Heidenheim / Michael Brendel Der Ausstand der HVG-Busfahrer führte am Dienstag zu einer deutlichen Zunahme des Auto-Verkehrs.

Es waren nicht nur gefühlt erheblich mehr Pkw unterwegs als gewohnt, die Zentrale Omnibushaltestelle an der Marienstraße hingegen zeigte sich fast menschenleer: Der ganztägige Warnstreik der Busfahrer, aufgrund dessen am Dienstag sämtliche Verbindungen der Heidenheimer Verkehrsgesellschaft (HVG) ausfielen, schlug sich unübersehbar im Straßenbild nieder.

Alle Busse blieben stehen

Vor allem zu den Stoßzeiten blieb ungewohnt viel Zeit auf der Strecke, womit in der öffentlichen Wahrnehmung das von Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Maria Winkler formulierte Ziel erreicht war, „den Druck auf die Straße“ zu bringen. Dem Aufruf der Gewerkschaft, um 7.30 Uhr mit einer Kundgebung vor dem HVG-Betriebshof den dem laufenden Tarifstreit zugrunde liegenden Forderungen zusätzliches Gewicht zu verleihen, folgten alle 48 Fahrer der Frühschicht. Während sie sich anschließend auf den Weg zu ihrem Streiklokal, dem Haus der Gewerkschaften an der Bergstraße machten, blieben sämtliche Busse stehen.

Überaus bewegt verlief laut Winkler hingegen die Diskussion unter den Streikenden: „Die Stimmung war zwar gut, die Anwesenden aber auch geladen, weil sie so lange hingehalten werden, bis ein Ergebnis erzielt wird.“ Besonders groß sei die Verärgerung darüber, dass die Beschäftigten vor zwei Jahren auf den übertariflichen Teil des Weihnachtsgelds verzichtet hätten, damit die HVG im Wettbewerb bestehen könne. Dieses fließe jetzt stattdessen in die Kasse des Landkreises.

Mit Blick auf die ausgefallenen Verbindungen sagte Winkler, die Arbeitgeber bräuchten den Druck der Fahrgäste, „damit es am Montag zu einem Abschuss am Verhandlungstisch kommt“. Unterdessen liefen in der HVG-Zentrale den ganzen Tag über die Telefone heiß. „Es haben sich sehr viele Anrufer bei uns gemeldet, die ihren Unmut kundtun wollten“, sagte Betriebsleiter Daniel Walther am späteren Nachmittag. Geöffnet war auch das Kundencenter an der ZOH, wohin sich ebenfalls zahlreiche Ratsuchende wandten. Sie wurden über die Hintergründe des Warnstreiks informiert und so weit als möglich auf Ersatzverbindungen mit anderen Busunternehmen verwiesen. Walther schätzt, dass rund 15 000 Fahrgäste von den Ausfällen betroffen waren.

Letztmals war bei der HVG 2014 im Zuge eines Arbeitskampfes gestreikt worden. Vor zwei Jahren blieb dieses Mittel ungenutzt, weil sich die Tarifparteien rasch zu einigen vermochten.