Heidenheim / Holger Scheerer Im Rahmen eine Aktionstages sahen sich die SPD-Politiker Andreas Stoch und Sabine Wölfle verschiedene Einrichtungen an und diskutierten über mögliche Wohnformen.

Im Rahmen eines gemeinsamen Aktionstages „Wohnen im Alter“ besuchten der SPD-Landtagsabgeordnete und Fraktionschef Andreas Stoch und seine Landtagskollegin Sabine Wölfle zusammen mit Vertretern des Kreisseniorenrates verschiedene Pflegeeinrichtungen im Landkreis. Höhepunkt des Aktionstages war ein öffentlicher Diskussionsabend im Gemeinschaftsraum des Hauses Ugental im „Dorf in der Stadt“.

Positiv überrascht zeigte sich Stoch vom regen Interesse, auf das die Veranstaltung stieß. Denn das Thema Wohnen und Pflege im Alter gehört für gewöhnlich nicht zu den Zugpferden der politischen Debatte, obwohl es jeden einzelnen früher oder später betrifft. Dass das Thema von vielen, insbesondere den jüngeren Menschen, erst einmal verdrängt und auf spätere Zeiten vertagt werde, ist ein Eindruck, den beide Politiker bei Gesprächen vor Ort immer wieder bestätigt fänden. Umso dringender sei es, so Stoch, das Thema verstärkt in die Öffentlichkeit zu tragen.

Anteil ist deutlich gestieen

Die Gesellschaft stehe vor einer dramatischen Herausforderung, erläuterte Stoch. Denn mit der Zunahme der Zahl älterer Menschen steige automatisch auch der Pflege- und Betreuungsbedarf. Die konkreten Zahlen hierzu lieferte Wölfle, die sozialpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, in ihrem Vortrag. Es sei davon auszugehen, dass man es im Jahr 2035 mit vier Millionen pflegebedürftigen Menschen zu tun habe, was einer Steigerung von rund einem Drittel entspräche. Im Landkreis Heidenheim sei der Anteil der Pflegebedürftigen in den Jahren 2001 bis 2015 um 70 Prozent gestiegen.

Nicht ohne Stolz wies Wölfle auf die Vorreiterrolle hin, die Baden-Württemberg mit der Gestaltung des Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetzes (WTPG) übernommen habe. Das alte Landesheimgesetz habe sich als unzulänglich für die neuen Bedingungen erwiesen. Mit dem WTPG sei die lange vorherrschende Alternative Pflege oder Häuslichkeit, Heim oder Daheim durchbrochen worden. So regle das Gesetz nun unter anderem die rechtlichen Bedingungen für das Entstehen neuer Wohn- und Versorgungsformen.

Eine davon ist das Modell der ambulant betreuten Wohngemeinschaft, wie man sie im Haus Ugental geradezu als Musterbeispiel verwirklicht findet. Nach den gesetzlichen Rahmenbedingungen darf eine Senioren-WG maximal zwölf Personen umfassen, wobei von einem Wohnraumbedarf von mindestens 25 Quadratmeter pro Person auszugehen ist. Eine Präsenzkraft muss rund um die Uhr ansprechbar sein.

In einer selbstverantworteten WG, so die Grundidee, regeln die Bewohner ihre Angelegenheiten eigenverantwortlich. Die Pflegeleistungen werden von ambulanten Diensten, teils in privater, teils in kirchlicher, bzw. gemeinnütziger Hand, vor Ort angeboten und je nach individuellem Bedarf abgerufen. Dadurch entfällt das starre Regime einer Heimleitung, wie es in stationären Pflegeeinrichtungen üblich ist.

Frage der Finanzierbarkeit

Völlig unzureichend, darüber waren sich die Diskutanten einig, ist bislang die Frage nach der Finanzierbarkeit behandelt worden. Denn die besten Betreuungsangebote nützen am Ende freilich nichts, wenn sie für die Betroffenen gar nicht bezahlbar sind. Für Stoch ist jedenfalls eines vollkommen klar, nämlich dass das Thema Pflege nicht dem Profitdenken des freien Marktes unterworfen werden dürfe, da es prinzipiell nicht in die Wirtschaft gehöre, sondern in die Daseinsvorsorge des Staates.

Für den Heidenheimer Abgeordnete Andreas Stoch liegt es deshalb auf der Hand, dass der finanzielle Mehrbedarf für die Pflege von der Allgemeinheit zu tragen, also über Steuern zu finanzieren sei. Ebenso konsequent lehnt er eine immer weitere Abwälzung der Kosten auf die Betroffenen ab. „Das Thema Pflege darf nicht dem Gewinnstreben ausgeliefert werden“, darin sieht Stoch eine Kernverpflichtung der Politik.