Heidenheim / Thomas Zeller In Heidenheim lässt es sich gut arbeiten. Arbeitnehmer verdienen hier deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt. Daran wird sich auch durch die Corona-Krise nicht so schnell etwas ändern, meint Thomas Zeller in seiner Kolumne.

In Heidenheim zu arbeiten lohnt sich. Nach den Entgeltdaten der Bundesagentur für Arbeit (BA) lag der monatliche Durchschnittslohn in Heidenheim im vergangenen Jahr bei 3 711 Euro. Damit haben Beschäftigte hier brutto rund 310 Euro mehr in der Tasche als im bundesdeutschen Durchschnitt. Eine der Ursachen dürfte im hohen Gehaltsniveau von Firmen wie Voith oder der Hartmann Gruppe zu finden sein.

Es ist also durchaus lukrativ, sich im Kreis eine Stelle zu suchen. Das zeigt auch der regionale Vergleich: Im Landkreis Göppingen liegt das monatliche Einkommen rund 60 im bayrischen Kreis Günzburg sogar deutliche 450 Euro darunter. Nicht unterschlagen werden soll aber auch, dass eine Stelle im Ostalbkreis deutlich besser dotiert ist. Sucht man den deutschlandweiten Vergleich mit dem Schlusslicht der Erhebung, dem Landkreis Görlitz, dann liegt die Differenz sogar bei rund 1 330 Euro, die ein Arbeitnehmer in Heidenheim durchschnittlich mehr verdient als sein Gegenüber in der Lausitz, wohlgemerkt monatlich.

Diese Zahlen sind das Ergebnis eines rund zehn Jahre währenden Aufschwungs am Arbeitsmarkt. In diesem Zeitraum fanden im Kreis immer mehr Menschen eine Beschäftigung, gleichzeitig gab es immer mehr offene Stellen. Das führte zu einem deutlichen Lohnplus, bundesweit stiegen die Gehälter zwischen 2009 und 2019 durchschnittlich um rund 2,6 Prozent jährlich.

Durch die Coronakrise ist dieser Trend abrupt gestoppt worden. Gingen die Wirtschaftswissenschaftler von Oxford Economics Anfang des Jahres noch von einer Entwicklung auf Vorjahresniveau aus, haben sich die Prognosen zuletzt deutlich verschlechtert. Eine Studie des Vergleichsportals „Gehalt.de“ geht mittlerweile nur noch von einem Zuwachs in Höhe von 1,6 Prozent aus und das auch nur noch, weil die Arbeitgeber durch Tarifverträge aus den Vorjahren gebunden sind. Real wird bei vielen Beschäftigten, die in Kurzarbeit sind, in diesem Jahr sogar ein Gehaltsminus herauskommen.

Das Motto Beschäftigungssicherung statt Lohnplus steht deshalb bei vielen Verhandlungen inzwischen im Mittelpunkt. Wie beim Standortsicherungspakt bei Voith verhandeln viele Firmen gerade mit den Betriebsräten über finanzielle Zugeständnisse der Arbeitnehmerseite. Im Gegenzug gibt es dann zumeist Garantien für den Erhalt von Arbeitsplätzen.

Einen schnellen Kollaps des hiesigen Beschäftigungsmarktes müssen Arbeitnehmer aber dennoch nicht befürchten. Dafür sorgen Instrumente wie die Kurzarbeit und ein genauerer Blick in die Belegschaften der Unternehmen. Dort zeigen sich zumeist die demografischen Verschiebungen. Spätestens ab 2025 werden die meisten Firmen von einer Verrentungswelle getroffen, die qualifizierten Nachwuchs knapp und kostbar macht.

Bis dahin gibt es für die meisten Arbeitnehmer zumindest einen kleinen Trost: Die Inflationsrate wird diesem Jahr coronabedingt relativ gering ausfallen. Das bedeutet, dass die Preise in vielen Bereichen nur wenig steigen werden und damit Lohnzuwächse der vergangenen Jahre zumindest noch etwas länger erhalten bleiben.