Heidenheim / Günter Trittner 25 Menschen starben allein im vergangenen Winter in den österreichischen Bergen beim Abgang von Lawinen. Eine Gruppe Heidenheimer Studenten des Wirtschaftsingenieurwesens hat ein Mittel an der Hand, Skigebiete sicherer zu machen. Sie haben ein Fluggerät entwickelt, das mittels Radar die Zusammensetzung der Schneeschichten ermittelt. Damit sind Lawinenprognosen möglich.

Beim selbst entwickelten und selbst gebauten Fluggerät handelt es sich um einen Hexacopter und das Radargerät, das Aufschluss über die Wahrscheinlichkeit eines Lawinenabgangs geben kann, ist ein Schneeschichtenstratograph. Safety-Copter nennen die Studenten ihre Entwicklung, die sie morgen, Dienstag, an der DHBW Heidenheim vorstellen wollen.

Wintersportler sind alle neun Mitwirkenden in der Gruppe. Und irgendwie, es war bei der Fahrt mit dem Auto nach Hause gewesen, war plötzlich bei dreien der Einfall da gewesen, die im Studiengang vorgeschriebene Aufgabe einer marktorientierten Produktentwicklung dazu zu nutzen, für mehr Sicherheit in den winterlichen Bergen zu sorgen. Mit einem fernsteuerbaren Flugobjekt hatten bereits andere Studenten an der DHBW in Heidenheim vor ihnen experimentiert, so dass auf Erfahrungen zurückgegriffen werden konnte.

Das Aufspüren von Lawinengefahr war nur ein Anliegen. Ihren Safety-Copter wollten die Studenten auch so konzipieren, dass er bei der Suche nach verletzten Wintersportlern eingesetzt werden kann. Ihren von sechs je 900 Watt starken Motoren in der Luft bewegten Hexacopter haben die Studenten entsprechend auf eine möglichst hohe Traglast hin entwickelt. 15 Kilo kann ihr 1,2 Meter durchmessendes Fluggerät bewegen. Drei davon gehen derweil allein auf das Konto des Radar, welche eine Spezialfirma für die Gesteinsschichtenanalyse im Bergbau konfiguriert hat. Die Heidenheimer Studenten hoffen aber auf eine Neuentwicklung aus den USA, die um gut zwei Kilo leichter ausfällt und auch deutlich preisgünstiger zu haben sein soll. „Die Flugzeit des Safety-Copters könnte sich durch das geringere Gewicht von zwölf auf annähernd 30 Minuten erhöhen“, sagen Projektleiter Tobias Kohlbrenner und Matthias Kuhn, der für das Marketing zuständig ist.

Wegen des hohen Preises des bisherigen Radars (20 000 bis 30 000 Euro) haben die Studenten bislang auf einen Testflug verzichtet. „Das Risiko einer Beschädigung war uns zu hoch.“ Aber die Analyse mittels Radar selbst ist erprobt und auch der Safety-Copter ist von den Studenten getestet und mehrfach optimiert worden.

Erweitert wird das Einsatzfähigkeit des Fluggeräts durch ein zusätzlich fixierbares Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS), welches Signale orten kann, die ein am Körper getragener Sender abgibt. „Wer sich in gefährliche Bereiche in den Bergen begibt, hat heute solch einen Sender dabei“, wissen die Studenten. Damit auch in der Dunkelheit geflogen und gesucht werden kann, kann der Safety-Copter noch mit LED-Scheinwerfern ausgestattet werden. Als weiteres Modul kann eine Kamera an Bord sein, die online Bilder sendet. Unwegsames Gelände kann so eingesehen werden. Dank GPS könnte der Safety-Copter sogar autonom nach einem vorgegebenen Programm Gebiete abfliegen.

Mit der Lebensrettung in den Bergen ist die Bergwacht befasst. Entsprechend haben die Studenten Kontakt mit Bergwachtmitgliedern aufgenommen, um ihre Entwicklung auf deren Bedarfe abstimmen zu können. „Da wurde besonders Wert auf eine hohe Traglast gelegt.“

Seit dem vierten Semester ist die Gruppe mit der Entwicklung des Safety-Copters befasst. Diese Zeit haben sie auch genutzt, um sich in österreichischen und schweizerischen Wintersportgebieten zu erkunden, ob solch ein Gerät zur Lawinenwarnung und zur Suche von Verletzten eine Marktchance hat.

Wenn sich das preislich günstigere Radarsystem als geeignet erweist, denken die Studenten, einen voll ausgestatteten Safety-Copter für rund 6000 Euro anbieten zu können.

Info Zum Team Safety-Copter gehören Tobias Kohlbrenner (Projektleitung/Technik), Steffen Schmid (stellvertretende Projektleitung/Technik), Matthias Kuhn (Marketing), Felix Gekeler (Technik), Jannik Munderich (Marketing), Markus Bader (Marketing/Dokumentation), Stefan Albrecht (Qualitätsmanagement), Markus Meyr (Recht/Patent) und Andreas Fackler (Buchhaltung/Controlling)