Fröhliche Ostern. Das wünscht man in diesen Tagen den Freunden, Bekannten und Verwandten, denen man so begegnet. Frohe, unbeschwerte Tage eben, frei von Sorgen und gefüllt sogar von etwas Ausgelassenheit. Doch in Tagen wie diesen ist ja schon infrage gestellt, ob man überhaupt jemand treffen kann, um ihm nur ruhige Ostern zu wünschen.

Dass das Virus unser Leben aus der Bahn geworfen hat, ist keine Neuigkeit mehr. Doch je länger sich die Pandemie hinzieht, desto schmerzlicher werden für viele ihre wirtschaftlichen Folgen und desto kräftiger schnürt sie unsere Seele ab.

Vor einem Jahr war vor allem viel Unsicherheit. Wir haben alle noch die Bilder von den leer gefegten Straßen vor uns. Selbst zur Mittagszeit hätte man mit verbundenen Augen in Heidenheim die Wilhelmstraße überqueren können. Es kam einfach kein Auto. Das Virus war eine unbekannte Größe. Und man ging auf Distanz.

Das Virus ist alltäglich geworden

Das ist heute anders. Das Virus ist Routine geworden. Der Verkehr läuft wieder wie gewohnt, sogar wenn die Geschäfte geschlossen halten müssen. Die Menschen zieht es nach draußen und alles, was den Namen Sehenswürdigkeit trägt, wird in diesen Tagen viele Besucher haben.

Noch besser aber läuft das Geschäft mit den Corona-Nachrichten. Vor allem mit den schlechten. Wohl weil alle Hoffnungen auf ein rasches Ende der Pandemie zerplatzt sind, wird nun jeden Tag ausgebreitet, was alles schief läuft. Statt Utopie Dystopie.

Das Schlechte wird herausgekehrt

Selbst die Freude über die Tatsache, dass in unvorstellbarer kurzer Zeit Impfstoffe gegen das Virus gefunden wurden, währte nicht lange. Sie ging unter in einem Mahlstrom von sich überbietenden negativen Meldungen über zu geringe Mengen an Impfdosen, deren ungleiche Verteilung, eine fragliche Wirksamkeit der Vakzine, den Mangel an Impfzentren und die Unmöglichkeit, einen Impftermin über Telefon zu buchen. Als ob nicht die Weltgemeinschaft nicht zum allerersten Mal vor der Aufgabe stehen würde, sieben Milliarden Menschen binnen kurzer Zeit zu immunisieren.

Wie arg alles noch werden kann

Und wenn es mal in Deutschland nicht Tag für Tag schlimmer kommt, der Druck nicht steigt, der Inzidenzwert nicht überboten wird und alle Kräfte ausgereizt sind, dann findet sich für die Nachrichtenmacher ein anderes Land, das als Beispiel dient, wie arg alles noch werden kann.

Das alles ist als Warnung gemeint. Es steckt ein ein pädagogischer Gedanke dahinter wie in jedem Gemälde, das nicht das Paradies, sondern die Hölle zeigt. Aber man weiß doch auch, wie sehr man abstumpft, wenn jeden Tag das Unheil heraufbeschworen wird. Schon in den Antike war es zum Schicksal der Seherin Kassandra geworden, dass man ihre täglichen Warnungen nicht mehr hören wollte.

Vielstimmiges Klagen

Dabei war Kassandra nur eine Stimme. Heute bilden schon die vor Kamera und Mikrophon gezogenen Virologen einen mächtigen Chor, der nochmals übertönt wird von den Stimmen der Politiker. Es fühlt sich an wie ein Trommelfeuer.

Die schlechte Nachricht sticht. Wenn es um die Aufmerksamkeit des Publikums geht. Aber sie sticht uns ins Herz. „Ich kann es nicht mehr hören.“ Sie kennen diesen Satz? Das ist noch eine Gegenreaktion des sich Wegduckens. Andere sind schon paralysiert von den täglichen Schreckensbildern aus Krankenhäusern. Andere bocken auf wie es Kinder gegen Vater und Mutter tun und werden nicht nur verbal radikal.

Der Mensch braucht Hoffnung. Es gibt doch mehr im Leben als die Präsenz dieses Virus. Für die Christen ist Ostern das Fest der Auferstehung. Es beginnt ein neues Leben. Das ist auch die Botschaft des Frühlings. Wir sollten dieser trauen. In diesem Sinn: Frohe Ostern. Die Aha-Regeln halten wir selbstverständlich ein.