zu erarbeiten. Doch seien wir einmal ehrlich, mehr Pflanzen und mehr Bänke sind zwar ein Anfang, können aber mit den angekündigten Leuchtturm-Projekten in Giengen erst einmal nicht mithalten.

Während in Heidenheim ohne Zweifel zurzeit sehr viel um den Innenstadtbereich herum passiert, bleibt das Zentrum noch in einer Art Dornröschenschlaf.  Aber es heißt ja nicht ohne Grund, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Vielleicht schauen sich die Heidenheimer nun etwas genauer an, welche Pläne wie in Giengen verfolgt werden. Damit die Investitionen dort die Stadtkasse nicht zu stark belasten, kann die Kommune auf ein spezielles Sanierungsprogramm zurückgreifen, das noch bis April 2021 läuft.

Genau auf diese Mittel will künftig auch der Heidenheimer Oberbürgermeister Bernhard Ilg zurückgreifen, der bereits angekündigt hat, sich um die Ausweisung der Innenstadt als Sanierungsgebiet bewerben zu wollen. Die Frage ist aber, was bis dahin passieren kann und sollte. Denn spätestens wenn in Giengen das neue Innenstadtkonzept umgesetzt wurde, zeigt sich, wie wettbewerbsfähig das Heidenheimer Zentrum noch ist. Ob dafür allein schöne Blumen, bequeme Sitzmöglichkeiten und eine neue Beleuchtung ausreichen, kann bezweifelt werden.

thomas.zeller@hz.de