Heidenheim / erwin bachmann Die vor der Zahlungsunfähigkeit stehende Tempex GmbH sieht sich zu einem tiefgehenden Personalschnitt gezwungen. Um den Fortbestand der Firma zu sichern, müssen 18 von 60 Beschäftigten gehen.

Ende Juni hatte der auf dem Gewerbepark in den Seewiesen ansässige Hersteller von Schutzausrüstungen einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Das Amtsgericht Aalen ordnete im Zuge des Ende August eröffneten Verfahrens – wie von der Schuldnerin beantragt – Eigenverwaltung an. Damit kann das überschuldete Unternehmen die Insolvenzmasse weiterhin selbst verwalten und über sie verfügen, unterliegt dabei aber der Aufsicht eines Sachwalters, zu dem das Insolvenzgericht Rechtsanwalt Prof. Dr. Martin Hörmann von der Ulmer Kanzlei Anchor Rechtsanwälte bestellt hat.

Jetzt haben die Insolvenzgläubiger bis zum 2. Oktober Gelegenheit, ihre Forderungen beim Sachwalter anzumelden, bevor dann am 26. Oktober die vom Insolvenzgericht im Rahmen des Eröffnungsbeschlusses einberufene Gläubigerversammlung zusammentreten wird. Dabei werden die direkt am Insolvenzverfahren Beteiligten über die wirtschaftliche Lage des Schuldners informiert. Ferner werden im Rahmen der Beschlussfassung Entscheidungen zum weiteren Verlauf des Verfahrens und der Zukunft des Unternehmens getroffen. Die im aktuellen Verfahren im Raum stehenden Forderungen der Hauptgläubiger – Banken und Lieferanten – belaufen sich nach Informationen unserer Zeitung auf zwei bis drei Millionen Euro.

Im Moment wird an einem Insolvenzplan gearbeitet, der dazu dient, Schwachstellen und das Sanierungspotenzial des Unternehmens auszuloten. Nach Einschätzung von Tempex-Geschäftsführer Walter Wiedenmann ist die Fortführungsprognose unter Berücksichtigung aktueller Geschäftspläne positiv. Wie der erst seit Mai an Unternehmensspitze stehende Manager gestern auf Anfrage einräumte, hat sich die Geschäftsentwicklung des auf einen guten Markennamen setzenden Schutzbekleidungs-Spezialisten seit dem Gang zum Insolvenzgericht nicht zum Besseren entwickelt, da sich Kunden zurückhaltend zeigen und auf Alternativen ausweichen. Alles in allem wird man sich Wiedenmanns Prognose zufolge noch ein paar Monate nach der Decke strecken müssen, ehe über Banken neues Geld beschafft werden kann.

Inzwischen steht fest, dass Belegschaft deutlich reduziert wird, um sich von Kosten zu entlasten und so auf den angepeilten Restrukturierungs-Kurs zu kommen. So folgt die Geschäftsführung den Empfehlungen von Unternehmensberatern und wird sich von 18 Mitarbeitern trennen, denen betriebsbedingt gekündigt wird – den ersten zum 30. September, den letzten zum 30. November. „Unrentable Bereich werden outgesourct,“ sagt Wiedenmann und benennt explizit die Musterfertigung, die komplett stillgelegt wird. Die eigentliche Produktion findet ohnehin in ausländischen Fremdfirmen statt.

2014 haben die 60 Mitarbeiter von Tempex einen Umsatz von 10,6 Millionen Euro erzielt. Mit dem reduzierten Personalstand geht man in etwa auf das Niveau der Jahre 2006/07 zurück, als der Umsatz mit etwas weniger als 40 Beschäftigten eine ähnliche Größenordnung erreicht hatte, aber noch ein Gewinn erzielt worden war. In den Folgejahren hatte die im Schweizer Rüschlikon sitzende Tempex Holding AG dann immer wieder Geld nachgeschossen.

Ab sofort muss die Firma die bis Ende August über das Insolvenzgeld der Arbeits-Agentur abgesicherten Löhne und Gehälter der Belegschaft selber verkraften. Wiedenmann zeigt sich auch hier zuversichtlich: „Nach Lage der Dinge wird's gehen.“