Heidenheim / Sandra Gallbronner Am Zanger Berg und im Mittelrain gibt es eine Reihe von Angeboten für die Bewohner, mit denen die Gemeinschaft gefördert werden soll.

Verantwortung übernehmen, den Mitmenschen unter die Arme greifen, aktiv mitgestalten – geht es nach der Stadt, sollen das möglichst viele Heidenheimer in ihrem Stadtteil machen. „Wir möchten Antriebsmotor auf dem Weg zu einer lebendigen Stadtteilarbeit sein“, sagte Brigitte Weber, die städtische Geschäftsbereichsleiterin für „Demografie, Gesellschaft und bürgerschaftliches Engagement“ im Kultur, Sozial-, Schul- und Sportausschuss des Gemeinderats (KUSSS). Deshalb werden die Stadtteiltreffs am Zanger Berg und im Mittelrain weiter ausgebaut. Das große Ziel: demografischen Herausforderungen entgegentreten. Dazu werde aktuell ein Konzept erarbeitet, so Weber: „Die Hauptsäule des Konzepts ist die Stadtteilarbeit“.

Stadtteiltreff wird gut angenommen

Am Zanger Berg läuft diese schon richtig gut, wie Stadtteilkoordinator Karsten Dambacher darlegte. Eine Reihe von Angeboten hat sich dort etabliert, immer wieder kommen neue hinzu. Ein Teil findet in den Räumlichkeiten des Stadtteiltreffs am Berliner Platz 11 statt. So etwa die offenen Treffs, zu denen im Schnitt 25 Besucher, hauptsächlich Senioren, erscheinen. „Wir vernetzen und bringen die Menschen zusammen. Dabei bilden sich informelle Hilfesysteme“, so Dambacher. Die Bürger gehen sich im Alltag gegenseitig zur Hand. An der Seniorengymnastik, die das DRK anbietet, bestehe ebenso reges Interesse. Der angrenzende Tauschladen ziehe währenddessen auch ein jüngeres Publikum an, resümiert der Stadtteilkoordinator.

„Bürger digital im Alltag“ nennt sich das neueste Vorhaben, das die Stadt zusammen mit der VHS auf die Beine stellt. „Es wird sehr gut angenommen“, so Dambacher. Neben einem integrativen Frauenkochkurs werden in Kooperation mit der Awo zudem Bildungsveranstaltungen speziell für Frauen mit Fluchthintergrund angeboten. Vergangenen Mai wurde ein Stadtteilfest organisiert.

Bereits in den Startlöchern steht das Projekt „Zanger Berg Gärtle“, bei dem die Bürger Grünflächen in ihrem Stadtteil gestalten können. Denn im Vordergrund stehen künftig Angebote, bei denen die Bürger aktiv mitwirken und Verantwortung übernehmen sollen, so Dambacher: „Es soll eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe sein. Damit möchten wir auch das Wir-Gefühl stärken.“

Am Mittelrain findet nach wie vor das gemeinsame Mittagessen der Senioren statt. Die Bastelgruppe erhält guten Zulauf. Jedoch fehlen hier eigene Räume. „Wir sind noch auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten“, sagt Dambacher. Schließlich seien diese der Dreh- und Angelpunkt der Stadtteilarbeit.

Sozialraumanalysen notwendig

„Laufen Planungen, die Stadtteilarbeit auch auf andere Stadtteile auszuweiten?“, fragte Grünen-Stadträtin Vera Wolf. „Das ist eine Kapazitätsfrage. Das kann man nicht flächendeckend machen“, antwortete Weber. Stattdessen gehen den Überlegungen Sozialraumanalysen voraus, die den Stadtteil genau in den Blick nehmen und ergeben sollen, ob eine Stadtteilarbeit dort überhaupt Sinn macht. In Oggenhausen habe eine solche Analyse schon stattgefunden. Das Ergebnis: Momentan besteht kein Bedarf. Untersuchungen zur Ost- und Innenstadt folgen, so Weber.

Stadtrat Thomas Potzner (Freie Wähler) sprach davon, dass sich auch andere Stadtteile einen Raum für Treffen wünschen. Ziel müsse es daher sein, dass die Unterstützung der bisherigen Stadtteiltreffs nach der dreijährigen Projektlaufzeit aufhöre. „Sie müssen selbstständig laufen, damit sich das Team auf andere Stadtteile konzentrieren kann“, so Potzner. Das sei das Ziel, erwiderte Weber. Jedoch hänge das von der Bereitschaft der Bewohner ab: „Die Menschen müssen das Gefühl bekommen: Ich kann, darf und muss mich beteiligen.“

Dass die Stadtteilarbeit wirklich zu einem Selbstläufer werden kann, bezweifelt die Geschäftsbereichsleiterin: „Die Vernetzung muss aktiv immer wieder hergestellt werden. Darin sehe ich unsere Aufgabe in den Stadtteilen.“ Wünschenswert wäre aber ein rollierendes System.

Vom Seniorenprojekt zur Stadtteilarbeit

2009 ist die städtische Koordinierungsstelle für bürgerschaftliches Engagement geschaffen worden. Gemeinsam mit der Dualen Hochschule rief diese sechs Jahre später das Projekt „Caring Community“ ins Leben. Der Grundgedanke: Heidenheimer bieten älteren Mitbürgern Dienstleistungen, die eine selbstständige Lebensführung unterstützen. In diesem Zuge wurden in drei Testgebieten – im Mittelrain, am Zanger Berg und in Großkuchen – passende Angebote aufgebaut. In Großkuchen wurde etwa ein Wochenmarkt mit Lieferservice geschaffen.

2019 ist aus der ehemaligen Koordinierungsstelle der Geschäftsbereich „Demografie, Gesellschaft und bürgerschaftliches Engagement“ entstanden. Eine wichtige Aufgabe dieser Stelle ist die Stadtteilarbeit. Diese richtet sich nicht mehr nur an Senioren, sondern an alle im Stadtteil lebenden Menschen. Bei dem dreijährigen Projekt, das vor einem Jahr startete, wird die Arbeit der bereits bestehenden Stadtteiltreffs fortgeführt und ausgebaut. Letztlich soll ein Modell erarbeitet werden. sga