Jüngst hat mit der Stadt Lahr (Ortenaukreis) die erste große Kreisstadt in Baden-Württemberg eine Katzenschutzverordnung verabschiedet. Sie folgt somit zahlreichen anderen Kommunen und Gemeinden deutschlandweit. Im Landkreis Heidenheim hingegen existiert sie bislang noch nicht und das, obwohl Katzen statistisch gesehen die beliebtesten Haustiere der Deutschen sind. Knapp 17 Millionen von ihnen leben aktuell in Deutschland und sind auf rund jeden vierten Haushalt verteilt. Wie hoch aber die Gesamtanzahl an Haus- sowie auch freilebenden Katzen tatsächlich ist, weiß niemand so genau.

500 freilebende Katzen

Hier im Landkreis laufen schätzungsweise weit mehr als 500 freilebende, nicht kastrierte Exemplare herum, so der Vorsitzende des Kreistierschutzvereins Stefan Hitzler. Er ist Befürworter einer Katzenschutzverordnung in den Gemeinden des Landkreises, die unter anderem verwilderte Katzen vor typischen Krankheiten wie Katzenschnupfen und Parasitenbefall schützen soll. Nach der Geburt in freier Wildbahn sind sie zahlreichen Gefahren ausgesetzt und kämpfen täglich ums Überleben.

Schon 212 Katzen kastriert

Freiwillige Streetworker fangen jährlich rund 400 freilebende Katzen im gesamten Landkreis ein und bringen sie ins Tierheim. Dort werden sie nicht nur gepflegt, sondern auch sterilisiert. Dieses Jahr wurden bereits 212 von ihnen kastriert, die hauptsächlich in Dörfern eingesammelt worden waren. Hitzler spricht sich dafür aus, Hauskatzen zu kastrieren. Wichtig sei, Paarungen mit wildlebenden Artgenossen zu vermeiden, um der Verwilderung entgegenzuwirken.

Population soll eingeschränkt werden

Generell kann eine Katzenschutzverordnung besagen, dass eine allgemeine Kastrationspflicht von Katzen sowie deren Kennzeichnung durch den Halter und Registrierung im Internet verpflichtend sind. Dadurch soll die Population eingedämmt und Leid für die Tiere verhindert werden. Das Land Baden-Württemberg überlässt es jeder Gemeinde selbst, ob sie eine Katzenschutzverordnung verhängt oder nicht.

Im Landkreis „wollen die Bürgermeister noch nicht so richtig“, behauptet Hitzler, der zugleich Vorsitzender des baden-württembergischen Landestierschutzverbands ist. In Heidenheim beispielsweise liege das vermutlich an den Katzenpopulationen in den Gebieten am Schloss- und Ottilienberg, für deren Pflegekosten die Stadt aufkommen müsste.

Kommunen unterstützen den Tierschutz

Die Kreisgemeinden überweisen allerdings jährlich 5000 Euro an den Kreistierschutzverein Heidenheim, der sich mit diesem Kapital um das Sterilisieren von eingelieferten, freilebenden Katzen kümmert. Hitzler lobt dieses finanzielle Engagement. Jedoch sieht er darin keine langfristige Lösung des Problems. Viel mehr betrachtet er es lediglich als Zwischenschritt auf dem Weg, die Population zu bekämpfen. Ziel ist es Hitzler zufolge immer, möglichst viele dieser Vierbeiner aus dem Tierheim an Haushalte zu vermitteln. Das sei aber aufgrund der großen Scheu einiger Tiere, speziell wildlebender Katzen, unmöglich. Bei jungen, herrenlosen Katzen, die vor allem im Frühjahr und Herbst abgegeben werden, seien die Vermittlungschancen noch vergleichsweise hoch. Meist widerspiegeln sie das bekannte Bild eines typischen, süßen Kätzchens.

Teils extreme Angst gegenüber Menschen

Nach der Kastration verbringen sie rund zwei bis drei Monate im Tierheim, wo sie betreut, versorgt und wieder aufgepäppelt werden. Die Verwilderung von Katzen hingegen erschwert diesen Verlauf erheblich. Das Aufwachsen in freier Wildbahn führt dazu, dass sie eine extreme Angst gegenüber Menschen entwickeln und deshalb direkt nach der Sterilisierung wieder an ihrem Fundort freigelassen werden.

Letztendlich, so Hitzler, sei die Katzenschutzverordnung speziell für zwei Szenarien gedacht: für Haushalte, die ein auffallend hohes Katzenaufkommen vorzuweisen hätten und für verwilderte, in der Natur lebende Tiere. Er besteht aber auch darauf, dass das Ordnungsamt bloß nicht nachkontrollieren sollte, ob eine Kastration vollzogen wurde oder nicht. Nichtsdestotrotz müsse der schnelle Zuwachs an Katzen unbedingt aufgehalten werden, sodass es zu einer potentiellen Verwilderung von den Vierbeinern auf keinen Fall kommt. Katzen gehörten in Haushalte, in denen auf sie achtgegeben werde und sie nicht der ständigen Gefahr ausgesetzt seien, zu erkranken.

Verein zum Wohl der Tiere


Der Kreistierschutzverein Heidenheim e.V. existiert bereits seit 1939. Im Jahr 1992 erfolgte der Umzug aus den Tieräckern in das deutlich größere Tierheim am Rehberg. Er finanziert sich großteils aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Zu seinen Aufgaben gehört die Aufzucht verwaister Welpen, die Pflege von Hunden, Katzen, Kleintieren und Vögeln sowie die Vermittlung an Besitzerinnen und Besitzer. Außerdem bietet der Verein bei ausreichend Kapazität Pensionsplätze für Haustiere bei Urlaub oder Krankheit des Besitzers an.