Hand aufs Herz: Haben Sie heute schon an das Coronavirus gedacht? Bestimmt, sonst würden Sie diesen Text vermutlich nicht lesen. Seit diesem Mittwoch hat nun auch der Kreis Heidenheim einen Patienten Null. Doch beim Blick in unsere Supermärkte wird schnell klar, dass die Krankheit eigentlich schon seit Wochen in vielen Köpfen angekommen ist.

Leere Regale zeigen, dass das Hamstern wieder in Mode gekommen ist. Beim letzten Einkauf musste ich mit ziemlichen Selbstzweifeln kämpfen, als der Mann vor mir an der Kasse sage und schreibe zehn Dosen Ravioli in seine Einkaufsbeutel stopfte. Dann rettete mich aber die Erkenntnis, dass meine Kinder so etwas vermutlich auch in Quarantäne nicht essen würden.

Dabei können wir Menschen beim Bevorraten noch eine ganze Menge von den Tieren lernen. Laut Wikipedia hat es ein rattenartiger Zwerghamster auf einen Sensationsrekord gebracht, indem er sagenumwobene 42 Sojabohnen in seinen Backentaschen einlagerte. Übertragen auf den gerade beschriebenen Supermarkteinkauf, entspricht das ungefähr der Menge von 42 Ravioli-Dosen, die man mit einem Mal nach Hause schleppen müsste, falls es so viele überhaupt im Markt gibt. Dem Hamster kann also nur größter Respekt für sein Talent zum Hamstern gezollt werden, zumal er diese Aufgabe viel besser bewältigt als das total verpeilte Eichhörnchen, das im Herbst gefühlte Tonnen an Vorräten sammelt, später vergräbt und den Großteil davon nie wiederfindet.

Steht eine Hungersnot bevor?

Doch wir Menschen sind da mittlerweile sehr nah am Tierreich dran. Wir müssen unmittelbar vor einer epochalen Hungersnot stehen. Anders lassen sich zurzeit die hamstertypischen Mengen an Nudeln oder Weizenmehl nicht erklären, die über die Ladentheken gehen. In spätestens einem Jahr wird sich dann die Frage stellen, was aus den ganzen Vorräten werden soll.

Ein Punkt beunruhigt mich bei all der Hamsterei persönlich aber besonders, weil ich ihn nicht verstehe. Warum kaufen zurzeit viele Menschen diese Unmengen an Toilettenpapier? Bei einigen Märkten soll die Abgabe an Kunden bereits limitiert worden sein. Nach meinem Verständnis ist das Cornonavirus doch eine Lungen- und keine Darmerkrankung. Oder ist Toilettenpapier, ohne dass wir es gemerkt haben, vielleicht zur neuen Ersatzwährung geworden? Also lässt sich dann in künftigen Quarantänezeiten das gute dreilagige Papier gegen leckere Dosenravioli tauschen?

Der Virus am Bahnsteig

Doch nicht nur beim Einkaufen verändert der Virus unser Verhalten, sondern auch beim Zug- oder Busfahren. Im Englischen gibt es dafür mittlerweile den Begriff des Social Distancing, also der sozialen Distanzierung, die bei einer Tour mit der Brenzbahn nach Aalen mittlerweile zum Standard wird. Wo sonst zu Stoßzeiten dichte Menschentrauben vor den Türen der eingefahrenen Züge stehen, finden sich nun die Pendler in lockeren Formationen zusammen, die den empfohlenen Mindestabstand von einem Meter freiwillig einhalten. Keiner drängelt, denn alle wissen, wer zuerst kommt, den bestraft eventuell die Quarantäne. Und auch beim Aussteigen will plötzlich niemand mehr vorn sein. Denn der Erste muss zwangsläufig den potenziell verseuchten Türknopf drücken. Nirgendwo ist das Risiko einer Schmierinfektion so groß wie im ÖPNV, wissen zumindest die meisten Hobby-Virologen.

Und so entschleunigt das Coronavirus auf ungeahnte Weise den Pendleralltag. Gelassenheit allerorten, wäre da nicht dieser hustende Mensch im Nachbarabteil, der dann doch wieder hypochondrische Gefühle wecken kann. Einen anderen Nebeneffekt hat Covid-19 übrigens auch noch. Die bis vor Kurzem noch so heiß diskutierten regelmäßigen Zugverspätungen spielen im Augenblick in Gesprächen kaum noch eine Rolle.

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