Hannemann, geh du voran, du hast die größten Stiefel an.“ Diese Aufforderung findet sich im Schwank von den Sieben Schwaben. Gemeint ist, einer muss den Ersten machen, denn den anderen ist noch etwas bang. Dass das von den Schwaben befürchtete Ungeheuer sich zum guten Ende als Hase entpuppt, gehört zum Charakter des Schwanks. Die Bolheimer behaupten übrigens Schauplatz dieser Begegnung von Mensch und Tier gewesen zu sein.

Die von den Brüdern Grimm überlieferte Erzählung der Sieben Schwaben spielt in vergangenen Zeiten. Aber auch heute ist es noch so, dass es einer mutigen Person bedarf, die sich auf ein Wagnis einlässt, damit die anderen mitziehen können.

Egal ob die Schwaben-Geschichte hier ihren Ort hat, im Landkreis fehlt es nicht an solch mutigen Pionieren. Sei es Lina Haehnle, die sich 1899 an die Spitze des Bundes für Vogelschutz stellte, sei es Maria von Linden, die 1985 als erste Frau in Deutschland ihren Doktortitel in den Naturwissenschaften machte, sei es Margarete Steiff, die 1877 ein Unternehmen in Zeiten gründete, in denen Frauenrechte Männern ein absolutes Fremdwort waren.

Auch Friedrich Voith hat viel gewagt, als er das Unternehmen des Schlossers Voith auf den Weltmarkt hievte. Im Land der Tüftler gilt die Ingenieurleistung immer besonders viel. Aber Pionierleistungen gibt es beileibe nicht nur in der Technik. So hält die Familie Voith bis heute ihre schützende Hand über den Talhof in Heidenheim, einen Pionierbetrieb in Sachen Biolandwirtschaft nach der Gedankenwelt des Anthroposophen Rudolf Steiner. Seit 1929 wird er bewirtschaftet.

Rund 30 Jahre ist es her, dass die Biolandwirtschaft im Landkreis einen zweiten Anlauf nahm. Es war ein kleiner Kreis von Erzeugern und Verbrauchern, die sich zusammenschlossen, um eine Alternative zur konventionellen Landwirtschaft zu etablieren. Es wurde Lehrgeld gezahlt. Wenn heute der Landkreis den Titel Bio-Musterregion trägt, dann dürfen das diese Pioniere auch als eine späte Anerkennung ansehen. Nach Alternativen suchte man in diesen Tagen auch in der Mobilität. Der Landkreis war führend im Einsatz von Elektrofahrzeugen. Mutige Fahrer klemmten sich in Mikro-Fahrzeuge, in denen ein am Innenspiegel baumelnder Christophorus die einzige Sicherheitsvorkehrung war. Auch hier wurde Lehrgeld gezahlt. Aber wie man heute sieht, man war der Zeit voraus. Man hatte im Landkreis die größten Stiefel an.

Den Einsatz von E-Lkw für den Güterverkehr, wie ihn derzeit die Spedition Schwarz in Herbrechtingen forciert, setzt keinen persönlichen Wagemut mehr voraus. Aber wiederum die Bereitschaft, ein unternehmerisches Risiko einzugehen – und Lehrgeld zu zahlen.

Wenn auch diese Geschichte zu einem guten Ende kommt, hat ein Unternehmen aus dem Landkreis dazu beigetragen, den Dieselruß, der dieser Branche anhaftet, abzustreifen und den Beweis zu erbringen, dass auch Logistik auf der Straße eine saubere Sache sein kann.

Die Region hat sich einige Jahre lang als die der Patente und Talente gefeiert. Das ist ein bisschen eingeschlafen. Vielleicht wäre eine Region der Pioniere ein guter Nachfolger: Wir trauen uns was!