Heidenheim / Die Maschinenbaufirma Lohse beschreitet neue Wege bei der Trinkwassergewinnung aus Luftfeuchtigkeit: ermöglicht wird dies durch ein neuartiges Sorptionsverfahren.

Gemeinsam mit Entwicklungspartnern aus der Industrie und dem Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik in Stuttgart, ist die Maschinenbaufirma Lohse an der Entwicklung einer energieautarken, mobilen Anlage zur dezentralen Wassergewinnung aus Luft beteiligt. Die von dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden Württemberg sowie der Europäischen Union geförderte Technologieentwicklung wird von Lohse und dem Fraunhofer-Institut der Öffentlichkeit erstmals auf der Weltleitmesse für die Wasserwirtschaft IFAT im Mai in München vorgestellt.

Die Sicherung der Trinkwasserversorgung für eine wachsende Weltbevölkerung wird als eine der wichtigsten Aufgaben heutiger und zukünftiger Generationen gesehen. In vielen Gegenden der Welt besteht bereits heute keine Versorgungssicherheit für Trinkwasser mehr. Vor allem wo es kein nutzbares Oberflächen- oder Grundwasser gibt, kann das in der Umgebungsluft als Luftfeuchtigkeit gebundene Wasser grundsätzlich als nahezu unerschöpfliche Wasserquelle dienen. Der heutige Stand der Technik liefert allerdings bisher nur wenige am Markt verfügbare Systeme.

In gemeinsamer Zusammenarbeit mit den Projektpartnern Maschinenbau Lohse GmbH, Michelberger Energietechnik GmbH, Melotec Kunststoffverarbeitungs GmbH und dem Fraunhofer-Institut entstand der Ansatz eines neu entwickelten Verfahrens der Wassergewinnung aus Luftfeuchte durch ein kombiniertes Absorptions- und Desorptionsverfahren. Dazu wird eine Absorption von Luftfeuchte an einer hochkonzentrierten Salzlösung, mit der Desorption durch eine Vakuumverdampfertechnik kombiniert. Ziel eines vom Land Baden-Württemberg und der EU geförderten Vorhabens war es, die Machbarkeit einer energieautarken, mobilen Anlage zur dezentralen Wassergewinnung aus Luft zu demonstrieren.

Mit der Demonstrationsanlage konnte die Technologie zur Wassergewinnung aus Luftfeuchtigkeit in einem anwendungsnahen Maßstab und in einer den Industrieanforderungen entsprechenden Qualität auf dem Gelände der Firma Lohse umgesetzt werden Die Anlage besteht aus drei Containern, die neben den Absorptions- und Desorptionsmodulen alle nötigen Hilfsaggregate, einen Solespeicher sowie einen Energiespeicher beinhalten.

In einer mehrwöchigen Testphase konnte gezeigt werden, dass sich auch unter Realbedingungen Wasser aus Luftfeuchtigkeit gewinnen lässt. Dabei war es möglich, selbst bei teilweise sehr ungünstigen Umgebungsbedingungen im Hinblick auf Feuchtegehalt und Temperatur, Wasser aus der Luft aufzunehmen und vom Sorptionsmittel (der Salzlösung) als nutzbares Trinkwasser abzutrennen. Das Verfahren stellt somit eine Alternative zu den bekannten Anlagen mit Kältekondensation dar. Ein Vorteil der neuen Technologie ist die Verwendung thermischer Energie als primäre Energiequelle für den energieintensivsten Teilprozess der Desorption, die aus Abwärme oder durch Solarthermie gewonnen werden kann. Das Gesamtkonzept ist durch die Nutzung von regenerativen Energien nachhaltig und CO2-neutral. Auch werden keine Abfallstoffe produziert und alle Arbeitsmittel im Kreislauf geführt.

Die erfolgreich umgesetzte Demonstrationsanlage soll zukünftig an verschiedenen Standorten erprobt und die Technologie optimiert werden. Es ist geplant, die Technologie gemeinsam mit Partnern in weiteren Pilotanlagen umzusetzen und zur Marktreife zu entwickeln.

Das Verfahren der Wassergewinnung aus Luftfeuchtigkeit könnte in vielen Gebieten einen Beitrag zur Trinkwasserversorgung leisten, insbesondere im mittleren Osten, Teilen Südostasiens, der erweiterten Mittelmeerregion und Afrika, wo eine sichere Trinkwasserversorgung für die dort lebende Bevölkerung existenziell wichtig ist. Auch eine Übertragung der Technologie auf Anwendungen in Ballungsgebieten, beispielsweise zur dezentralen Trinkwassergewinnung in Megacities, ist denkbar.