Nattheim / HZ Susanne Hansert stammt ursprünglich aus Nattheim. Doch schon 2012 zog sie aus, etwas Neues zu sehen und fand ihr Glück in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina.

Merry Christmas! Ich freue mich sehr, bereits zum zweiten Mal dazu beizutragen, durch die Weihnachtsausgabe der HZ Brücken in alle Welt zu bauen. Mittlerweile ist es schon fast sieben Jahre her, dass ich meine Zelte in Deutschland abbruch und nach Charlotte, North Carolina, zog. Natürlich hatte ich damals, 2012, so wie auch heute, die Gelegenheit gerne genutzt, meine Weihnachtsgrüße durch die HZ in die Heimat zu senden.

Aufgewachsen bin ich in Nattheim, meine Schulzeit habe ich in Heidenheim verbracht und selbst im Studium bin ich der Schwäbischen Alb treu geblieben. Doch dann trug es mich in die Ferne.

In den USA hatte es mir schon seit meiner Studienzeit gut gefallen und so denke ich heute noch gerne an meinen ersten längeren Aufenthalt im Jahr 2004 zurück. Diese positiven Eindrücke waren es auch, die mich damals die Chance ergreifen ließen, nach Abschluss meines BWL-Studiums an der Heidenheimer Berufsakademie für einen längeren, befristeten Zeitraum nach Florence, Kentucky, zu gehen. Und wie das Schicksal es so wollte, lernte ich in dieser Zeit meinen aus dem Kreis Offenburg stammenden Mann Patrick kennen.

Zunächst noch vier Jahre in Frankfurt

Nach meiner Rückkehr aus den USA verbrachte ich vier Jahre in Frankfurt, arbeitete im Marketing für “Thermo Fisher Scientific”, einen amerikanischen Konzern, der weltweit rund 70 000 Mitarbeiter beschäftigt. So war ich auch viel innerhalb Europas unterwegs. Es war eine tolle und spannende Zeit, aber da mein Mann damals schon in den USA lebte und das “Pendeln” zwischen zwei Kontinenten auf Dauer sehr ermüdend und kostspielig ist, konnte ich mich im Frühjahr 2012 beruflich innerhalb des Konzerns verändern und habe eine Stelle in den USA angenommen.

Beruflich war das für mich die richtige Entscheidung. Mit tollen Projekten und interessanten Aufgaben ausgestattet, gestalte ich heute als Teil des Brand-Management-Teams die Strategie des konzernweiten Live-Marketing - eine Tätigkeit die mich immer wieder an tolle Orte führt – auch wenn ich von denen meist nur Flughäfen und Messezentren erlebe. Manchmal bleibt aber auch ein bisschen Zeit, um die jeweilige Stadt zu entdecken.

Privat waren die letzten Jahre ereignisreich. Im November 2014 hatten wir in Ortenberg bei Offenburg geheiratet. Im September 2015 kam unser Sohn Thomas und im November 2017 unsere Tochter Elisabeth auf die Welt – sie sind echte “Charlotteans”.

Mutterschutz dauert nur drei Monate

Bei beiden Kindern hatte ich die Möglichkeit, den vollen Mutterschutz zu nutzen. Der ist in den USA gesetzlich auf drei Monate festgesetzt, wobei die Bezahlung in diesem Zeitraum eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers ist und von Unternehmen zu Unternehmen variiert. Deshalb ist es hier nicht unüblich, dass viele Frauen bereits nach sechs Wochen wieder arbeiten und die Kinder meist in einer “Daycare” betreut werden.

Kinderbetreuung ist in den USA eine kostspielige Angelegenheit. Egal ob Nanny, “Daycare” oder später dann die Pre-school: man bezahlt alles aus eigener Tasche. Es gibt keinerlei staatliche Unterstützung und so muss man monatlich für eine gute Kinderbetreuung mindestens 800 US-Dollar pro Kind rechnen.

Da ich von Zuhause aus arbeite, haben wir uns für eine Nanny entschieden. Für uns ist das eine gute Lösung, denn so bekommen die Kinder einen bunten Hintergrund: der badische Frohsinn meines Mannes und seiner Familie, den schwäbischen Fleiß von mir und meiner Familie, das Feuer Südamerikas von unserer Nanny aus Venezuela und die amerikanische Lockerheit durch den Umgang mit Freunden und Nachbarn.

Meine Kinder wachsen dreisprachig auf – und Thomas wechselt mit seinen drei Jahren ohne mit der Wimper zu zucken von Deutsch auf Spanisch zu Englisch und erkennt, mit wem er in welcher Sprache sprechen muss. Das ist toll und fasziniert mich immer wieder aufs Neue.

Uns gefällt es im Süden der USA, die Menschen sind freundlich und das Wetter ist die meiste Zeit im Jahr gut – mit milden und sonnigen Wintern und heißen und noch viel sonnigeren Sommern. Charlotte liegt etwa drei Stunden von der South- und North-Carolina-Küste entfernt – und in etwa zwei Stunden ist man inmitten der Blue-Ridge-Mountains.

Die Stadt trägt ihren Namen zu Ehren von Königin Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, die mit König Georg III von England verheiratet war. Der Landkreis, in dem Charlotte liegt, heißt Mecklenburg County und grenzt direkt an South Carolina.

Eine weltoffene und charmante Stadt

Charlotte ist eine weltoffene und charmante Stadt, die stetig im Wandel ist. So zählt Charlotte heute zu den am schnellsten wachsenden Städten der USA, gilt mit dem Hauptsitz der Bank of America und der BB&T-Bank neben New York und San Francisco als eine der wichtigsten Finanzmetropolen der USA und der Flughafen ist einer der meist frequentiertesten im Personentransport und kommerziellen Warenumschlag.

Es gibt eine große deutsche Gemeinschaft, da viele deutsche Firmen hier vor allem wegen der Automobilindustrie ansässig sind (bspw. Siemens und Scheffler, aber auch die Paul Hartmann AG hat im Einzugsgebiet von Charlotte eine Niederlassung, etwa 30 Minuten außerhalb der Stadt in Fort Mill, South Carolina).

Auch wenn wir im Herbst den Farbwechsel der Blue Ridge Mountains genießen, wir innerhalb von drei Flugstunden nach Florida, in die Karibik oder nach Mexiko reisen können, besuche ich die Ostalb sehr gerne. In den vergangenen Jahren konnten wir meist zwei Mal im Jahr zu Besuch kommen, aber bei meinen 22 freien Tagen (diese gelten für den Urlaub und den Krankheitsfall) muss man natürlich haushalten. Wir freuen uns immer sehr über Besuch aus der Heimat und natürlich über die Dinge, die dann mitgebracht werden.

Jetzt ist auch der Discounter Lidl da

Seit letzten Juni gibt es bei uns mehrere Lidl-Filialen, die unter den Deutschen wegen der Backabteilung mit dem deutschen Brot und den Berlinern beliebt ist. Einen Aldi haben wir auch und wenn dann die “Deutschen Wochen” sind, kaufen wir Doppelkekse und Erdnussflips im Dutzend. Und zum Glück haben beide Geschäfte in der Weihnachtszeit auch Lebkuchen und Glühwein. In Charlotte gibt es seit 2016 einen Weihnachtsmarkt, leider ohne die romantischen Holzbuden, aber dafür mit viel Lichterglanz.

Auch wenn unser Lebensmittelpunkt heute in den USA ist und wir viel Deutsches gefunden haben: die Weihnachtszeit und das Weihnachtsfest in der Heimat bleibt etwas ganz Besonderes. Leider ist es uns dieses Jahr nicht möglich für die Feiertage in Deutschland zu sein und ich vermisse besonders die leckeren selbstgebackenen “Bredle” meiner Mama und meiner Oma.

Unsere herzlichsten Weihnachtsgrüße schicken wir allen Leserinnen und Lesern der Heidenheimer Zeitung, meinen Eltern Gudrun und Walter Henle, meinen Geschwistern Julia und Michael Henle, meinen Großeltern Cordula und Walter Henle, meinen Onkels und Tanten, Cousinen und Cousins, allen Freunden und Bekannten. Ein wunderschönes und besinnliches Weihnachtsfest und alles Gute für ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2019. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder! Susanne Hansert

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