Heidenheim / Günter Trittner Die Heidenheimer und ihre Gäste verstehen sich aufs Feiern. Bei sommerlichen Temperaturen feierten am Freitag und Samstag Tausende zur Musik von 15 Bands auf drei Bühnen.

Man kennt das Heidenheimer Straßenfest auch so: niedrige Temperaturen, Regen. Vergangenes Jahr hatte dazu noch König Fußball den Bands und Händlern für Stunden die Schau gestohlen.

Bestes Straßenfest

Dieses Jahr war beim Treffen der Nationen in der Fußgängerzone und in der Hinteren Gasse alles anders. So sehr anders, dass Kulturamtsleiter Matthias Jochner vom besten Straßenfest in der jüngeren Geschichte spricht. „Das Wetter super, der Besuch war super und der Umsatz war super.“

Und die Musik ist nicht weniger gut angekommen, bei den Tausenden Gästen, die sich auch spät in der Nacht noch in der Partymeile drängten. Was Jochner auch freut: Abgesehen davon, dass hinterm Meeboldhaus Böller gezündet wurden, sei es zu keinen Störungen gekommen. Die Stadtverwaltung hat für Kontrollen zusätzlich einen Sicherheitsdienst engagiert.

Ein gereiftes Miteinander

Es war dieses Jahr die 39. Ausgabe des Internationalen Straßenfests, das in Heidenheim als Fest des ausländischen Mitbürgers seinen Anfang genommen hat. Heute würde man die Betonung auf ausländisch als eher befremdlich empfinden, weil das Miteinander der Nationen zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist.

Neues Gesicht des Festes

Über die Jahrzehnte hat sich auch das Gesicht des Festes verändert. Waren es  anfangs die Vereine der in Heidenheim vertretenen Nationalitäten, welche den Heidenheimern ihre Spezialitäten näherbringen wollten, so dominieren heute bei den 80 Ständen die Profis. Wer kulinarisch von Indien nach Brasilien wechseln wollte, musste beim Straßenfest nur einen Stand weiter gehen. Dort hatte man schon wieder Blick auf die ungarische und die kroatische Küche.

Wandel im Lauf der Zeit

Das Stadtfest ist auch kompakter geworden. Während bis Anfang der 90er-Jahre hinein auch die lauschigen Seitengässchen und der Wedelgraben in das Fest eingezogen worden waren, kulminiert die Stimmung heute im Bereich der Fußgängerzone mit drei Bühnen als Schwerpunkten für Musik und Vorführungen.

Daran sollte sich auch nichts ändern, meint Matthias Jochner, der den Zuspruch des Publikums als unschlagbares Argument für ein „Weiter so“ ins Felde führen kann.

Liebling beim Publikum

Unter den 15 Bands, die heuer in Heidenheim auftraten, könnte Wanted in der Freitagnacht die meisten Zuhörer gefunden haben, „Doch wer kann schon gleichzeitig an allen Bühnen sein und Vergleiche machen“, warnt  Jochner davor, eine Hitparade des Publikumserfolgs aufstellen zu wollen.

Wenn man partout ein Haar in der wohlschmeckenden Suppe finden wollte, dann war dies nach Jochners Ansicht der Samstagnachmittag. Bei über 30 Grad im Schatten fanden die gekonnten und aufwendigen Aufführungen der Folkloregruppen und Kulturvereinigungen auf dem Eugen-Jaekle-Platz nicht immer den Anklang, den sie verdient hätten.

Umsatz im Plus

An den 80 Verkaufs- und Essensständen sollte die finanzielle Rechnung dieses Jahr aufgegangen sein. Nach Jochners Wissen, hat ein Händler bereits am ersten Tag so viel Umsatz verzeichnet, wie sonst an beiden Tagen. Dass die Geschäfte gut gegangen waren, hat für Jochner auch dazu beigetragen, dass die Schlusszeit von 1 Uhr für Musik und Verkauf penibel von allen Beteiligten eingehalten wurde.

Am Sonntag alles sauber

Dank vieler Helfer in der Nacht, war am Sonntag gegen 10 Uhr vom Straßenfest in der Innenstadt nichts mehr zu sehen. Aber es wird in Erinnerung bleiben.

Am Anfang war der Ausländerbeirat

Im Jahr 1976 war Heidenheim unter den ersten Städten, die einen Ausländerbeirat eingeführt hatten. Ziel war, die in der Stadt lebenden Volksgruppen besser zu integrieren. Mitwirken konnten alle Nationen, aus denen mindesten 120 Einwohner in Heidenheim gemeldet waren.

Ermittelt wurden die Vertreter über Wahlen. Der Beirat hatte aber nur eine beratende Funktion. Vom Beirat war auch der Anstoß für das Straßenfest ausgegangen, seine Mitgliedsnationen bildeten das Rückgrat des Festes. Ab Ende der 90er-Jahre zeigten sich Abnutzungserscheinungen, auch weil es auf EU-Ebene Änderungen beim Wahlrecht gegeben hatte. 2005 wurde der Beirat vom Forum Integration abgelöst, das inzwischen auch aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit verschwunden ist. gt