Schulanfang. Da rattert es sofort im Kopf. Klassentrennung, Abstandsregeln, zu wenige Laptops, Medienentwicklungsplan, Elterntaxi, Plexiglas-Scheiben, Maske ja oder nein, Risikogruppe, Fernunterricht, Cloud-Lösung – und wann haben wir den ersten Corona-Fall? Nicht das Virus, aber der Gedanke daran sitzt fest in jedem Kopf. Bei Schülern, Eltern und Lehrern.

Es gibt Bedenken, aber ist gibt auch das Recht auf Bildung. Dieses ist ein Menschenrecht gemäß Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen. Diese datiert auf den 10. Dezember 1948. Die Bundesrepublik Deutschland wurde erst gut fünf Monate später am 23. Mai 1949 gegründet.

Wenn Politiker Debatten scheuen oder sie beenden wollen, hört man häufig und schnell das Wort alternativlos. Alternativen zu einem Start in einen regulären Schulbetrieb, wie er jetzt in Baden-Württemberg unter den Pandemie-Bedingungen ansteht, gibt es sicher. Aber, diese technischen Behelfe sind schlechter.

Menschliche Nähe ist durch keine Bild- und Tonübertragung ersetzbar. Und nichts in der Pädagogik ist wichtiger als die Persönlichkeit des Lehrers. Blicke, Mienen, die Stimme, die Körpersprache. Käme irgendjemand auf die Idee, eine Fußballmannschaft ließe sich via Bildschirm trainieren? Aber Schüler sollen mittels Videos die Welt verstehen lernen? Es gibt Erklär-Videos. Wie man etwa ein Loch in der Socke flickt. Aber damit reißt der Faden. Pädagogik heißt auch, Kräfte in den Schülern zu wecken, ihnen Vertrauen geben, ihnen Mut machen. Dazu braucht es einen Menschen und kein flimmerndes Videobild. Das Recht auf Bildung impliziert das Recht auf einen leibhaftigen Lehrer.

Das mangelnde Vertrauen darin, dass Schule wieder klappen kann, hat oft seine Ursache darin, dass  ausschließlich Bedenken und Einwände zusammengetragen werden, dass man sich potenzielle Gefahren vor Augen hält, man sie aber nicht abwägt. Dies alles entspringt einer pessimistischen Grundhaltung.

Nun ist Baden-Württemberg nicht das erste Bundesland, das nach den Sommerferien die Schulen öffnet. Dank der föderalen Verfassung der BRD haben die Bundesländer unterschiedliche Verfahren bereits erproben können. Das ist kein Chaos, sondern ein guter Weg, um für alle Länder am Ende einen guten Weg zu finden.

Die ganze Geschichte der Eindämmung des bis dato unbekannten Coronavirus ist eine Folge von Versuchen, deren Scheitern und deren Gelingen. Baden-Württemberg startet den Schulunterricht nicht von einem Null-Punkt aus. Und aus keinem Bundesland gibt es bisher Berichte von einer Bruchlandung.

Es gibt auch eine optimistische Grundhaltung. Sie würde uns allen besser zu Gesicht stehen. Nur sie bringt ein Lächeln zustande. Dieser Tage hat eine Schulleiterin aus Bolheim deutlich gemacht, dass sie und ihr kleines Kollegium sich auf den Schulbeginn freuen. Sie seien voller Zuversicht.

Zuversicht ist ein wirksamer Impfstoff gegen die Angst vor dem Virus.

Heidenheim