Es ist eine schwierige Diskussion. Sollen angesichts der rasant gestiegenen Inzidenz Weihnachtsmärkte in Heidenheim oder auf der Burg Katzenstein stattfinden? Dort gilt zumeist Maske ab, warmes Getränk und gebrannte Mandeln rein, Maske wieder auf. Stellt man sich dann noch in der Kälte ausgeatmete Luft vor, fallen einem fast automatisch Aerosole ein.

Weihnachtsmärkte stehen vor allem für ein bestimmtes Lebensgefühl. Es ist einfach schön, im Advent durch die Hintere Gasse in Heidenheim zu laufen und sich nach dem Geschenkeinkauf noch auf einen Glühwein mit Familie oder Freunden zu treffen. Das ist aber nur eine Seite, eine andere sind die wirtschaftlichen Existenzen, die an diesen Märkten hängen. Seit geraumer Zeit kämpfen die Betreiber, Wurstverkäufer und Kunsthandwerkshändler ums Überleben, weil die meisten Volksfeste wegen der Pandemie abgesagt wurden.

Weihnachtsmärkte als Pandemiebeschleuniger?

Doch es geht auch nur wenige Meter entfernt auf dem Schlossberg um Existenzen. Chefarzt Dr. Martin Grünewald spricht von einer extrem angespannten Situation im Klinikum. Das Personal sei am Limit, planbare Operationen müssen verschoben werden. Damit hier nicht auch noch Betten für Patienten reserviert werden müssen, die sich beim geselligen Beisammensein anstecken, muss die Stadt ein klares Signal senden. Es gilt, Menschenansammlungen zu vermeiden. Denn wenn sich Hunderte durch das zugebaute Weihnachtsmarktareal quetschen, während andere dort vielleicht etwas essen oder trinken, steigt selbst im Freien bei 2G das Ansteckungsrisiko erheblich.

H.D.H. als Vorbild

Souveräner mit der aktuellen Situation geht beispielsweise der Heidenheimer Dienstleistungs- und Handelsverein um, der vernünftigerweise entschieden hat, seine Schlittschuhbahn in der Georges-Levillain-Anlage Ende Dezember vorerst nicht in Betrieb zu nehmen. Im Kreis Heidenheim war das nicht die erste Absage, auch in Gerstetten hat sich das Rathaus mit Blick auf die Pandemie entschieden, auf den Weihnachtsmarkt zu verzichten. Warum die Stadtverwaltung in Heidenheim stattdessen voll auf Risiko setzt, ist in diesem Zusammenhang schwer verständlich. Es geht vor allem darum, die Kontrolle zu behalten. Und das ist bei einem Kinobesuch oder einem gemütlichen Abend im Restaurant nach den geltenden 2G-Regeln weit besser möglich als bei einem vermeidbaren Adventsspektakel.

Ohne Frage werden sich die Veranstalter bei der mehrtägigen Veranstaltung an alle geltenden Regeln halten. Ähnlich sieht es auch in anderen Orten im Kreis aus. Es wird also alles so sicher sein, wie es eben möglich ist, wenn in Zeiten einer Pandemie viele Menschen zusammenkommen. Deshalb sollten sich die Behörden, die die geplanten Weihnachtsmärkte im Kreis Heidenheim genehmigen, die Frage stellen, ob sie damit dazu beitragen die Coronalage wieder in den Griff zu bekommen, oder ob sie die Probleme im Klinikum auf dem Schlossberg weiter verstärken werden.