Die Corona-Welt ist düster geworden. Das Virus zieht unsere Gedanken und Gefühle an wie ein schwarzes Loch. Wir alle wissen es, egal welches Gespräch wir in der Familie, im Freundeskreis und im nötigen Abstand mit Bekannten beginnen, wir landen binnen Minuten bei Corona. Über Corona haben wird sogar eine deutsche Urangst vergessen: den Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit.

Zweimal im Jahr ein großes Klagen

Welch ein Klagen war das in diesem Land zweimal im Jahr! Die Uhr muss umgestellt werden. Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Eintrübungen des Geistes und der Sinne, Schwindel, Orientierungslosigkeit und natürlich und vor allem Schlaflosigkeit. Was wurde nicht alles angeführt, um diese schicksalsschweren Momente so richtig schaurig zu orchestrieren. Nun gibt es natürlich Menschen, deren innere Uhr so sehr mit dem Stand der Sonne verbunden ist, dass sie ein Drehen am Uhrzeiger tatsächlich als Eingriff in ihr Wohlergehen spüren. Aber seien wir fair: Für die allermeisten war in den vergangenen Jahren die Zeitumstellung mehr ein verbaler „Aufreger“ als ein echtes Leiden.

Fahrplan in Brüssel steht, aber die Politik kommt nicht nach

Am vergangenen Montag hat nun niemand mehr lamentiert, als aus der Sommerzeit die Winterzeit geworden war. Auch die TV-Nachrichten beließen es bei dem Ausblick, dass innerhalb der EU eine Einigung in Sachen Zeitumstellung so schnell nicht zu erwarten sei. Tatsächlich gibt es in Brüssel aber einen Fahrplan. Das EU-Parlament hat bereits im März 2019 mit 410 zu 192 Stimmen sich für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen. Zustimmen aber müssen für die Gesetzgebung noch die Mitgliedsstaaten. Geplant ist die Entscheidung, welche Zeit nun gelten soll, bereits für März 2021. Vorbereitet wird sie derzeit von den Verkehrsministern. Bisher liegt aber noch kein Gesetzentwurf vor. Denn befürchtet wird ein Wirwarrr von Zeitzonen, da jedes Land für sich entscheidet, ob es die Sommer- oder die Winterzeit gelten lässt. So könnte es passieren, dass zwischen Lindau und Bregenz oder Konstanz und Kreuzlingen die Uhr umgestellt werden muss. Was wäre das für ein Aufreger für alle Berufspendler!

Sommerzeit erstmals im Jahr 1916

Die Zeitumstellung ist eigentlich eine alte Bekannte. Erstmals wurde die Sommerzeit in Deutschland im Jahr 1916 angeordnet. Einen Neustart gab es für beide Deutschlands im Jahr 1980. 1996 wurde die Zeitumstellung in der Europäischen Union vereinheitlicht. Doch bei der im Jahr 2018 EU-weit abgehaltenen Befragung zur Zeitumstellung plädierten über 80 Prozent der 4,6 Millionen Teilnehmer für deren Abschaffung. Bei 771 Millionen Einwohnern in der EU kann man aber erhebliche Zweifel an der Aussagekraft dieses Votums haben. Zudem kamen zwei Drittel der Stimmen aus Deutschland. Die deutsche Urangst eben.

Deutsche wechseln im Urlaub Zeitzonen ohne Probleme

Doch gelten gerade diese Deutschen auch als Reiseweltmeister. Sie überqueren problemlos alle Zeitzonen dieser Welt ohne ein Wort der Klage, wenn es nur in den Urlaub geht. Wenn das Wort Jetlag fällt, dann nur, um vor den zu Hause Gebliebenen herauszustreichen, wie weit man in der Welt herumgekommen ist. Sei’s drum.

Aber vielleicht hat Corona auch diese Diskussion ganz tief in den Orkus gezogen. Vergessen ist aller Disput und es bleibt so praktisch wie es ist: morgens früher hell dank der Winterzeit, abends länger hell dank der Sommerzeit.