Es sind wirklich schlechte Nachrichten für die Heidenheimer. Innerhalb weniger Monate haben vier Banken angekündigt, Niederlassungen in der Innenstadt schließen zu wollen. Zuletzt kündigte die Commerzbank in dieser Woche diesen Schritt an. Weil zudem noch unklar ist, wie es mit dem Mietvertrag für die Postbank-Filiale am Bahnhof weitergehen wird, könnten in einigen Jahren nur noch die Kreissparkasse und die Volksbank Heidenheim in diesem Gebiet übrigbleiben.

Wer als Kunde der Privatbanken dann noch persönlich beraten werden möchte, muss sich auf den langen Weg nach Aalen machen. Das sind nicht gerade berauschende Aussichten. Persönlichen Service buchstabiert man anders. Der Schaden für die Marke und das Image sind immens und auch das Vertrauen der Kunden leidet. Nicht wenige wenden ihrer Hausbank den Rücken zu, wenn deren Filiale schließt.

Heidenheim

Diese Erfahrung musste die Hypovereinsbank machen, die sich bereits 2014 aus der Heidenheimer Innenstadt zurückzog. Zwar investierte das Kreditinstitut in neue digitalisierte Dienste, wie die Baufinanzierung per Videoberatung, trotzdem kündigten damals etliche Kunden verärgert ihre Kontoverbindung bei der Bank. Für die meisten Deutschen bleibt die Filiale eine wichtige Anlaufstelle. Nach einer Studie von DB Research suchen rund 70 Prozent der Bundesbürger mindestens einmal im Monat eine Bank-Niederlassung auf – und sei es nur, um am Automaten Geld abzuheben. Fast ein Drittel führt mindestens einmal im Jahr ein persönliches Gespräch in der Filiale.

Banken unter Druck

Dennoch kommen die Sparmaßnahmen nicht überraschend. Die zeitweilige Schließung von Niederlassungen während der Pandemie war ein Testfall, der überraschend gut funktioniert hat. Nur wenige Kunden beschwerten sich über die fehlende persönliche Beratung. Gleichzeitig leiden viele Banken unter den Niedrig- und Negativzinsen, die ihre Gewinnspanne im Kredit- und Anlagegeschäft drücken.

Zahl der Bankfilialen wird weiter sinken

Aus diesem Grund wundert es nicht, dass seit 2005 die Zahl der Bankfilialen in Deutschland von 44.000 auf rund 28.000 im vergangenen Jahr gesunken ist. Bis 2030 wird sich dieser Trend weiter beschleunigen. Dann soll es nur noch rund 16.000 Niederlassungen von Kreditinstituten geben. Diese Entwicklung wird auch Auswirkungen auf den Landkreis Heidenheim haben.

Mit großer Wahrscheinlichkeit müssen auch die Banken langfristig neue Wege gehen, um zukünftig für ihre Kundschaft attraktiv zu sein. Im Taunus betreiben beispielsweise Volksbank und Sparkasse gemeinsame Filialen. Das spart nicht nur Kosten, sondern bindet auch weiterhin Kunden. Zudem leisten sie damit einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag, um den ländlichen Raum weiterhin attraktiv zu halten. Denn ihre Zweigstellen sind ein wichtiges Element im öffentlichen Leben. Besser ein gemeinsames Angebot als gar keines dürfte dabei das Motto vieler Kunden sein.