Der nächste Oberbürgermeister von Heidenheim wird … Tusch, Trommelwirbel. Das wäre jetzt wirklich mal eine verkaufsfördernde Information, aber da muss ich Sie an dieser Stelle leider enttäuschen, denn als Redaktionsleiter beschäftige ich mich mit der Wahrheit und nicht mit dem Wahrsagen.

Dennoch soll es in dieser Kolumne um die Oberbürgermeisterwahl gehen, genauer gesagt um das Interesse daran. Seit 1999 ist die Wahlbeteiligung immer weiter gesunken. Vor sechs Jahren lag sie gerademal noch bei 26,37 Prozent. Das ist wirklich schade, weil es sich bei dem zu vergebenden Posten um einen der wichtigsten in der Stadt handelt. Nicht wenige Menschen sagen sogar um den wichtigsten.

Kein großes Interesse?

Auch wenn die Wahlbeteiligung

Oberbürgermeister-Wahl Heidenheim Michael Salomo gewinnt im ersten Wahlgang

Heidenheim

bei dieser Abstimmung wahrscheinlich höher sein wird als 2015, ist die Prognose, dass wieder die Mehrheit der Heidenheimer nicht von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen wird, nicht falsch. Das mutet angesichts des bevorstehenden Generationenwechsels seltsam an und wird auch nicht den Anstrengungen der Kandidaten in den vergangenen Wochen gerecht. Besonders umfangreich war das Programm, das Michael Salomo und Klaus Nopper in diesem Zeitraum absolvierten.

Nicht ganz so stark war die Präsenz von Matthias Förster und Matthias Ludewig. Dennoch wurden auch ihre Positionen sichtbar, etwa bei der Beantwortung des HZ-Fragekatalogs vor zwei Wochen.

Oberbürgermeister-Wahl Heidenheim Michael Salomo gewinnt im ersten Wahlgang

Heidenheim

Alle vier Kandidaten haben in ihre Kampagnen viel Herzblut und Engagement gesteckt. Eine hohe Wahlbeteiligung wäre zumindest eine kleine Anerkennung dafür. Zudem stellt sich die Frage, warum es so vielen Heidenheimern egal zu sein scheint, was mit der Innenstadt passiert, wie viele Kindergartenplätze entstehen oder wie es mit der Ausweisung weiterer Bauflächen aussieht.

Nichtwählen ist auch eine Art der Meinungsäußerung, die unser mehr als 70 Jahre altes Grundgesetz den Bürgern dieses Landes ausdrücklich einräumt. Menschen aus der ehemaligen DDR kennen das noch anders. Hier gab es eine Wahlpflicht, während sich die Verfassungsväter in der Bundesrepublik für die Wahlfreiheit aussprachen.

Nichtwählen als Lebensgefühl

Mittlerweile ist aber das Nichtwählen zu einer Art Massenbewegung geworden, der sich immer mehr Menschen anschließen. Sie überlassen das Recht zu wählen einfach anderen. Auf einmal ist es Mode, seine Stimme nicht abzugeben und wird auf manchen sozialen Medien schon so zelebriert wie die Entscheidung für einen bewussteren Lebensstil oder den Kauf von Bioprodukten.

Die Nachkriegsgeneration hat die erste langfristig funktionierende Demokratie in diesem Land geschaffen, die die nachfolgenden Jahrgänge weiter verfeinert haben. Doch was folgt nun? Hoffentlich keine Entscheidung für die Nichtbeteiligung. Das mag zwar vielen konsequent erscheinen, ist auf der anderen Seite aber höchst destruktiv.

Wählen entscheidet über unsere Zukunft, Nichtwählen jedoch auch. Bei der Abstimmung am Sonntag geht es um unsere Lebensqualität und darum welche Schwerpunkte künftig in Heidenheim gesetzt werden. Entscheiden Sie, liebe Leserinnen und Leser, am Sonntag ganz persönlich. Wer etwas bewegen möchte, muss wählen gehen. Auswahl gibt es dafür am Sonntag genug.

Oberbürgermeister-Wahl Heidenheim Michael Salomo gewinnt im ersten Wahlgang

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