Heidenheim / Marita Kasischke Bernd Tauber und Diana Wolf brillierten in der „Heisenberg“-Inszenierung des Theaters der Stadt Aalen im Konzerthaus.

Der Titel „Heisenberg“ mag bei manchem die Frage aufkommen lassen, in welchem Landkreis das wohl liegt, und selbst wenn dabei sofort an den Physiker Werner Heisenberg und seine Unschärferelation gedacht wird, dann klingt das auch nicht nach einem spritzigen Komödienabend.

Das mag der Grund sein, warum am Donnerstagabend nur knapp 200 Zuschauer ins Konzerthaus kamen, um das Theater der Stadt Aalen zu erleben. Denn die hatten eben diese Komödie „Heisenberg“ im Programm.

Zwei überzeugende Akteure

Tatsächlich aber war es ein spritziger Komödienabend. Und für den Genuss brauchte es gar keine spezifischen Physik-Kenntnisse, den Genuss bereiteten vor allem die beiden Akteure: Bernd Tauber, bekannt aus „Lindenstraße“ und „Das Boot“, als schrulliger eigenbrötlerischer Metzger Alex, der 65 Jahre lang den Tag in exakt 50 Worten in seinem Tagebuch festhielt, dessen soziale Kontakte gen Null gehen; er agiert wunderbar zurückgenommen und bildet so gleichermaßen Widerpart und Fundament für seine Mitspielerin. Und die ist schlicht eine Wucht. Diana Wolf spielt die exzentrische, chaotische, gestenreiche, niemals ihre Wortwahl oder ihren Wortschwall überdenkende und die Wahrheit schon mal außer Acht lassende Georgie derart lebendig und überzeugend, dass die Zuschauer richtig hingerissen waren.

Das Stück des britischen Autors Simon Stephens will es, dass Georgie und Alex als vollkommen Fremde aufeinandertreffen; zwei Menschen, die unterschiedlicher in Alter, Temperament und Weltanschauung nicht sein könnten. Darauf beschränkt sich im Wesentlichen der Kern des Stückes. Freilich gibt es überraschende Wendungen, jede Menge – durchaus britischen – Humor und brillante Dialoge. Der Reiz liegt aber darin, dass hier zwei völlig andersartige Wesen aus zwei Welten aufeinanderprallen, so sehr, dass sie eigentlich aneinander abprallen müssten. Doch dem ist nicht so, im Gegenteil: Der Stille und die Schrille finden zueinander. Dieses Zusammenspiel hat Regisseur Tonio Kleinknecht geschickt inszeniert, das wandelbare Bühnenbild lässt über die Treffpunkte der beiden in Bahnhof, Bar und Bett auch Raum für den eigenen Kosmos der Persönlichkeiten. Allein die Umbaupausen geraten etwas lang, und die Musikuntermalung ist der Störfaktor und das Manko der Inszenierung – sie ist unerträglich laut und es ist nicht klar, was mit diesen modernen Beats gesagt werden soll. So ein junger Hüpfer ist Georgie, die nach ihrem erwachsenen Sohn sucht, ja auch nicht mehr. Auch der Schluss gerät in seiner Plötzlichkeit etwas unbefriedigend.

Unterm Strich jedoch hat sich das Publikum über die anderthalb Stunden bestens amüsiert und war fasziniert von dem Anpassungsprozess, der da so heiter über die Bühne ging und der bewies, dass zusammenwachsen kann, was nicht zusammengehört. Was das mit Heisenbergs Unschärferelation zu tun hat, wissen die Götter. Legte man diese Theorie, dass nämlich das Beobachtete allein durch die Existenz des Beobachters beeinflusst wird, wie eine Schablone über das Stück, könnte mit viel Wohlwollen der Schluss gezogen werden, die Existenz des Partners verändere den Menschen. Damit aber wiederum wäre die Unschärferelation nur äußerst unscharf skizziert, und sie ginge auch nicht schlüssig auf: In „Heisenberg“ ändert sich nur einer – der Eigenbrötler bricht auf und wagt Neues, die Schrille nicht.

Vielgespielter Gegenwartsautor

Sei's drum: Das Stück hat mit Physik nichts zu tun, noch nicht einmal mit der Chemie, von der so gern behauptet wird, sie müsse stimmen. Es ist eine Unterhaltung der Marke „Boy meets Girl“, die auch Tiefe zulässt, aber nicht fordert, und insofern hat Simon Stephens, der zu den meistgespielten Gegenwartsautoren gehört, die Komödienlandschaft um eine Originalität bereichert. Er hätte sie nur nicht „Heisenberg“ nennen sollen. Ein anderer Titel hätte sicher auch mehr Publikum angezogen.

Theaterring 2019

Am 6. Februar zeigt die Burghofbühne Dinslaken „Die Känguru-Chroniken“ in der Waldorfschule

Es folgen „Faust I“ am 12. März mit dem Landestheater Tübingen und „Der talentierte Mr. Ripley“ am 16. Mai.