Die Gründung des Vereins, der in diesem Monat sein zehnjähriges Bestehen feiert ohne es zu feiern, geht auf die Initiative der früheren SPD-Stadträtin Eva Oppermann zurück. Ihr war es ein Anliegen, der Generation der älteren Menschen in der Stadt ein Sprachrohr und eine Lobby zu verliehen.

Seitdem hat sich der Verein Stück für Stück zu dem entwickelt, was er heute ist: eine bei sehr vielen älteren Menschen aber auch in politischen Kreisen geschätzte Institution. „Der Anfang war nicht einfach“, erinnert sich Wilhelm Gebler, der den Vorsitz seit Gründung des Vereins innehat. Es fanden unzählige Vorstandssitzungen statt um den Verein aufs richtige Gleis zu bringen, die Vorstände nahmen an landesweiten Fortbildungen statt, doch irgendwann konnte mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden.

Und die besteht aus mehreren Säulen. So geht es primär darum, Senioren Hilfen im Alltag zu bieten. Dazu gehört etwa, dass es im Bürgerhaus Altes Eichamt, in dem der Stadtseniorenrat seinen Sitz hat, regelmäßig EDV-Kurse angeboten werden. „Wir zeigen den Menschen, wie sie sich im Internet zurecht finden können, wie sie über E-Mail kommunizieren können, aber wir zeigen auch die Gefahren auf, die sich dahinter verbergen“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende Rosemarie Hilka. Im Wesentlichen gehe es darum, dass die älteren Menschen nicht abgehängt werden, ergänzt Gebler.

Doch gibt der Stadtseniorenrat auch Tipps und Hilfestellungen für alle Lebenslagen. Der Vorstand sieht sich darüber hinaus als eine Art Vermittler zwischen den Menschen und den Behörden. „In die Sprechstunde kommen beispielsweise Senioren, die Probleme mit dem Winterdienst haben, oder die nicht in den Bus einsteigen können, weil der ein Stück zu weit weg vom Randstein hält. In all diesen Dingen versuchen wir zu vermitteln und zu helfen“, sagt der Vorsitzende Wilhelm Gebler. Aber darüber hinaus können die Besucher in den Sprechstunden auch einfach nur mal ihr Herz ausschütten und reden. „Viele ältere Menschen haben diese Möglichkeit nicht, und nutzen das dann in der Sprechstunde. Ich habe auch eine Art Mülleimerfunktion für Sorgen und Nöte, die ich aber gerne ausführe.“

Hin und wieder bringt sich die Institution auch politisch ein. Bei Fragen, die Senioren betreffen, wird der Stadtseniorenrat von der Verwaltung und vom Gemeinderat gehört, mitunter wird er auch selbst initiativ. In Zeiten, in denen sich der Oberbürgermeister die „generationengerechte Stadt“ auf die Fahnen geschrieben hat, umso mehr. Ohnehin sieht sich der Stadtseniorenrat in erster Linie als Sprachrohr der älteren Menschen, aber auch die Generationengerechtigkeit ist ihm wichtig. „Alte Menschen haben oft ähnliche Probleme wie Behinderte oder Eltern mit Kinderwagen“, sagt Gebler.

Aus diesem Grunde habe man auch bereits im Jahr 2011 die bis dahin „Seniorenfreundlicher Service“ genannte Zertifizierung von Heidenheimer Geschäften in „Generationen-kompetenter Service“ umbenannt. An dieser Zertifizierung, deren Logo patentiert ist, beteiligen sich inzwischen 65 Händler, Dienstleister und Handwerker in Heidenheim. „Wir haben diese Auszeichnung erfunden und sie wird sehr gut angenommen, weil wir Wert auf die Qualität legen“, sagt Gebler.

Dieses Zertifizierungssystem trägt auch nicht unwesentlich zur Finanzierung des Vereins bei, der zudem städtische Zuschüsse und Spenden erhält. Ohnehin ist der Vorstand froh, in der Stadtverwaltung einen sehr guten Partner zu haben, „unser Verhältnis ist ausgesprochen gut, wir erhalten viel Unterstützung“, sagt Rosemarie Hilka.

Rückblickend war das größte Ereignis der vergangenen zehn Jahre aus Sicht des Stadtseniorenrats sicherlich die Ausrichtung des Landesseniorentags in Heidenheim im Jahr 2014. Aber auch zahlreiche weitere Veranstaltungen hat die Institution organisiert. Darüber hinaus war sie für die Erstellung etlicher Broschüren verantwortlich, die älteren Menschen das Leben in der Stadt erleichtern sollen und organisierte einen Austausch mit der Partnerstadt Clichy.

Doch mit dem Blick nach hinten will sich der Stadtseniorenrat nicht begnügen. „Wir wollen auch weiter die Interessen der Senioren in der Stadt vertreten und für sie da sein wenn es nötig ist“, sagt Gebler. Das sei in Zeiten des demographischen Wandels sicherlich von ganz besonderem Interesse. Denn der Stadtseniorenrat sieht seine Aufgabe auch darin, die Beziehungen und den Dialog zwischen den Generationen zu fördern.

Info Die Sprechstunde des Stadtseniorenrats findet jeden Dienstag von 10 bis 12 Uhr im Raum 203 des Bürgerhauses in der Hinteren Gasse statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.