Blick ins Archiv / Arthur Penk Die Ausbreitung des Coronavirus weckt Erinnerungen an die „Spanische Grippe“ vor 100 Jahren. Ein Blick ins Archiv der HZ zeigt verblüffende Ähnlichkeiten mit, aber auch krasse Gegensätze zu heute auf.

Zu Anfang der Pandemie zwischen Juni und September 1918 zeigen sich in der Berichterstattung durchaus Parallelen zur heutigen Zeit.

Neben Absagen von Massenveranstaltungen wie Gottesdiensten, Grenzschließungen, überfüllten Krankenhäusern und Notlazaretten sowie Vergleichen der Erkrankung mit der Gefährlichkeit von Cholera oder Ruhr wird von offizieller Seite jedoch stets beschwichtigt: Die Krankheit sei „gutartig“ und verlaufe harmlos.

Bei der Preußischen Medizinalverwaltung hoffte man am 9. Juli 1918, „der Krankheit Herr zu werden, wenn die Sonne stärker hervortritt und die Trockenheit zunimmt“.

Es kamen freilich auch fragwürdige Experten zu Wort, die mit Ernährungsempfehlungen, wie dem „Verzehr von roten Rüben“, Genesung über Nacht versprachen.

Aber auch Mediziner, die dringend davon abrieten, Alkohol in rauen Mengen zu konsumieren.

Stattdessen wurde „schlichtes und einfaches Leben und Essen, sich nicht zu sehr ermüden, Bewegung im Freien, tägliche Waschungen mit lauem Wasser; überhaupt ein möglichst hygienisches Leben“ empfohlen.

Plötzlich gibt es keine Berichte mehr

Als historisch erwiesen gilt inzwischen, dass die Zeitungen in Deutschland bereits nach der zweiten Welle der „Spanischen Grippe“ im Herbst 1918 streng zensiert wurden und die Berichterstattung sich allenfalls um die Kriegsgegner Deutschlands drehte und mit Vorliebe die Opfer der Epidemie im Ausland beleuchtete.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs im November 1918 finden sich auch im Archiv der Heidenheimer Zeitung plötzlich keine Meldungen mehr über die „Spanische Grippe“, obwohl sie nun richtig Fahrt aufnahm und weltweit zwischen 25 und 50 Millionen Menschenleben forderte.

In unserer Bildergalerie finden sich 25 Original-Artikel aus der Zeit des Ausbruchs der Pandemie im Jahr 1918:

Bildergalerie „Spanische Grippe“ in den Schlagzeilen des Jahres 1918

Mehr über die „Spanische Grippe“ auf wikipedia.de

Die Spanische Grippe war eine Influenza-Pandemie, die durch einen ungewöhnlich virulenten Abkömmling des Influenzavirus (Subtyp A/H1N1) verursacht wurde und zwischen 1918 und 1920 mindestens 25 Millionen, nach einer Bilanz der Fachzeitschrift Bulletin of the History of Medicine vom Frühjahr 2002 sogar knapp 50 Millionen Todesopfer forderte.

Die Auswirkung der Pandemie ist damit in absoluten Zahlen mit dem Ausbruch der Pest von 1348 vergleichbar, der damals mehr als ein Drittel der europäischen Bevölkerung zum Opfer fiel. Eine Besonderheit der Spanischen Grippe war, dass ihr vor allem 20- bis 40-jährige Menschen erlagen, während Influenzaviren sonst besonders Kleinkinder und alte Menschen gefährden. Ungeachtet des irreführenden Namens, der auf zeitgenössische Zeitungsmeldungen zurückgeht, gehen die meisten Wissenschaftler heute davon aus, dass die Pandemie ihren Ursprung in den USA hatte. Mehr auf Wikipedia.de