Heidenheim / Thomas Zeller Die Corona-Krise hat die Wirtschaft im Kreis Heidenheim an ihre Grenzen gebracht. Während die Exporte einbrachen, stieg die Kurzarbeit. Mittlerweile mehren sich aber die Anzeichen auf Besserung, meint Thomas Zeller in seiner Kolumne.

Die meisten von uns kennen mittlerweile jemanden, der durch die Corona-Pandemie seine Arbeitsstunden reduzieren musste. Nach einer aktuellen Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftsinstitutes der Hans-Böckler-Stiftung sind 29 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kreis Heidenheim in Kurzarbeit. Wer nun denkt, damit wäre die Region besonders stark betroffen, der irrt sich. Denn im Landesvergleich schlägt sich der Kreis sogar relativ gut. Im Raum Göppingen ist beispielsweise mehr als jeder zweite Beschäftigte in Kurzarbeit.

Dieses Arbeitsmarkt-Instrument schützt vor Entlassungen, sorgt aber auch für Verunsicherung und das in einer Situation, in der die Signale aus der Wirtschaft eher widersprüchlich sind. Zum einen gehen die Wirtschaftsforscher davon aus, dass sich die Arbeitslosigkeit in den Industriestaaten in den nächsten Monaten verdoppeln könnte und eine Umfrage des Münchner Ifo-Instituts kommt sogar zu dem Schluss, dass jede fünfte deutsche Firma ihre eigene Insolvenz befürchtet. Zum anderen hellen sich die konjunkturellen Prognosen aber auf und die Deutschen sind wieder optimistischer.

Doch wie geht es nun weiter? Genau hier liegt gerade die Krux. Niemand kann es sagen. Der Neustart nach dem Zwangsstopp im Frühjahr ist zwar in vielen Bereichen gut gelungen, aber an einigen Stellen, wie bei Messebauern, Gastronomen oder Kulturbetrieben, holpert es auch gewaltig. Da wundert es nicht, dass Firmen angesichts der Unsicherheit um ihre Existenz bangen. Gleichwohl bedeutet die Ifo-Umfrage aber nicht, dass wirklich jedes fünfte Unternehmen pleite gehen wird. Dennoch werden wir alle noch Monate mit dieser Unsicherheit leben müssen.

Das Wichtigste ist jetzt, ein zweites Herunterfahren der Wirtschaft zu vermeiden. Denn das würde zweifellos eine bisher beispiellose Pleitewelle auslösen. Der beste Weg eine weitere Zwangspause zu verhindern, ist die strikte und kompromisslose Einhaltung der Masken- und Abstandsregeln. Zusätzlich müssen die Krisenpläne noch weiter verfeinert werden, damit nicht neue Ausbrüche zu einem lokalen Kollaps führen können. Zudem sollten die Sommerferien dazu genutzt werden, die Heimunterrichts-Konzepte so auszubauen, dass in einem neuen Krisenfall nicht wieder die Hauptlast der Wissensvermittlung bei den Eltern liegt.

Allerdings muss uns im Kreis Heidenheim bewusst sein, dass die Corona-Krise die Wirtschaft hier noch härter treffen wird, als es die aktuellen Kurzarbeitszahlen vermuten lassen. Denn allein 2016 wurden im Kreis produzierte Güter im Wert von 2,5 Milliarden Euro exportiert – ein nicht unbedeutender Teil davon in die USA und nach China. Was dort in der nächsten Zeit passieren wird, darauf haben weder die Bundesregierung noch beispielsweise die Konzernführungen von Voith oder Hartmann Einfluss.

Trotz dieser schwierigen Situation muss der ins Stocken geratene Konsum wieder in Gang kommen. Die zeitweilige Senkung der Mehrwertsteuer scheint dabei der richtige Weg zu sein, denn jeder Dritte will nach einer Studie deswegen Käufe vorziehen. Wenn der Einzelhandel diesen Impuls nutzen kann und ihn wie beispielsweise in Heidenheim erstmalig mit einem gemeinsamen Konzept vieler einzelner Läden für einen gemeinsamen Schlussverkauf unter freiem Himmel begleitet, klingt das schon einmal erfolgversprechend.

Wenn sich jetzt noch das Land und der Bund überlegen, wie sie besonders schlimm betroffene Branchen, wie Gastronomie und Kulturbetrieb, fördern können, besteht auch hier die Chance, dass viele den bevorstehenden Corona-Winter überstehen werden. Das sind zwar eine Menge Wenns, doch je mehr davon umgesetzt werden, umso größer sind die Hoffnungen auf ein gutes Ende dieser Corona-Krise im Kreis Heidenheim.