Heidenheim / Thomas Zeller Nach acht Wochen Coronakrise wächst bei vielen Schülern und Eltern die Unzufriedenheit mit der Unterrichtssituation. Das Kultusministerium muss endlich liefern und klar kommunizieren, was in den nächsten Monaten möglich ist, meint Thomas Zeller in seiner Kolumne.

Schulen sind wichtig und teuer. Das wissen viele Gemeinden und Städte im Kreis, die große Beträge in die Hand nehmen müssen, um eben diese Bildungseinrichtungen für die nächsten Schülergenerationen fit zu machen. In Giengen hat sich der Gemeinderat gerade vorgenommen, in den kommenden 16 Jahren 50 Millionen Euro in diesen Bereich zu investieren, in Herbrechtingen sind es mehr als 60 Millionen und Heidenheim dürfte in der Vergangenheit vermutlich auf ähnliche Summen gekommen sein.

Doch der richtige Weg, den hier viele Kommunen im Kreis einschlagen, wird immer stärker von der Landespolitik konterkariert. Die Corona-Krise wirkt dabei wie ein Brennglas, das die Auswirkungen fehlerhafter Entscheidungen verstärkt. Bei der Digitalisierung hinken die Schulen seit Jahren internationalen Standards hinterher. Gerade in den vergangenen Wochen wären dienstliche E-Mail-Adressen für alle Lehrer zur Kommunikation mit den Schülern wichtig gewesen. Aber das Kultusministerium will sich erst frühestens Ende 2021 dieses Themas annehmen.

Die digitale Bildungsplattform „ella“ wurde jahrelang geplant und hat Millionen gekostet. Sie hätte Schülern und Lehrern gerade jetzt gute Dienste leisten können. Leider muss auch hier wieder mit dem Konjunktiv gearbeitet werden. Denn die Umsetzung scheiterte noch vor dem Start an einem diffusen Rechtsstreit. Auch bei der Suche nach Alternativen agierte das Kultusministerium eher glücklos. Zwar stellte die Behörde allen Schulen das System Moodle zur Verfügung, mit dem unter anderem virtuelle Kurse veranstaltet, Arbeiten und Feedback verteilt werden können. Doch bei der Einführung der Software ließ die Behörde die Schulen allein. Viele Lehrer beklagten sich über die komplizierte Einrichtung des Systems, bei dem auch die zur Verfügung gestellten Online-Anleitungen wenig weiterhalfen. In der Konsequenz suchten sich viele Bildungseinrichtungen eigene Lösungen zusammen wie beispielsweise die lernunterstützende App Anton, die in einigen Grundschulen im Kreis eingesetzt wird. Sie alle eint vor allem eines, dass sie nur einen Bruchteil der Kosten aufwerfen, die die nächste Bildungsplattform kosten soll.

Nun kommt noch die Debatte zur Rückkehr in irgendeine Art von Normalbetrieb in den Schulen dazu. Aber ganz ehrlich, wenn der Staat weiter auf die Schulpflicht pocht, kann er im Umkehrschluss Schüler nicht monatelang allein lassen. Seit mehr als acht Wochen werden Eltern immer wieder vertröstet. So wundert es nicht, dass die Stimmung rauer wird. Elternvertreter aus Heidelberg kritisieren beispielsweise in einem Brief an das Kultusministerium die schrittweise Öffnung der Grundschulen als einen „Schlag ins Gesicht“. Nach den aktuellen Plänen werden beispielsweise Grundschüler in Heidenheim zwischen den Pfingst- und Sommerferien noch maximal 30 Stunden Präsenzunterricht erhalten. Das ist nur ein Viertel des regulären Unterrichtspensums. Die restlichen 90 Stunden werden wieder in der Verantwortung der Eltern liegen. Die Auswirkungen für die Kinder sind gravierend. Denn schon jetzt hat sich die Bildungslücke in den Klassen weit geöffnet. Nicht alle Eltern wollen und können der Rolle als Privatlehrer ihrer Kinder gerecht werden.

Zudem sorgen die Auswüchse des Föderalismus für Verdruss. Warum beispielsweise in Sachsen bereits seit dieser Woche alle Kinder wieder in den Kindergarten oder die Schule gehen dürfen und in Baden-Württemberg nicht, verstehen die wenigsten. Und ein weiteres Damokles-Schwert schwebt über vielen Familien: Vermutlich wird der eingeschränkte Unterricht auch im nächsten Schuljahr so weiterlaufen. Deshalb muss endlich eine Entscheidung her. Eltern brauchen mehr Klarheit und Struktur. Und nach acht Wochen Corona-Krise muss das Kultusministerium endlich einmal liefern und klar kommunizieren, was möglich ist, anstatt sich hinter den Unwägbarkeiten des Virus zu verschanzen.