Das Coronavirus wird nicht nur in Krankenhäusern bekämpft, sondern auch in Forschungslaboren, Arztpraxen und besonders in den Gesundheitsämtern. Solange es noch keine Impfstoffe gegen Covid-19 gibt, ist die Arbeit, die hier erledigt wird, besonders wichtig. Denn nur wenn die Infektionsketten nachvollzogen und unterbrochen werden können, macht der aktuelle Shutdown Sinn.

In der Spitze gab es in der vergangenen Woche rund 450 Menschen im Landkreis Heidenheim, die positiv auf das Virus getestet wurden. Dieser neue Rekord brachte das Corona-Team des Landratsamtes ans Limit. Zuletzt war es auf 65 Mitarbeiter angewachsen. Doch die müssen nicht nur täglich bei den aktiven Fällen den Gesundheitszustand abrufen, sondern sich auch noch um die Kontakt-Nachverfolgung bei Neuinfizierten kümmern. Hinzu kommt die Betreuung der rund 1400 Menschen, die im Kreis Heidenheim zurzeit in Quarantäne sind.

Das zeigt, wie schwierig die Situation bleibt. Nach einer nicht repräsentativen Umfrage der FAZ von Ende Oktober war in Baden-Württemberg in knapp 56 Prozent aller Corona-Fälle eine Rückverfolgung der Infektionsketten nicht mehr möglich, im benachbarten Bayern lag dieser Wert sogar bei 80 Prozent. Das liegt vor allem daran, dass bei jedem Covid-19-Fall zwischen 20 und 40 Kontakte überprüft werden müssen. Kein Wunder, dass da einige Gesundheitsämter zumindest teilweise die Segel streichen. So schnell wie hier neues Personal benötigt wird, kann es gar nicht ausgebildet werden.

Beherztes Handeln

Dass die Lage beim hiesigen Gesundheitsamt nicht ganz so dramatisch wie in anderen Regionen ist, liegt am beherzten Handeln von Landrat Peter Polta. Schon früh hatte er damit begonnen, Mitarbeiter aus anderen Bereichen in die Kontaktnachverfolgung zu versetzen. In Zahlen ausgedrückt, werden die 48 Beschäftigten des Gesundheitsamtes zeitweise von 159 Kollegen aus anderen Abteilungen unterstützt. Außerdem verstärken Helfer von der Heidenheimer Stadtverwaltung, dem Kreisabfallwirtschaftsbetrieb, der Feuerwehr und dem DRK den Bereich. Weil auch das zuletzt nicht mehr reichte, forderte er weitere Unterstützung bei der Bundeswehr an.

Kritik am Bundeswehreinsatz

Allerdings rief dieser Schritt auch bei einigen Menschen Unmut hervor. Die Vorwürfe waren teilweise so heftig, dass sie einer Einordnung bedürfen: Die Unterstützung durch die künftig 14 Soldaten ist nicht, wie in den sozialen Medien behauptet, ein rechtlich nicht erlaubter militärischer Eingriff in unsere Grundrechte, sondern es handelt sich um die durch das Grundgesetz legitimierte technische Amtshilfe, die schon früher bei Naturkatastrophen, wie Hochwasser, geleistet wurde. Etwas zugespitzt formuliert: Panzer sind nun mal bekanntlich wirkungslos im Kampf gegen das Virus. Die Aufgabe der Truppe in Heidenheim ist es vor allem, zu telefonieren und Infektionsketten nachzuspüren. Friedlicher geht es wohl kaum.

Wie die Bundeswehr in Heidenheim Amtshilfe leistet Landrat Peter Polta fordert mehr Soldaten für die Pandemie-Bekämpfung an

Heidenheim

Außerdem gilt es, aus der Corona-Krise noch eine weitere Lehre zu ziehen: Gesundheitsämter müssen als Arbeitgeber attraktiver werden. Schon vor der Corona-Krise hatten die Behörden große Probleme freie Stellen zu besetzen. Das zeigt sich gerade auch darin, dass der Heidenheimer Amtsleiter Christoph Bauer mitten in der Pandemie auch noch die Betreuung des Gesundheitsamtes im Alb-Donau-Kreis übernehmen musste. Um den chronischen Personalmangel an dieser Stelle zu beheben, müssen die Ämter dringend an ihrer Außendarstellung arbeiten. Obwohl das Aufgabengebiet von der Schwangerenberatung über Einschulungsuntersuchungen bis hin zur Abnahme von Hygienekonzepten groß ist, wird ihre Arbeit von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Zum anderen liegt es aber auch am Gehaltsniveau. Der Leiter des Gesundheitsamtes verdient maximal rund 7000 Euro monatlich. Eine vergleichbare Stelle im Krankenhaus ist mit rund einem Drittel mehr Gehalt dotiert. Die Wertschätzung, die die Politik diesem Bereich des Gesundheitswesens gerade entgegenbringt, sollte deshalb in konkrete Maßnahmen münden. Eine bessere personelle Ausstattung und ein attraktives Arbeitsumfeld wären dabei schon einmal ein guter Anfang.