Wer kennt das nicht, beim Weg in den Feierabend einfach mal den Fuß zu lange auf dem Gaspedal gelassen und schon erhält man wenige Tage später ein meist recht unvorteilhaftes Foto von einer Behörde. Das sorgt für Ärger und ist teilweise mit hohen Kosten verbunden. Trotzdem wäre es falsch, Blitzer pauschal zu verteufeln. Denn wer das Tempolimit nicht überschreitet, muss auch nicht mit einem Bußgeld rechnen. Worüber sich aber trefflich streiten lässt, sind die Orte, an denen geblitzt wird. Denn die wirken oftmals alles andere als gerechtfertigt.

Insgesamt ist in den vergangenen Jahren in Baden-Württemberg das Risiko höher geworden, für Geschwindigkeitsübertretungen bestraft zu werden. Denn laut einer Statistik des Internetportals Blitzer.de ist die Zahl der stationären Radarfallen im Land von etwa 500 zur Jahrtausendwende bis auf fast 1300 im vergangenen Jahr gestiegen. Das entspricht einem deutlichen Zuwachs um 250 Prozent. Diese Statistik zeigt zudem noch einen weiteren Aspekt: Kein anderes Bundesland besitzt so viele Messanlagen wie Baden-Württemberg.

Einnahmen bekommt der Landkreis

Allerdings lässt sich der pauschale Vorwurf vieler Autofahrer, der Landkreis oder die Gemeinden wollten nur ihre leeren Kassen aufbessern, nicht belegen. Denn die Zahl der stationären Blitzer im Kreis ist schon seit einigen Jahren recht stabil. Aktuell liegt sie bei 14 Messstationen. Das könnte sich bald ändern, denn Dischingen und Nattheim haben bereits Interesse an neuen Anlagen bekundet. Jedoch kann man dabei zumindest für die Kreisgemeinden von einem echten Zuschussgeschäft sprechen. Die Einnahmen fließen komplett zum Landratsamt nach Heidenheim, während sich die Kommunen mit fünfstelligen Beträgen an den Anschaffungskosten beteiligen müssen.

Außerdem zeigt schon ein Blick über die Kreisgrenzen, dass die Rechnung „mehr Blitzer gleich mehr Einnahmen“ nicht stimmt. Während der Kreis Esslingen mit seinen 54 stationären Anlagen vor zwei Jahren 668 000 Euro generierte, erzielte der Rems-Murr-Kreis im selben Zeitraum mit vier Geräten 733 000 Euro. Das liegt nach Expertenmeinung daran, dass sich bei stationären Anlagen mit jedem Betriebsjahr die Zahl der gemessenen Geschwindigkeitsübertretungen verringert. Diese Erfahrung teilt übrigens auch Heidenheim. Hier nimmt die Stadt mit ihren zwei stationären Blitzern gerade einmal vier Prozent der Summe ein, die sie insgesamt mit Radarkontrollen (also inklusive mobiler Messungen) erzielt.

Trotz Radarfallen steigen die Unfallzahlen

Dennoch ist das Argument vieler Gemeindeverwaltungen, sie wollten mit stationären Blitzern Unfallschwerpunkte entschärfen, nicht immer stichhaltig. Immerhin ist in Baden-Württemberg trotz der deutlichen Zunahme der Radarfallen die Zahl der Unfälle seit der Jahrtausendwende um rund 46 Prozent gestiegen. Zudem räumen einige Kommunen, wie beispielsweise Stuttgart, ein, dass das Aufstellen von Blitzern an einigen Stellen auch zu mehr Unfällen führen kann. Umso wichtiger wäre es, dass auf stationäre Anlagen deutlich hingewiesen wird, damit möglichst viele Verkehrsteilnehmer die Höchstgeschwindigkeit einhalten. In Frankreich ist das schon lange Realität.

Zudem würde so ein Vorgehen die Akzeptanz bei den Bürgern deutlich erhöhen. Wenn dann noch Anlagen auf der Grundlage von Fakten installiert werden, die für jeden öffentlich und nachvollziehbar sind, gäbe es auch deutlich weniger Vorwürfe an die Städte und Gemeinden, sie würden beim Aufstellen der Blitzer nur ans Abkassieren denken.